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Sexismus-Debatte in der CDU
Solidarisiert euch!

Sexismus-Debatte in der CDU: Die Frauen müssen sich solidarisieren
Jenna Behrends hat mit ihrem offenen Brief "Warum ich nicht mehr über den Sexismus in meiner Partei schweigen will" eine Debatte ausgelöst. FOTO: dpa, kes hjb
Meinung | Düsseldorf. Die junge Berliner Politikerin Jenna Behrends hat mit den Schilderungen von Sexismus innerhalb der CDU viel Aufsehen erregt. Schlimmer noch als die anzüglichen Kommentare ihrer männlichen Kollegen ist jedoch der Gegenwind, der ihr von Frauen entgegenschlägt. Ein Aufruf zu mehr Solidarität.  Von Laura Ihme

Es ist nicht in Ordnung, wenn ein hochrangiger Politiker seine jüngere Kollegin mit "große süße Maus" anredet. Oder wenn der besagten Frau unterstellt wird, sich mit sexuellen Gefälligkeiten in eine bessere Position zu manövrieren. Anders als noch vor drei Jahren, als der FDP-Politiker Rainer Brüderle eine Journalistin mit anzüglichen Kommentaren bedacht hat, steht im Fall Jenna Behrends für viele (männliche) Politiker auch außer Frage, dass sich jemand im Ton vergriffen hat.

Bei ihren weiblichen Parteikollegen sieht das anders aus: Behrends gehe häufig "offensiv" mit Männern um, hieß es etwa aus ihrem politischen Umfeld, ganz so, als sei die 26-Jährige selbst Schuld an dem, was über sie gesagt wird.

Einen Schritt weiter ist auch die CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt gegangen. Sie sagte am Dienstag, die Union müsse sich die Debatte um Sexismus gegen Frauen nicht zu eigen machen: Sie selbst sei als junge Frau beim Kellnern auch schon unsittlich berührt worden und habe die Angelegenheit seinerzeit mit einer Ohrfeige erledigt. Selbst ist die Frau!  

Frauen haben Sexismus akzeptiert

Das klingt zunächst nach Feminismus, ist jedoch genau das Gegenteil. Aussagen wie die Hasselfeldts schwächen Frauen wie Jenna Behrends, die den Mut haben, den Mund aufzumachen. Die nicht über den Alltags-Sexismus ihrer männlichen Kollegen hinwegsehen wollen, sich dagegen wehren.

Frauen wie Gerda Hasselfeldt geben vor, dass Sexismus für die Frauen in der Politik (und im Übrigen auch in sämtlichen anderen Lebensbereichen) eine Bagetelle ist. Sie haben ihn akzeptiert, vielleicht weil sie müde sind, gegen ihn zu kämpfen. 

Im Fall von Jenna Behrends gehen ihre Kolleginnen aber sogar noch einen Schritt weiter: Statt sie zu ermutigen, sich für Ämter innerhalb der Partei zu bewerben, sie zu ermutigen, sich weiter zu engagieren, stößt Behrends auch hier auf Widerstand. Denn wie in ihrem offenen Brief an die Partei zu lesen ist, war plötzlich auch der Vorstand der Frauen Union in Berlin gegen sie. Nichts mit "Sisters in Crime", wie Jenna Behrends schreibt.

Stattdessen hatte man offenbar Angst, Behrends könne sich um einen Vorstandsposten bemühen. Worte wie "karrieregeil" und "nimmersatte Karrieristin" sollen gefallen sein. "Auch wenn ich mich anfangs mehr am angeblichen Hochschlafen gestört habe, bin ich mir unschlüssig, ob ich den "Die hat zu große Ambitionen"-Vorwurf von einer anderen Frau nicht noch vernichtender finde", urteilt Behrends schließlich. 

Wenn auch Frauen Frauen behindern, ist die politische Kultur in Deutschland kaputt

Und sie hat recht. Wenn nicht mehr nur die "alten Männer" das Fortkommen junger Frauen in der Politik behindern, sondern auch jene Frauen, die sich in ihrem konkurrenzlosen Nest allzu kuschelig eingerichtet haben, dann ist die politische Kultur in Deutschland kaputt. Statt Solidarität mit einer jungen Kollegin gibt es Widerstand von einer Seite, die selbst gut genug wissen sollte, wie es ist, gegen eben solche Widerstände anzukämpfen.

Jede einzelne Frau, die jungen Kolleginnen Steine in den Weg legt, weil sie meint, sie müsse ihr Revier verteidigen, weil sie meint, man müsse da eben durch, sollte sich in Grund und Boden schämen. Gleichermaßen sollte sie darüber nachdenken, wie viel weiter auch sie selbst käme, wenn sie mit dieser jungen Kollegin kooperierte. 

Man stelle sich vor, alle Frauen in der Union arbeiteten zusammen. Selbst wenn das nur bedeuten würde, Vorstöße wie die von Jenna Behrend unkommentiert zu lassen, statt sie zu verharmlosen oder Behrends gar selbst die Schuld an ihrer Lage zu geben. Dann wird man die "alten Männer" vielleicht nicht immer von ihrem Gerede abhalten können - aber dann wird der Kampf gegen sie leichter.

Liebe Frauen in der Union, in allen anderen Parteien, in Vereinen und Unternehmen: Solidarisiert euch! Nur so könnt ihr euch am Ende selbst retten.

Quelle: RP
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