Elterngeld: Schwangere wollen Geburt verzögern
VON GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 27.12.2006 - 07:23Düsseldorf (RP). Wann soll das Kind zur Welt kommen? Vor dem Jahreswechsel? Oder besser danach? Diese Frage setzt viele hochschwangere Frauen derzeit unter Stress. Grund ist die Einführung des neuen Elterngeldes.
Der Stichtag 1. Januar spaltet die Schwangeren in Gewinner und Verlierer. Frauen, die kein oder nur ein geringes Einkommen haben, stehen sich besser, wenn ihr Kind noch in diesem Jahr auf die Welt kommt. Wird es nach dem 31. Dezember geboren, bekommen sie statt zwei Jahren Erziehungsgeld nur noch ein Jahr Elterngeld.
Das bedeutet für diese Frauen einen Sockelbetrag von 300 Euro monatlich. Das Erziehungsgeld ist deutlich höher. Schwangere, die gut verdienen, wünschen sich darum, dass der Geburtstermin erst 2007 stattfindet. Sie bekommen ab dem Stichtag für ein Jahr bis zu 1800 Euro im Monat Elterngeld.
Walter Jonat, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie, betonte, dass die Stichtagsregelung für werdende Mütter Stress erzeuge - und damit auch für das ungeborene Kind. „Bereits jetzt gibt es eine große Nachfrage nach wehenfördernden beziehungsweise wehenhemmenden Mitteln.“ Percy Balan, Gynäkologe an der Uni Düsseldorf, warnte davor, Geburten künstlich zu verzögern. Kinder könnten Schaden nehmen, wenn ohne Grund wehenhemmende Mittel verabreicht würden.
Auch Ingrid Bruck, Hebamme aus Düsseldorf, rät von Verzögerungen dringend ab. Seriöse Hebammen unterstützten solche Pläne nicht. „Das ist mit Ehre und Gewissen nicht zu vereinbaren.“ Eine Kollegin, die nicht genannt werden möchte, räumt allerdings ein, das es möglich ist, beim Geburtstermin „zu tricksen. Das funktioniert aber nur, wenn es um ein paar Stunden geht.“
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, plädierte zuvor für eine befristete Zeit der Wahlfreiheit zwischen Eltern- und Erziehungsgeld. Andrea Asch, Kinder- und Jugendpolitische Sprecherin der Grünen im NRW-Landtag, kritisiert die Stichtagsregelung ebenfalls. „Stattdessen hätte das Datum der Gesetzesverabschiedung eingesetzt werden können. Damit wäre Schwangeren und ihrem Umfeld viel Druck genommen worden.“
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