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NRW-Innenminister: Neonazis große Verlierer der WM: Schwarz-Rot-Gold für alle

VON GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 08.07.2006 - 14:13
Berlin (RP). Der NRW-Innenminister sieht die Rechtsextremen als „die großen Verlierer“ der Weltmeisterschaft. In einem fröhlich-patriotischen schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer sind sie glatt untergegangen. Die deutschen Fans haben sie schlichtweg weggejubelt.

Tiefe Sorgenfalten hatten die Innenpolitiker vor der WM, wenn sie an die befürchteten Szenarien dachten: Neonazis, die sich im Scheinwerferlicht aalen, ein peinliches Deutschland-Bild in die Welt tragen. Pro-Iran-Demos, die den Anti-Israel-Kurs des iranischen Präsidenten zum Vehikel von Judenfeindlichkeit nutzen, grelle Auftritte von Hooligans, dumpfer „Deutschland“-Nationalismus. Und was war? Nichts von dem! Das genaue Gegenteil. Deutschland als tolerantes, weltoffenes, unbefangen seine eigene Mannschaft feierndes Land. Hat die fröhliche schwarz-rot-goldene Patriotismus-Welle also die Neonazis unter sich begraben?

Im Berliner Verfassungsschutz wird auf das ausgeklügelte Sicherheitskonzept der verschiedensten Stellen in Polizei und Ministerien verwiesen. Hinterher lasse sich immer schwer sagen, wie wirksam das Vorgehen in einzelnen Bereichen war; was passiert wäre, wenn es das Konzept nicht gegeben hätte. Wie etwa die Beschlagnahme Tausender von NPD-„WM-Planern“.

Denn schon vor der WM hatte es mit diesen „Planern“ den Versuch gegeben, die WM mit Rassismus zu überziehen. Weiß sei „nicht nur eine Trikot-Farbe“ hieß es auf dem Titel, und es folgte platte Polemik gegen den Nationalspieler Patrick Owomoyela. Ob nun das Verbot dieser ersten Auflage die NPD zum Umdenken brachte oder die euphorische Stimmung der Nation angesichts der Sturmläufe von David Odonkor - jedenfalls spielte der „Planer“ während der WM kaum noch eine Rolle.

Nirgends formierte sich nachhaltig eine rechtsextreme Szene in der Öffentlichkeit - und bis auf eine Ausnahme wurden sogar längst beantragte Demonstrationen wieder abgesagt. Die originelle Begründung: Man wolle die dann nötigen Sicherheitskräfte nicht überfordern. Es sei „nicht in unserem Interesse, dass während der WM Sicherheitslücken entstehen, welche dann von kriminellen und gewalttätigen Kreisen missbraucht werden“, lautete etwa die Erklärung zur Absage der Münchner NPD-Demonstration unter dem Motto „Rückführung statt Integration“. Die Aufrufe zur Gegendemonstration trugen den beziehungsreichen Titel „kickt nazis raus!“ Nach Einschätzung von Bundes-Verfassungsschützern fehlte den Rechtsextremen der übliche Resonanzboden. Gemeinhin wollten sie sich ihrer Zielgruppe als aufrechte Rechte präsentieren, die ein selbstbewusstes Deutschland darstellen, für einen unverkrampften Umgang mit der Nation werben und deren Meinung dann unterdrückt werden solle. Das sei angesichts der unverkrampften Patriotismuswelle schlichtweg nicht mehr möglich gewesen: „Es fehlte der negative Aufhänger.“

Schnell hätten die Neonazis gemerkt, dass jede von ihnen angezettelte Unruhe auf sie selbst negativ zurück gefallen wäre. „Ganz Deutschland eine Party - da wollte keiner Spaßbremse sein“, formuliert ein Sicherheitsexperte.

Nachdrücklich irritiert zeigt sich die NPD. Gewöhnlich ziehen ihre Anhänger mit schwarz-weiß-roten Fahnen durch die Städte. Nun versucht die Bundesführung, auf die Patriotismus-Welle aufzuspringen, indem sie Aufkleber mit schwarz-rot-goldenen Herzen in den Fan-Meilen verteilen lässt. Der Kommentar zur „Sommeraktion“ der NPD: „Nun endlich können sich auch die Deutschen unverkrampft zu ihrem verleumdeten Vaterland bekennen.“ Diese Begründung kommt unter Fans nicht gut an. Und die schwarz-rot-goldene Farben-Wahl kann nach Experten-Einschätzung noch zu innerparteilichen Zerwürfnissen führen (nebenstehendes Interview).

Für NRW-Innenminister Ingo Wolf (FDP) sind die Rechtsextremen jedenfalls die „großen Verlierer“ der Fußball-WM. Die rechtsextremistische Szene sei durch einen „unverkrampften Patriotismus“ der Deutschen schachmatt gesetzt worden. Sie hätten eine nationale Werteskala mit dem deutschen Volk an der Spitze. Dagegen schließe das „jetzige Nationalgefühl“ andere Nationen als gleichwertig mit ein. Die WM als nationalistische Plattform habe sich somit als „echter Rohrkrepierer“ erwiesen.
Quelle: Rheinische Post

 
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