In der wunderbaren Sammlung "Das Parlamentarische Schimpfbuch", hat Günther Pursch Stilblüten, Ausraster, Schmähungen aber auch Geistesblitze aus der Geschichte der deutschen Politik zusammengestellt.
Hier einige Beispiele.
Lendenschurz
16. März 1995
Klaus Lippold, CDU/CSU über die Grünen: "Da Sie jetzt so staatsmännisch werden, mit Schlips und Jackett ...
Joschka Fischer, Grüne: "Sie sollten Lendenschurz tragen oder Bärenfell und Keule. Das würde Ihnen besser stehen!"
Lumpen
26. November 1985
Gerhard Schröder, SPD: "Sie, Herr Kohl, haben diese Politik der Wende in ein durchaus prächtiges Gewand gekleidet."
Hans Klein, CDU/CSU: "Im Gegenteil zu euren Lumpen!"
Brüllen
1. März 1985
Bundestagspräsident Philipp Jenninger, CDU/CSU: "Das Wort hat der Abgeordnete Schreiner."
Haimo George, CDU/CSU: "Schreier heißt der, nicht Schreiner!"
Peter Harry Carstensen, CDU/CSU: "Der hat schon den Schlips abgenommen, damit er besser brüllen kann!"
Ein Darm
15. November 1979
Herbert Wehner, SPD zu dem Abgeordneten Eduard Lintner, CDU/CSU: "Der deutsche Spießer ist ein Darm, gefüllt mit Furcht und Hoffnung, dass Gott erbarm! Sie sind ein Beweisstück dafür!"
Dreckschleuder
1. Juni 1978
Werner Marx, CDU/CSU zu dem Abgeordneten Willy Brandt, SPD: "Dreckschleuder vom Dienst!"
Gepopelt
17. Februar 1995
Dagmar Enkelmann, PDS: "Ach wissen Sie, der Kollege Röttgen hat, glaube ich, als Kind nicht einmal in der Nase gepopelt, weil ihm das seine Eltern verboten haben."
Eintopfgesicht
4. Mai 1956
Herbert Wehner, SPD über Georg Kliesing, CDU/CSU: "Sie geistiges Eintopfgericht!"
Rotzjunge
22. November 1983
Hermann Scheer, SPD zu Volker Rühe, CDU: "Rotzjunge!"
Arschloch
18. Oktober 1984
Joschka Fischer, Grüne: , soeben von Bundestagsvizepräsident Stücklen von der Sitzung ausgeschlossen: "Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch, mit Verlaub!"
Fischer entschuldigte sich später bei Stücklen.
Atomkanone
25. März 1958
Karl Mommer, SPD über Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß: "Ich wiederhole: die bundesdeutsche Atomkanone Franz Josef Strauß."
Belogen
25. Oktober 1990
Rudi Walther, SPD über Bundesfinanzminister Theo Waigel, CDU/CSU: "Er hat das deutsche Volk belogen! Ja, angelogen hat er es!"
Vizepräsident Heinz Westphal, SPD: "Aber den Ausdruck 'belügen' muss ich rügen."
Walther: "Er hat das deutsche Parlament hinter die Fichte geführt."
Karikatur
12. Februar 1971
Herbert Wehner, SPD zu Dr. Gruhl CDU/CSU: "Sie sind eine Karikatur!"
Kläffer
2. Oktober 1986
Dr. Horst Ehmke, SPD zu Volker Rühe, CDU/CSU: "Sie sind ein rechter Kläffer!"
Kuhscheiße
10. September 1992
Ottmar Schreiner, SPD zu damaligen Arbeitsminister Dr. Norbert Blüm, CDU/CSU: "Sie können sich wahrscheinlich mit dem Titel des größten Schönredners aller Zeiten schmücken. Ihnen gelingt es sogar, ein Stück Kuhscheiße in einen Goldklumpen zu reden ..."
Bundestagsvizepräsident Hans Klein (CSU): "Herr Kollege Schreiner, vielleicht können wir das Wort im Protokoll durch 'Fladen' ersetzen."
Schreiner: "Die Fülle der bayerisch-deutschen Sprache ist immer geeignet, dass man daraus etwas lernen kann. Herzlichen Dank, ich werde mich bemühen, das Wort durch 'Fladen' zu ersetzen, es in 'Goldfladen' umzuwandeln."
Leute
31. Juli 1984
Gerhard Schröder, SPD , nach anhaltenden Rufen von der CDU/CSU: "Herr Präsident, kann man denn diese pöbelnden Leute nicht zur Ruhe bringen?"
Luder
25. Februar 1999
Kristin Heyne, Bündnis 90/Die Grünen: "Ich glaube, die Diskussion führen wir heute in Ruhe im Ältestenrat. Dort ist sie besser aufgehoben."
Peter Ramsauer, CSU: "Freches Luder!"
Lümmel
25. März 1958
Hermann Ehren, CDU, zu Helmut Schmidt, SPD: "Ich möchte einen Ordnungsruf (eine Verwarnung durch die Sitzungsleitung, die Red.) haben: Ich nenne Sie den frechsten Lümmel in diesem Hause!"
Ehren bekam wie erwünscht den Ordnungsruf.
Mini-Goebbels
22. November 1983
Dr. Dietmar Kansy, CDU, zu Otto Schily, Grüne: "Mini-Goebbels!"
Nazis
20. Februar 1986
Müller, CDU, zu den Grünen: "Ihr seid die Nazis von heute!"
Oberheuchler
7. Dezember 1983
Otto Schily, Grüne, zu Alfred Dregger, CDU: "Oberheuchler!"
Parlamentskasper
30. September 2004
Volker Kauder, CDU: "Herr Eichel (damaliger Finanzminister, SPD, die Red.) entwickelt sich zum Parlamentskasper."
Jörg Tauss, SPD: "Das ist eine Unverschämtheit! Diese Frechheit ist nicht akzeptabel!"
Hans Eichel, SPD: "Von Kasperei verstehen Sie etwas."
Pinsel
8. September 1993
Ingris Matthäus-Maier, SPD über Wolfgang SChäuble, CDU: "So ein arroganter Pinsel!
Pöbelhaufen
30. November 1965
Herbert Wehner, SPD, über die CDU/CSU: "Ein nihilistischer Pöbelhaufen ist das!"
Quatschkopf
17. Februar 1966
Herbert Wehner, SPD, zu Manfred Luda, CDU: "Sie sind ein Quatschkopf, weiter gar nichts!"
Luda: "Herr Präsident, ich bin von Herrn Wehner 'Quatschkopf' genannt worden. Ich bin nicht damit einverstanden, dass so etwas hier passiert."
Bundestagsvizepräsident Carlo Schmid, SPD: "Das habe ich nicht gehört. Herr Abgeordneter Wehner, bekennen Sie sich dazu?"
Wehner: "Aber mit Vergnügen!"
Scheißhaufen
12. April 1984
Gabriele Potthast, Grüne, über Arbeitsminister Norbert Blüm: "Das, was Sie hier geliefert haben - süße Worte, Aufwertung der Mütterlichkeit; für manche Frauen hört es sich ja reizvoll an -, ist der berühmt-berüchtigte Zuckerguss über einem Scheißhaufen."
Scheiß-Regierung
21. Januar 1993
Heidemarie Wieczorek-Zeul, SPD: "Scheiß-Regierung!"
Schlange
9. März 1989
Johannes Gerster, CDU zu Heidemarie Wieczorek-Zeul, SPD: "Sie sind verlogen! Sie sind eine scheinheilige Schlange!"
Übelkrähe
14. Oktober 1970
Herbert Wehner, SPD, über Jürgen Wohlrabe, CDU: "Übelkrähe!"
Unanständig
27. Mai 1970
Holger Apel, SPD über Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg: "Ein unanständiger Mensch!"
Weiblich
10. März 1995
Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth, CDU: "Das Wort erhält jetzt der Kollege Lanfermann (frauenpolitischer Sprecher der FDP, d. Red.)."
Joschka Fischer, Grüne: "Noch ein Jugendlicher!"
Ludger Vollmer, Grüne: "Weiblich, jung und schön!"
Heinz Lanfermann, FDP: "Herr Kollege Fischer, ich freue mich über Ihren Zwischenruf. Aber ich glaube, manchmal sehen Sie mir gegenüber sogar ganz alt aus."
Zahnärztepartei
6. Mai 1988
Eckart Kuhlwein, SPD zur FDP: "Zahnärztepartei!"