Bund der Steuerzahler

Wie der Staat Milliarden verschwendet

Der Präsident des Bundes der Steuerzahler Deutschland, Reiner Holznagel, bei der Vorstellung des Schwarzbuchs "Die öffentliche Verschwendung 2017/2018". FOTO: dpa, rhi bsc

Berlin. Die Digitalisierung der Verwaltung ist teuer, doch umgesetzt wurde sie bisher kaum, kritisiert der Steuerzahlerbund. Auch die Aufblähung des Bundestags ist dem Verein ein Dorn im Auge.

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Der Bund der Steuerzahler hat die Aufblähung des Deutschen Bundestags von 630 auf 709 Abgeordnete in der neuen Legislaturperiode scharf kritisiert. "Das ist dem Wähler nicht vermittelbar", sagte Verbandschef Reiner Holznagel am Donnerstag bei der Vorstellung des diesjährigen "Schwarzbuchs", in dem mehr als 100 Fälle von Verschwendung aufgelistet werden. "Was wir benötigen, ist eine Wahlrechtsreform mit einer Obergrenze für die Mandate", forderte Holznagel. Die Reform sei in dieser Periode dringlich. Gemessen an der Regelgröße von knapp 600 Mandaten erhöhten sich die Kosten für die Abgeordneten und ihre Mitarbeiter in der neuen Wahlperiode um 75 auf insgesamt 517 Millionen Euro pro Jahr.

Schwarzbuch 2017: Fälle von Steuerverschwendung in NRW FOTO: dpa, mg gfh

Auch die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung – das so genannte E-Government – erweise sich für die Steuerzahler als Milliardengrab. 21 bis 23 Milliarden Euro geben Bund, Länder und Gemeinden jedes Jahr für Informationstechnik aus, kritisiert der Steuerzahlerbund. In die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen seien zusätzlich Milliarden investiert worden, doch nur die wenigsten Prozesse können oder wurden schon digitalisiert. Anspruch und Wirklichkeit beim E-Government klafften weit auseinander. So sollten laut Gesetz schon ab 2020 in den Verwaltungsprozessen des Bundes vorrangig nur noch elektronische Akten verwendet werden. Dabei habe bis heute nicht einmal die Hälfte der 130 vom Steuerzahlerbund untersuchten Bundeseinrichtungen einen Plan für die Einführung eines elektronischen Aktenverkehrs, heißt es im "Schwarzbuch".

Teure Fahrradhäuschen in Düsseldorf

Der wohl teuerste Flop sei die elektronische Gesundheitskarte. Bis Jahresende werde das 2006 begonnene Projekt schon 1,7 Milliarden Euro gekostet haben, kritisiert der Steuerzahlerbund. Doch für die Krankenversicherten und die Ärzte ergebe sich bislang kaum ein Mehrwert durch die Karte, denn darauf seien kaum mehr als ihre Stammdaten gespeichert. Da mittlerweile elf Jahre Software- und Hardwareentwicklung benötigt wurden und diese mehrere Technikgenerationen ausmachten, werde die Gesundheitskarte, sollte sie jemals umgesetzt werden, vollkommen veraltet sein, kritisiert der Verband.

Schwarzbuch 2016: Fälle von Steuerverschwendung in NRW FOTO: Bund der Steuerzahler NRW

Das "Schwarzbuch" listet insgesamt 118 Fälle von Verschwendung öffentlicher Gelder auf, darunter auch etliche in Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf etwa leistet sich teurere Fahrradhäuschen als etwa Dortmund oder Hamburg. Statt auf deren bewährtes Modell zu setzen, wolle Nordrhein-Westfalens Landeshauptstadt eine unpraktischere Radabstellanlage anbieten und auch nur diese fördern, kritisiert der Steuerzahlerbund. Die Landeshauptstadt wolle eckige Häuschen, die auf einen Autoparkplatz passten. Diese Sonderanfertigung für Düsseldorf koste mit 22.000 Euro doppelt so viel wie die Hamburger Variante, gleichzeitig passten aber statt zwölf nur zehn Räder hinein.

Auch das Düsseldorfer Polizeipräsidium verschlinge aufgrund von Planungsfehlern 64 Millionen Euro mehr Geld als geplant. Und die Sanierung des Düsseldorfer Zoos, Stichwort Aquazoo für im Wasser lebende Tiere, werde mit 21 Millionen Euro deutlich teurer als die ursprünglich geplanten 13 Millionen Euro.

Höhere Kosten durch High-Tech-Mülltonnen

In Baden-Württemberg prangert der Steuerzahlerbund den Kauf von 45 Prozent der Anteile am Stromkonzern EnBW für 4,7 Milliarden Euro durch das Land an. Der 2010 vollzogene Erwerb erweise sich als Desaster für die Steuerzahler, weil der Konzern hohe Fehlbeträge erwirtschafte, Dividenden ausblieben und das Land Geld nachschießen müsse.

Schwarzbuch 2015: Wie Steuergelder verbrannt werden FOTO: dpa

In Potsdam und Köln gebe es solarbetriebene Luxusmülltonnen, kritisiert der Steuerzahlerbund. Der so genannte "Solar-Presshai" komprimiere den Müll, so dass er seltener geleert werden müsse. Doch das funktioniere nicht wie geplant: Die Kölner Stadtreinigung gebe sogar 2000 Euro mehr aus als für normale Mülltonnen. Zudem benötige der 8000 Euro teure Luxus-Mülleimer auch mehr Wartung.

Auch in Berlin ist der Steuerzahlerbund fündig geworden. Auf fast 47 Millionen Euro beziffert der Verein die Mehrkosten durch Pfusch bei der Erweiterung von Bundestagsgebäuden. In Bayern reisten 14 Mitglieder des Landtagsausschusses für Wirtschaft und Medien, Infrastruktur, Bau und Verkehr, Energie und Technologie Ende 2016 für sieben Tage durch Mexiko. Kostenpunkt der Reise für die Steuerzahler: rund 40.000 Euro.

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