kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
       
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kombo NRW Partei-Logos Rheinische Post Panorama
  Foto: RP
Kommentare ()

Splitterparteien ziehen in die Stadtparlamente: So bunt wird NRW

VON ULLI TÜCKMANTEL UND GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 31.08.2009 - 20:23

Düsseldorf (RP). Durch die Abschaffung der Sperrklausel mischen künftig noch mehr kleine Parteien in den Räten mit. Experten warnen: Durch den Wegfall der Stichwahl sinken Legitimation und Akzeptanz von Politik.

Jahrelang wünschte sich Herbert Meylahn nichts sehnlicher, als in den Stadtrat einzuziehen. Bei der SPD war der frühere Chemie-Betriebsrat chancenlos, wechselte zur FDP, ging schließlich enttäuscht zu den Freien Bürgern. Schließlich gründete er einen Ortsverband der Rentnerpartei "Wir Rentner machen mobil". Seit Sonntag ist der Politiker am Ziel.

Weniger die Wähler als vielmehr das neue NRW-Wahlrecht bescherte dem 65-Jährigen nun tatsächlich einen Sitz im Rat der 109.000-Einwohner-Stadt: Ganze 486 Stimmen (1,2 Prozent) reichten Meylahn bei einer Wahlbeteiligung von 49,5 Prozent, um in der Kommunalpolitik mitmischen zu dürfen. Der Wegfall der Sperrklausel macht's möglich.

Viele Rathäuser sind nun zur "Villa Kunterbunt" geworden. "Das trägt zu einer weiteren Erschwerung der Arbeit in den kommunalen Parlamenten bei", warnt Jens Walther, Parteienforscher an der Uni Düsseldorf. Schon bislang zogen sich die Sitzungen in vielen Räten bis in die Nacht, weil alle Fraktionen ihr Rederecht nutzten.

Zehn Parteien im Rat

In Duisburg hatte Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) vor der Wahl im Rat acht Fraktionen und eine parteilose Ratsfrau sitzen. Nun sind dort zehn Parteien versammelt, darunter fünf mit jeweils nur einem Ratsmitglied: Die Duisburger Alternative Liste (DAL) vertritt vor allem Migranten und frühere Sozialdemokraten, die Bürgerlich Liberalen (BL) verärgerte FDP-Anhänger, Sozial, Gerecht, Unabhängig (SGU) einstige SPD-Mitglieder, Freie Wähler -­ Bürger Union (FW-BU) ein klassisches Spektrum, "Freier Wähler und Junges Duisburg" (JUDU) ehemalige Mitglieder des CDU-Nachwuchses Junge Union. Zusammen erhielten sie nicht viel mehr als sechs Prozent der Stimmen.

In Bonn schaffte es das Bündnis für Frieden und Fairness auf Anhieb in den Stadtrat. Nach eigenen Angaben ist das Bündnis in Deutschland die erste von Muslimen gegründete Wählergemeinschaft, sie entstand aus dem lokalen Rat der Muslime. Das Bündnis kam auf 2,1 Prozent der Stimmen und hat nun zwei Sitze. In Köln bekam die Vereinigung "Deine Freunde" einen Sitz. In Wülfrath stellt die "Wülfrather Gruppe", ein Zusammenschluss von früheren Beigeordneten und Rockmusikfreunden sogar mit Claudia Panke die Bürgermeisterin.

Bürgermeisterin mit 27 Prozent

Panke reichten gerade mal 26,96 Prozent, um das erste Amt der Stadt zu übernehmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,48 Prozent. Die Legitimation der Bürgermeisterin stützt sich in einer Stadt mit 17.431 Wahlberechtigten also lediglich auf 2693 Stimmen ­- eine schwierige Basis.

Der Landtag hatte das neue Wahlrecht vor zwei Jahren mit den Stimmen von CDU und FDP beschlossen. Bis dahin war eine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen notwendig, wenn keiner der Bewerber auf Anhieb die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen erreicht hatte. Seit 2007 reicht es nun, mehr Stimmen zu haben als jeder einzelne andere Konkurrent.

Die Initiative "Mehr Demokratie" hält die Auswirkungen des neuen Wahlrechts für "absurd". "101 Bürgermeister und Landräte in NRW sind nur von einer Minderheit gewählt worden, aber sie dürfen trotzdem regieren", kritisiert Landesgeschäftsführer Alexander Slonka. 32 gewählte Stadtoberhäupter seien in Nordrhein-Westfalen unter der 40-Prozent-Marke geblieben. "Ob diese Bürgermeister jetzt von allen Bürgern als legitimiert angesehen werden, darf man getrost bezweifeln", erklärte Slonka. Der Verfassungsgerichtshof von NRW hatte im Mai eine Klage von SPD und Grünen gegen die Abschaffung der Stichwahl abgewiesen.

"Mobilisierung durch eine Zuspitzung"

Umstritten ist bei den Experten auch die künftige Entkoppelung von Kommunalwahlen und Bürgermeisterwahlen. Die Räte werden demnächst alle fünf Jahre, der Bürgermeister alle sechs Jahre gewählt. Der Düsseldorfer Soziologe David Gehne erwartet eine noch niedrigere Wahlbeteiligung bei den Einzelwahlen ab 2015. Der Stil der Auseinandersetzung müsse sich ändern, sagt der Parteienforscher Jens Walther. "Mobilisierung lässt sich künftig nur durch eine schärfere Zuspitzung erreichen."

Das NRW-Verfassungsgericht hatte den Gesetzgeber ­ also den Landtag ­ in seiner Urteilsbegründung ausdrücklich dazu verpflichtet, die demokratische Legitimation der Gewählten im Blick zu behalten ­ und das Gesetz nötigenfalls zu verändern. Horst Becker, Kommunalexperte der Grünen, kündigte jetzt eine genaue Prüfung der Einzelergebnisse an: "Wenn Handlungsbedarf besteht, werden wir handeln."

Quelle: RP

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Adolf Sauerland bangt um sein Amt

Bürgerentscheid am Sonntag

Adolf Sauerland bangt um sein Amt

Duisburgs Oberbürgermeister (CDU) muss sich am Sonntag einem Bürgerentscheid stellen. Wenn ... mehr 

US-Armee will mehr Frauen an der Front

14.000 neue Stellen

US-Armee will mehr Frauen an der Front

In der US-Armee können sich Soldatinnen künftig auf deutlich mehr Posten auch in kämpfenden Einheiten bewerben. mehr 

Mehr Politik
Aus der Region

Bürgerentscheid am Sonntag

Adolf Sauerland bangt um sein Amt

Finanzminister Schäuble dementiert

Gerüchte über neue Portugal-Hilfen

Syrische Wirtschaftsmetropole

Mehrere Tote bei Explosionen in Aleppo

Videos

Ringerin aus Krefeld trainiert für Olympiaqualifikation

Aline Focken ist 20 Jahre alt und träumt von Olympia. Die Krefelderin hat die Chance sich für die olympischen Spiele 2012 in ... mehr 

Deutscher gewinnt New Yorker Treppenlauf

Der 27-jährige Thomas Dold aus Baden-Württemberg war beim berühmten Treppenlauf des Empire State Building zum siebten Mal in Folge der ... mehr 

Wulff intervenierte auch bei Springer-Chef Doepfner wegen Artikel

Kanzlerin stärkt Wulff den Rücken

Merkel lobt "Transparenz" des Bundespräsidenten

Zwei Monate nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe gerät Bundespräsident Christian Wulff wegen seiner Beziehungen zu reichen Unternehmern erneut unter Druck. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht aber weiter zu ihm. mehr 

 

Immunität von zwei Abgeordneten aufgehoben

Staatsanwalt kann weiter gegen Linke ermitteln

 

Affäre um den Bundespräsidenten

Neue Rücktrittsforderungen gegen Wulff

 
 

Unterstützung für Gewerkschaften

SPD-Chef Gabriel fordert höhere Löhne

 

Bei spätem Pflege-Bescheid

Zehn Euro Entschädigung pro Tag geplant

Top-Services