Geschasster General schlägt zurück: Schneiderhan bezichtigt Guttenberg der Lüge
zuletzt aktualisiert: 16.12.2009 - 10:36Berlin (RPO). Neue Vorwürfe gegen den Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Nach seiner erzwungenen Entlassung schlägt Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan zurück - und wirft dem Bundesminister vor, die Unwahrheit gesagt zu haben.
"Was diesen 25. (November) nachmittags angeht, sagt er die Unwahrheit", sagte Schneiderhan der Wochenzeitung "Die Zeit" über die Abläufe am Tag seiner Entlassung.
Die Darstellung von Guttenberg (CSU), wonach ihm wichtige Akten über den Luftangriff auf zwei Tanklastzüge in der Nähe von Kundus vorenthalten und Berichte unterschlagen worden seien, wies Schneiderhan zurück. "Das finde ich inzwischen ehrenrührig", sagte der entlassene General.
Unterschlagen habe für ihn "den Geschmack des Vorsatzes", diesen habe es aber nicht gegeben. "Dass er vorschnell formuliert, ist bekannt", sagte Schneiderhan über den Minister. "Aber das hier ist schon eine Steigerungsstufe." Der Begriff Vorsatz sei "nicht nur unschön, das ist unwahr".
Guttenberg hatte die Entlassung von Schneiderhan und Staatssekretär Peter Wichert unter anderem damit begründet, dass ihm wichtige Unterlagen zu dem Luftangriff vorenthalten worden seien. Schneiderhan bekräftigte in der "Zeit", er übernehme die Verantwortung dafür, dass dem Minister nicht alle Berichte vorgelegen hätten. "Dazu stehe ich." Guttenberg hätte ihn in den einstweiligen Ruhestand versetzen können, "damit hätte man es einfacher gehabt, mich zu entsorgen". Schneiderhan sollte ohnehin im Juli 2010 aus dem Amt scheiden.
Verteidigungsminister zu Guttenberg ist derzeit politisch unter Druck. Teile der Opposition forderten seinen Rückrtitt, weil er die Öffentlichkeit unzureichend über die Umstände des Luftschlags von Kundus unzureichend informiert haben soll. Guttenberg hatte den umstrittenen Bombenangriff zunächst als "militärisch angemessen" bezeichnet, musste sich dann aber später korrigieren, als Medienberichte offenlegten, dass auch Taliban, also Menschen, das Ziel der Angriffe waren. Die Öffentliche Diskussion schwankt seitdem auch um die Frage, inwieweit die Luftschläge vom Mandat gedeckt waren.
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