Großer Zapfenstreich: Schröder verabschiedet
zuletzt aktualisiert: 19.11.2005 - 20:26Hannover (rpo). Bundeskanzler Gerhard Schröder ist in Hannover am Samstagabend mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet worden. An der Zeremonie vor dem Rathaus waren auch der scheidende Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) und Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan zugegen. Rund 320 Soldaten zelebrieren den nur zu besonderen Anlässen aufgeführten Großen Zapfenstreich.
Das feierliche Zeremoniell der Bundeswehr begann am Abend unter starken Sicherheitsvorkehrungen vor dem Rathaus in Schröders Heimatstadt Hannover. Anwesend waren neben Verteidigungsminister Peter Struck und Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan die SPD-Politiker Franz Müntefering, Hans Eichel, und Frank-Walter Steinmeier. Auch Schröders Mutter Erika Vosseler war unter den Gästen.
Das Musikkorps der Bundeswehr sollte auf Schröders Wunsch die "Moritat von Mäckie Messer" von Kurt Weill, "Summertime" von George Gershwin und das von Claude François und Jacques Revaux komponierte "Comme d'habitude" spielen, das später als Frank Sinatras "My Way" weltbekannt wurde.
Mit einem Großen Zapfenstreich zeichnet die Bundeswehr traditionell Persönlichkeiten aus, die sich um die Armee besonders verdient gemacht haben. Friedensgruppen hatten einen Protestmarsch am Rande des Zapfenstreichs angekündigt. Das Gelände wurde weiträumig abgesperrt. Die Polizei sicherte die Veranstaltung mit etwa 500 Beamten.
Schröder sagte vor der Bundeskonferenz der Arbeiterwohlfahrt, insbesondere in der Außen- und in der Reformpolitik sehe er die künftige Koalition in einer großen Kontinuität zur Politik seiner scheidenden Bundesregierung. "Trotz des einen oder anderen Fehlers" sei das Land in die richtige Richtung verändert worden, sagte der Kanzler nach Angaben des Bundespresseamts.
Köhler schrieb in einem Grußwort für die in Hannover erscheinende "Neue Presse", Schröder habe sich bleibende Verdienste um Deutschland erworben. Es gebe gute Gründe, Schröder und seiner Regierung dankbar zu sein. Das Staatsoberhaupt verwies unter anderem auf den Bundeswehreinsatz im Kosovo an der Seite von NATO-Partnern, den Beitrag Deutschlands zur Einführung des Euro und die EU-Erweiterung. Gleichzeitig lobte der Bundespräsident Schröders Reformpolitik: Der Kanzler habe die Agenda 2010 mit "hohem politischen Mut" entworfen und gegen große Widerstände durchgesetzt. "Für mich gibt es keinen Zweifel daran, dass diese Politik der inneren Erneuerung dem Wohle Deutschlands dient", erklärte Köhler.
Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth erklärte, Schröder habe mutig längst überfällige Reformen angepackt. Auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt würdigte Schröders Bemühen im die Agenda 2010. Dagegen bezeichnete Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) Schröder als "Zwischenkanzler, der letztlich für das gescheiterte Experiment einer rot-grünen Bundesregierung steht".
Bundesbürger überwiegend zufrieden
Die Bundesbürger bewerten Schröders Arbeit überwiegend positiv. In einer Forda-Umfrage für den Senders RTL gaben 54 Prozent der 1.002 Befragten an, dass der SPD-Politiker alles in allem gut gearbeitet habe. 38 Prozent äußerten sich demnach negativ. Ebenfalls 54 Prozent wünschten sich demnach, dass der scheidende Kanzler auch in Zukunft politisch aktiv bleibt.
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