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Ingenieure als Lehrer: "Schavans Vorschlag ist Nonsens"

zuletzt aktualisiert: 23.02.2009 - 18:58

Berlin (RPO). Der Vorschlag von Bundesbildungsministerin Annette Schavan, Ingenieure in die Schulen zu schicken, stößt auf Widerstand. Der Deutsche Lehrerverband beurteilt den Vorschlag als aussichtslos. Um den Lehrermangel zu beheben, müssten Lehrer stattdessen besser bezahlt werden. Auch ihr Image müsse verbessert werden.

Annette Schavan wird Verschwendung von Steuergeldern vorgeworfen  Foto: AP, AP
Annette Schavan wird Verschwendung von Steuergeldern vorgeworfen Foto: AP, AP

Der Deutsche Lehrerverband hält nichts davon, Ingenieure aus der Wirtschaft als Aushilfslehrer an Schulen einzusetzen. Dieser Vorschlag von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sei "aussichtslos", sagte Verbandspräsident Josef Kraus am Montag. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bezeichnete den Vorschlag ebenfalls als Nonsens, der das Problem des Lehrermangels nicht löse. Seit Jahren seien zu wenige Lehrkräfte ausgebildet und eingestellt worden, kritisierte der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne.

So fehlten bundesweit etwa 20.000 Lehrer, vor allem in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften, erklärte Kraus. In den beruflichen Schulen gebe es zu wenig Pädagogen vor allem für Elektrotechnik, Metalltechnik und Wirtschaftspädagogik. Dies bedeute ein Volumen von 500.000 Unterrichtsstunden in der Woche, die abgedeckt werden müssten, gab Kraus zu bedenken und betonte: "Das kann die Industrie nicht leisten."

Im Übrigen hinke die Ministerin "der Kreativität vieler Schulen hinterher", sagte Kraus. Um den Lehrermangel an seinem Gymnasium abzufangen, habe er bereits vor zwei Jahren Maschinenbauingenieure und Informatiker als Lehrkräfte in die Klassenzimmer geholt. "Solche Maßnahmen sind aber immer nur Notlösungen und entbinden die Kultusminister der Länder nicht davon, endlich eine solide Personalplanung und -werbung einzurichten", betonte Kraus.

Schuld am Lehrermangel sei die „miserable, leider nur kurzatmige Personalplanung und Personalwerbung der 16 Kultusminister“ sowie „das schlechte beziehungsweise schlechtgeredeten Image der Lehrerschaft in der Öffentlichkeit", erklärte der Verbandspräsident. Hinzu komme die "fortschreitende Überfrachtung der Schulen mit sozialpädagogischen Reparaturaufgaben und die schlechte Vergütung für Referendare".

Der sächsische Kultusminister Roland Wöller (CDU) erklärte im MDR, Lehrer müssten nicht nur fachlich, sondern auch fachdidaktisch hervorragend ausgebildet sein. Um statt mittelmäßiger Abiturienten "die Besten eines Abiturjahrgangs tatsächlich für ein Lehramtsstudium gewinnen", könnten die Länder ihnen bereits zu Beginn des Studiums feste Einstellungsgarantien geben, wenn die Leistungen stimmten.

In den nächsten zehn Jahren könnte sich der Lehrermangel weiter verschärfen, erklärt Krause. Denn von den derzeit 800.000 aktiven Lehrern in Deutschland gingen dann über 300.000 in den Ruhestand. Die Lücken ließen sich kurzfristig nur mit Hilfe von Quereinsteigern und Pensionisten schließen, sagte er. Langfristig sei eine "differenzierte Werbung der Kultusminister" nötig.

Vor diesem Hintergrund verteidigte Kraus die umstrittene Lehrer-Abwerbekampagne von Baden-Württemberg. Es sei "legitim", Lehrer aus anderen Bundesländern abzuwerben. "Wenn bestimmte Länder für Lehrer attraktiver und andere Länder weniger attraktiv sind, dann müssen sich letztere etwas einfallen lassen", sagte Kraus. "Warum soll es hier nicht ein wenig Markt geben?" Der harte Wettbewerb der Bundesländer um gute Lehrer soll auch auf der nächsten Kultusministerkonferenz im März thematisiert werden.  


 
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