Gesundheitsministerium: Schmidt plant Millionen-Programm für Schwerstkranke
zuletzt aktualisiert: 20.10.2005 - 19:10Berlin/Osnabrück (rpo). Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) will die Schmerzmedizin für unheilbar Kranke mit einem 250-Millionen-Programm deutlich verbessern und flächendeckend ausbauen. Alle Schwerstkranken sollen somit "ohne unnötige Leiden in Würde" bis zum Tod betreut werden.
Forderungen nach aktiver Sterbehilfe wies sie zurück. Kirchenvertreter warnten indes vor einer "neuen Euthanasie-Debatte". Laut einer Studie der Hospitzstiftung befürwortet gut ein Drittel der Deutschen aktive Sterbehilfe.
Schmidt will einen eigenständigen Leistungsanspruch auf eine "spezialisierte ambulante Palliativversorgung" schaffen. Nach ihren Vorstellungen sollen flächendeckend rund 330 speziell ausgebildete Teams aus Ärzten und Pflegekräften schwerstkranke Patienten mit erhöhtem Versorgungsbedarf zu Hause, aber auch in Kliniken, Pflegeheimen und Hospizen betreuen. Das betrifft rund zehn Prozent aller Palliativpatienten.
Im Vordergrund solle die Linderung schwer erträglicher Symptome wie Schmerzen, Depressionen, Luftnot, Übelkeit Erbrechen, Verstopfung oder Verwirrtheit stehen. Für die übrigen Betroffenen soll die Palliativversorgung in Krankenhäusern und Hospizen sowie durch Hausärzte ausgebaut werden. Die benötigten Gelder könnten Schmidt zufolge zum Beispiel durch wirtschaftlicheres Verordnen von Medikamenten an anderer Stelle aufgebracht werden.
Der Sprecher der CDU/CSU-Fraktion in der Enquete-Kommission "Ethik und Recht der modernen Medizin", Thomas Rachel, wies Forderungen aus der FDP nach einer Legalisierung der aktiven Sterbehilfe zurück. Dies gehe an den wirklichen Anliegen sterbender und unheilbar kranker Menschen vorbei, erklärte er mit Blick auf Äußerungen der früheren Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Rolf Stöckel forderte eine "breite gesamtgesellschaftliche und vor allem sachliche Diskussion" zur Sterbehilfe und eine bessere Aufklärung.
Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, rief dazu auf, sich allen Versuchen zur Schaffung rechtlicher Grundlagen für einen selbstbestimmten Tod und damit für eine aktive Sterbehilfe zu widersetzen. Der Vorstoß des Hamburger Justizsenators Roger Kusch (CDU) weise "in eine rechtlich wie moralisch inhumane Richtung", hieß es in einem in München veröffentlichten Grußwort des Kardinals für ein Ärzte-Symposion in Salzburg. Der Heilberuf des Arztes werde dabei in die Rolle gedrängt, Beihilfe zur Tötung zu leisten.
Statt eines "Sterbehilfe-Gesetzes" forderte die Deutsche Hospiz-Stiftung, den flächendeckenden Ausbau der palliativen Versorgung Schwerstkranker. Laut einer Umfrage befürworten mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Bundesbürger den Einsatz von Palliativmedizin und Hospizarbeit in der letzten Lebensphase. 35 Prozent sprachen sich für die Tötung auf Verlangen, also aktive Sterbehilfe aus. Laut Hospitz-Stiftung können lediglich drei Prozent der Bevölkerung Begriffe wie Palliativmedizin richtig zuordnen. Und nur jeder Fünfte könne etwas mit dem Begriff Hospiz anfangen.
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