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Ruhestand mit 67 Jahren reicht nicht: Schäuble: Noch später in Rente

VON ALEXANDER VON GERSDORFF - zuletzt aktualisiert: 19.12.2006 - 08:54

Berlin (RP). Das spätere Renteneintrittsalter von 67 Jahren ist noch nicht beschlossen, da denkt die Bundesregierung schon darüber hinaus. So ist nach Einschätzung von Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) ein weiterer Anstieg des Renteneintrittsalters unausweichlich. „Das ist nicht das Ende der Entwicklung, um es offen und klar zu sagen“, schreibt der 65-jährige im Magazin „Cicero“. Die Lebensarbeitszeit müsse länger werden, „wenn man die Systematik des Generationenvertrages erhalten will“.

Unterstützung kommt von Rentenexperten. Aus heutiger Sicht sei die „Rente mit 67“ zwar „das vernünftige Maß“, sagte Bernd Raffelhüschen unserer Zeitung. „Wenn aber die Lebenserwartung stärker steigt als erwartet, dann sollten wir nochmal über die Rente mit 68 nachdenken.“ Bevor die Regierung das Rentenalter aber weiter nach oben verschieben wolle, „muss sie zunächst kostspielige Ausnahmen zurücknehmen“, betont der Freiburger Ökonom. „Das gilt vor allem für den vollen Rentenbezug nach 45 Beitragsjahren.“

Auch Meinhard Miegel, Direktor des Bonner Sozialinstituts IWG, hat bereits die „Rente mit 68“ im Blick. „In den nächsten 25 Jahren erleben wir eine Zunahme der Lebenserwartung von drei bis fünf Jahren“, sagte er unserer Zeitung. „Das bedeutet: Selbst bei einer ,Rente mit 67’ steigen die Rentenbezugsdauer und damit die Belastung des Rentensystems weiter an. Das macht eine ,Rente mit 68’ immer realistischer.“ Die Gewerkschaften lägen „richtig mit ihrer Feststellung, dass dies für viele Menschen eine verkappte Rentenkürzung ist. Aber anders geht es nicht“.

Miegels Institut warnt in einer aktuellen Studie, auch mit der „Rente mit 67“ werde die Zielvorgabe eines Rentenbeitrags von maximal 22 Prozent bis 2030 überschritten.

Nach Schäubles Ansicht wissen die meisten Menschen um die Notwendigkeit einer längeren Lebensarbeitszeit, hoffen aber, dass es sie selbst nicht betreffe. „Hier muss politische Führung ansetzen. Sie muss die Fakten benennen und versuchen, die Ängste abzubauen.“

Schäuble argumentiert, eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit sei zudem „wahrscheinlich das wirksamste Vorsorgeprogramm gegen Demenz“. Je länger Menschen aktiv im Leben stünden, „desto länger scheint es zu gelingen, Verfallsprozesse wie die Demenz hinauszuzögern“. Dies sei Stand der medizinischen Forschung.

Die Bundesregierung plant, die Regel-Altersgrenze von 2012 bis 2029 schrittweise von 65 auf 67 Jahre anzuheben. Alle Jahrgänge ab 1964 können damit erst mit 67 Jahren ohne Abschläge in den Ruhestand gehen.


 
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