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Nach Ausschreitungen gegen Flüchtlinge
Sigmar Gabriel in Heidenau – nicht nur Show

Sigmar Gabriel besucht Heidenau
Sigmar Gabriel besucht Heidenau FOTO: dpa, rje lre
Meinung | Düsseldorf. Der Vizekanzler besucht die von Rassisten bedrängten Flüchtlinge im sächsischen Heidenau, die Kanzlerin bleibt in Berlin und hüllt sich zunächst in Schweigen. Auf den ersten Blick scheint etwas dran zu sein am Vorwurf der SPD, die CDU-Politikerin sei eine "Schönwetterkanzlerin" und drücke sich, wenn es ernst wird und es vielleicht auch Sympathien und damit künftige Wählerstimmen kostet. Von Helmut Michelis

Oder ist etwa doch das Gegenteil der Fall, opportunistische Politiker reisen öffentlichkeitswirksam an Krisenorte, empören sich laut und versprechen vollmundig Hilfe – und bei dieser Show ist es dann geblieben?

Nein, es ist schon sinnvoll, dass unsere Spitzenpolitiker in Heidenau Flagge zeigen. Die Randalierer sind die wirklichen Fremden. Sie haben die Werte unserer Demokratie nicht begriffen, blamieren Deutschland in der Welt und machen darüber hinaus Menschen Angst, für die die Bundesrepublik wahrscheinlich auf Dauer eine neue Heimat wird. Was die Krawallmacher in ihren Seelen anrichten und was das langfristig für die Integration dieser Kriegsflüchtlinge bedeutet, kann man nur vermuten: schlicht nichts Gutes.

Fotos: Dritter Tag in Folge: Proteste in Heidenau FOTO: dpa, abu wst

Der Besuch Gabriels ist deshalb ein wichtiges positives Signal: Er zeigt, dass unserer Staat, und das sind letztlich alle Bürger, diese Krawallmacher nicht akzeptiert, und er stärkt die sächsischen Kommunalpolitiker und Polizisten, die im Kampf gegen den perversen Mob nicht alleingelassen werden dürfen. Gabriel muss sich natürlich daran messen lassen, dass seinen Worten Taten folgen.

Aber zunächst einmal ist es grundsätzlich gut, dass er sich vor Ort einen persönlichen Eindruck verschafft. Deshalb gilt auch: Merkel muss zwar nicht unbedingt nach Heidenau reisen. Die gewaltsamen Demonstrationen in Sachsen sind jedoch derart beschämend, dass das energische Wort der Bundeskanzlerin, das nun – unmittelbar vor Gabriels Besuch – doch noch erfolgt ist, angebracht war. Das wäre vielleicht auch ein Besuch im Flüchtlingslager.

Presse: "Der rechte Mob lebt" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO
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