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Flughafensicherheit
Schäuble: Nackt-Scanner verletzen Würde

So funktioniert der Nackt-Scanner
So funktioniert der Nackt-Scanner FOTO: AFP
Berlin (RPO). Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble lehnt die Einführung sogenannter Nackt-Scanner an deutschen Flughäfen entschieden ab. Er befürchtet, die Würde der Fluggäste könnte verletzt werden.

Zwar hält er es für richtig, "Geräte zu entwickeln, die das Abtasten von Passagieren ersetzen", sagte Wolfgang Schäuble am Rande eines EU-Innenministertreffens in Luxemburg. "Aber so lange solche Bilder entstehen, werden sie nicht eingesetzt werden", betonte der Bundesinnenminister. "Ich will nicht, dass die Bundespolizei in das Licht kommt, sie seien heimliche Spanner."

Frage der "privaten Würde"

Schäuble will die umstrittene Technik offenbar erst dann einsetzen, wenn der menschliche Körper auf den Bildern weitgehend unkenntlich gemacht werden kann. Die Ganzkörper-Scanner sollen dazu dienen, am Körper versteckte Waffen wie etwa Keramikmesser sichtbar zu machen, die von den gängigen Metalldetektoren nicht erkannt werden. Dazu wird mittels elektromagnetischer Strahlung ein Schwarzweißbild erstellt, auf dem nach heutigem Stand der Technik auch der Körper der kontrollierten Person ohne Kleidung zu sehen ist.

Diese Bilder seien "etwas, was schon mit der privaten Würde, auch mit datenschutzrechtlichen Prinzipien zu tun hat", sagte Schäuble. "Man kann darauf beispielsweise erkennen, ob jemand eine Prothese hat, das will nicht jeder." Zudem seien die Aufnahmen nicht dazu geeignet, das Vertrauen der Bürger in die Sicherheitsbehörden zu stärken. "Ich lege aber schon Wert darauf, dass wir in der öffentlichen Wahrnehmung innere Sicherheit nicht lächerlich machen", sagte Schäuble.

Die Bundespolizei hatte am Donnerstag erklärt, sie wolle die Ganzkörper-Scanner testen. Schäuble sagte dazu: "Die Tests sind schon ganz okay. Natürlich sind die Sicherheitsbehörden geradezu verpflichtet, zu schauen: Kann man Sicherheitskontrollen erleichtern? Aber so lange solche Bilder entstehen, werden sie nicht eingesetzt werden."

Bundesinnenministerium: Nackt-Scanner sind Unfug

Das Bundesinnenministerium hat die Einführung sogenannter Nackt-Scanner in Deutschland ausgeschlossen. Eine Sprecherin von Minister Wolfgang Schäuble sagte am Freitag in Berlin: "Ich kann Ihnen in aller Klarheit sagen, dass wir diesen Unfug nicht mitmachen." Die mögliche Einführung der neuartigen Kontrollgeräte an Flughäfen, die Passagiere nackt zeigen, hatte in den letzten Wochen hohe Wellen geschlagen. Datenschützer befürchten, die Nackt-Scanner könnten auch an anderen Orten eingesetzt werden.

Die Geräte, die das Abtasten nach verborgenen Waffen wie Keramikmesser oder Plastiksprengstoff überflüssig machen, will die EU-Kommission auf europäischen Flughäfen prinzipiell zulassen. Die Scanner arbeiten mit unterschiedlichen Technologien, haben aber eines gemeinsam: Sie zeigen die Menschen nackt, Speckrollen, künstliche Darmausgänge und Genitalien inklusive.

Polizeigewerkschaft sieht keinen Sicherheitsgewinn

Die Gewerkschaft der Polizei erklärte, die Scanner brächten keinen Sicherheitsgewinn. "Das Sicherheitsniveau an Flughäfen lässt sich durch Körper-Scanner sicher nicht verbessern", sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Konrad Freiberg der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Nackt-Scanner im Ausland bereits im Test

Nackt-Scanner werden derzeit bereits auf Flughäfen in den USA, Holland und der Schweiz getestet. Die meisten dieser Geräte arbeiten mit Hilfe angeblich ungefährlicher elektromagnetischer Strahlen im Terahertz-Bereich. Durch die Auswertung der je unterschiedlichen Reflexion und Absorption der Strahlen auf und in der Kleidung, versteckten Gegenständen oder der menschlichen Haut wird dann ein dreidimensionales Bild in Schwarzweiß erstellt, auf dem der Fluggast ohne Kleidung erscheint.

US-Behörden testen zudem auf dem Flughafen von Orlando im US-Bundesstaat Florida Geräte, die mit der so genannten Backscatter-Röntgentechnik arbeiten. Sie nutzen dazu die Streuung schwacher Röntgenstrahlen an Oberflächen. Diese Geräte zeigen Menschen dann so detailgetreu, dass Bilder mit den Rohdaten von einem Computerprogramm partiell abgedunkelt werden, bevor sie den Kontrolleuren gezeigt werden.

"Türöffner für andere Bereiche"

Datenschützer und Politiker wie der Innenexperte der SPD-Fraktion, Dieter Wiefelspütz, oder dessen FDP-Kollege Max Stadler sehen in der elektronischen Entblößung auf Flughäfen einen Verstoß gegen die Menschenwürde. Dies gilt nach Ansicht des schleswig-holsteinischen Datenschützers Thilo Weichert selbst dann, wenn das elektronische Abtasten bis auf die Haut angeblich freiwillig geschieht. "Es gibt immer einen faktischen Zwang, wie etwa den Hinweis auf eine schnellere Abfertigung", sagt er.

(ap)
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