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Allensbach-Studie zu Bildungspolitik
Schlechte Schulnoten für die Länder

2009: Was die streikenden Schüler und Studenten wollen
2009: Was die streikenden Schüler und Studenten wollen FOTO: AP
Berlin (RPO). Durchschnittsnote 3,6 - das geben die Bundesbürger ihren Bundesländern für die Schulpolitik. Nach einer aktuellen Allensbach-Umfrage ist die Mehrheit der Deutschen mit der Bildungspolitik unzufrieden. Die Kritikpunkte reichen vom Lehrermangel über den Bildungsföderalismus bis hin zu viel zu großen Klassen. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) fordert im Gespräch mit unserer Redaktion von den Ländern Konsequenzen. Von Dana Schülbe

Am unzufriedensten mit der Schulpolitik sind die Schleswig-Holsteiner. Gerade einmal die Note 4,2 geben sie ihrem Land. Aber auch die zufriedensten bewerten ihre Regierung nicht wesentlich höher. Bayern steht an der Spitze mit der Note 3,3, gefolgt von Hessen und Sachsen mit 3,4. Nordrhein-Westfalen nimmt in dem Zufriedenheits-Ranking Platz zehn ein - hier wurde die Note 3,7 erteilt.

Dass die Menschen in Deutschland mit den jeweiligen Ansätzen ihrer Bundesländer unzufrieden sind, zeigt sich auch darin, dass die meisten nichts vom Bildungsföderalismus halten. Vielmehr wünschen sich 61 Prozent ein System, in dem nicht die Länder, sondern der Bund die Verantwortung hat. Gerade im Osten der Republik ist dieser Wunsch enorm hoch. Rund 80 Prozent plädieren für den Zentralismus. Aber auch in Hessen, dem Bundesland mit dem niedrigsten Wert, ist mit 41 Prozent die Zustimmung enorm. In NRW wollen dies 61 Prozent.

Bessere Rahmenbedingungen

Mehr Ganztagsschulen, eine längere Grundschulzeit oder Tests der Schulen - all diese Überlegungen der Politik sind den Menschen im Land eher unwichtig. Sie wollen vor allem, dass weniger auf mehr Tests und Struktur-Reformen gesetzt wird, sondern wünschen sich bessere Rahmenbedingungen.

Gezielt kritisiert wird dabei die Größe der Klassen. 59 Prozent sehen da vorrangigen Handlungsbedarf. Aber auch den Unterrichtsfall sehen die Bundesbürger nicht gelassen. 54 Prozent halten dies für ein vordringliches Problem. Laut Allensbach ist dieses Problem im Vergleich zum vergangenen Jahr in den Augen der Befragten sogar größer geworden. Auch wünscht sich ein Drittel der Befragten eine bessere individuelle Förderung der Kinder.

Betrachtet man die Kritikpunkte genauer, so unterscheiden sie sich stark nach den Bundesländern - also stoßen sich an der jeweiligen Bildungspolitik. So wird der Unterrichtsausfall vor allem in Rheinland-Pfalz (73 Prozent) beklagt, in Thüringen kritisieren dies nur 44 Prozent.

In Nordrhein-Westfalen wird vor allem die Klassengröße bemängelt. Dies sehen 63 Prozent der Befragten als dringliches Problem. Und 57 Prozent bemängeln den Ausfall von Unterrichtsstunden.

Widerstand gegen das Turbo-Abi

Auf große Kritik stößt vor allem die Einführung des achtjährigen Gymnasiums. Gerade einmal sieben Prozent der Bürger im Westen halten das Turbo-Abi für gelungen, 22 Prozent sehen Probleme bei der Anpassung. 71 Prozent wollen sogar das alte System zurück oder zumindest die Wahlmöglichkeit zwischen acht und neun Jahren.

Anders sehen die Zahlen im Osten aus, wo es das so genannte G 8 teils schon eine Weile umgesetzt wird. Hier plädiert nur ein Drittel der Befragten für die Rückkehr zum alten System, ein Drittel ist zufrieden und ebenfalls ein Drittel sieht Verbesserungsbedarf.

Dass die geplante Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen einen Vorteil für die Schüler hat, daran glauben nur 32 Prozent der Befragten. Knapp die Hälfte ist der Ansicht, dass sich nichts dadurch ändern wird.

Gespalten sind die Bundesbürger bei der Beurteilung der Lehrer. So glauben 54 Prozent zwar, dass der Beruf anstrengender geworden ist, zugleich kritisieren 51 Prozent, dass die Lehrer gerade über diese zunehmende Belastung klagen. Wichtig ist den Menschen aber vor allem eins: Die Lehrer sollten eine hohe Fachkompetenz besitzen und ein Kind motivieren und begeistern können.

Schavan fordert mehr Gemeinsamkeit

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat als Reaktion auf die Umfrage im Gespräch mit unserer Redaktion die Länder zu mehr Gemeinsamkeit ermahnt. "Ich appelliere an die Länder, sich für einen modernen Föderalismus zu entscheiden, ansonsten wird der Föderalismus an die Wand gefahren", sagte Schavan unserer Redaktion.

"Wir brauchen ein gemeinsames Bündnis der Kommunen, der Länder und des Bundes für bessere Bildung", forderte Schavan. Die Studie zeige, dass speziell die Eltern von Schulkindern Vergleichbarkeit erwarteten und Mobilität wünschten.

Schavan fügte hinzu: "Viele Schulen in Deutschland arbeiten zur Zufriedenheit der Eltern. Aber durch die ständigen Zuständigkeitsdebatten und die immer größeren Unterschiede der Länder in der Schulpolitik überwiegt in der öffentlichen Wahrnehmung der Ärger."

Für die Umfrage des Allensbach-Instituts im Auftrag der Vodafone-Stiftung und des Deutschen Philologenverbandes wurden 2262 Menschen befragt. Die Umfrage wurde bereits zum zweiten Mal durchgeführt.

 
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