Bundesfinanzminister: Schäuble muss erneut ins Krankenhaus
zuletzt aktualisiert: 28.09.2010 - 16:38Berlin (RPO). Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) muss erneut für längere Zeit ins Krankenhaus. Er werde sich zur Behandlung von Druckgeschwüren für etwa vier Wochen stationär in eine Klinik begeben, teilte sein Ministerium am Dienstag in Berlin mit. Schäuble wolle vom Krankenhausbett aus arbeiten. Das nächste Treffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) werde er aber wohl verpassen.
"Entzündungen erfordern eine Behandlung", hieß es weiter. Den Angaben zufolge sind bei dem querschnittsgelähmten Minister Druckgeschwüre aufgetreten, das sind Schädigungen der Haut wie beim Wundliegen. Schäubles Sprecher Michael Offer sagte, die Erfahrung aus dem Frühjahr habe gezeigt, dass es möglich sei, die Amtsgeschäfte vom Krankenbett aus zu führen.
Anfang Mai hatte der Minister wegen seines Krankenhausaufenthaltes allerdings Beratungen in Brüssel über den EU-Rettungsschirm verpasst, Innenminister Thomas de Maiziere musste für ihn einspringen. Nun dürften wie damals wieder Spekulationen aufkommen, ob der Minister genug Kraft hat, um sein Amt voll auszuüben.
Druckgeschwüre
Das Problem Druckgeschwür entsteht im Bindegewebe. Übersteigt der Druck beim dauernden Sitzen oder Liegen auf den Körper ein bestimmtes Maß, werden feinste Blutgefäße blockiert, was die Nährstoffversorgung des Gewebes behindert.
Schlecht verheilte Operationswunde
Der CDU-Politiker ist seit einem Attentat im Jahr 1990 querschnittsgelähmt. Im Februar war ihm erfolgreich ein Implantat eingesetzt worden, was für einen Rollstuhlfahrer nicht als ungewöhnliche Operation gilt. Die Wunde war allerdings nicht wie erhofft problemlos verheilt. Auch diesmal muss Schäuble wieder wegen sogenannter Dekubitusproblemen in die Klinik. "Entzündungen erfordern eine Behandlung", hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums.
Schäuble selbst sagte nach Angaben von Teilnehmern in einer Sitzung der Unions-Fraktion, worunter er im Frühjahr gelitten habe, sei nicht vollständig überwunden. Nach Beratung mit seinen Ärzten werde er sich daher für ein paar Wochen "in die Horizontale" begeben, um sich auszukurieren. Er hoffe, dabei "wohlwollend begleitet" zu werden. Bundeskanzlerin Merkel machte den Angaben zufolge in der Sitzung deutlich, sie werde mit dem Finanzminister während dessen Abwesenheit täglich in Kontakt stehen.
Die Kanzlerin hatte sich schon im Mai demonstrativ vor Schäuble gestellt und betont, es müsse keine Kabinettsumbildung geben. Der Minister äußerte damals Verständnis für Fragen nach seinem Gesundheitszustand. "Diejenigen, die sich um Verantwortung bemühen, müssen sich fragen lassen, ob sie das können, auch physisch", sagte Schäuble in einem Interview.
Schäuble verpasst IWF-Tagung
Wegen des neuen Klinikaufenthalts wird Schäuble nach Angaben seines Ministeriums Anfang Oktober nicht an der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und den Ministertreffen am Rande teilnehmen. Vertreten wird ihn voraussichtlich sein Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen.
Offen ist, ob Schäuble zum Treffen der G20-Finanzminister vom 21. bis 23. Oktober in Südkorea wieder fit ist. Dort soll dann der Weltwirtschaftsgipfel der Staats- und Regierungschefs vorbereitet werden, an der zwei Wochen später neben Merkel auch Schäuble teilnehmen soll.
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