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60. Jahrestag: So sieht die Wirklichkeit der Menschenrechte aus

VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 10.12.2008 - 07:21

Düsseldorf (RPO). 60 Jahre Erklärung der Menschenrechte – am 10. Dezember vor 60 Jahren verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen feierlich die Grundsätze, an denen sich fortan Staaten messen lassen mussten. Allzu oft sind sie unerreichte Ideale geblieben. Das zeigen eindrücklich die irritierenden Bilder eines Fotobandes der Organisation "Reporter ohne Grenzen".

Die Grundsätze der Menschenrechte umfassen 30 Artikel. "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren", lautet der berühmte erste Artikel der Erklärung. Sie umfasst den Schutz des Lebens, vor Gewalt und Terror. An gleicher Stelle finden sich die Rechte auf die eher unsichtbaren Freiheiten. Den Schutz vor Unterdrückung, das Recht auf freie Meinungsäußerung und auf ungehinderte Entfaltung in einer Gesellschaft.

Damit setzt sich auch der aktuelle Bildband der "Reporter ohne Grenzen" zusammen. Er trägt den Titel "Nahtstellen". Die Aufnahmen befassen sich mit der Lebenswirklichkeit der Menschen in den zwölf jungen Ländern, die aus der Sowjetunion hervorgegangen sind. Alle diese Staaten sind mit großen Hoffnungen in die Demokratie gestartet – und tun sich schwer mit dem Umbruch von der autoritären Diktatur zur freien Gesellschaft.

Den Fotografen, die für die Sammlung unentgeltlich ihre Arbeiten zur Verfügung gestellt haben, geht es nicht um einen weiteren spektakulären Beitrag zu den Krisen und Kriegen, die die Fernsehnachrichten beherrschen. Sie destillieren den Alltag, erfassen soziale Ungerechtigkeiten, Umbruch und Zerfall, Hoffnungen und Ängste.

Davon gibt es in den GUS-Staaten eine ganze Menge. Immer wieder beklagen Nichtregierungsorganisationen Unterdrückung, die Verletzung von Bürgerrechten und Pressefreiheit. Stattdessen herrscht ein Klima des Schweigens und der Angst. Kritische Stimmen, Oppositionelle, Außenseiter müssen sich vor Schikane und Repressionen fürchten. In Putins Russland ebenso wie im autoritären Regime von Alleinherrscher Viktor Lukaschenko in Weißrussland, im staatlich kontrollierten Kasachstan ebenso wie in der zunehmend in extreme Lager gespaltenen Ukraine.

Die Fotos spiegeln, was sich unter derartigen staatlichen Rahmenbedingungen niederschlägt: Ängste, Unterdrückung und eine Alltagskultur von Gewalt, aber auch Hoffnungen und Zähigkeit. Sie zeigen das Spannungsfeld zwischen dem Menschenrechtsideal und der Realität von Georgien / Abchasien, Kasachstan, Russland, Tschetschenien, der Ukraine oder Weißrussland. Viele der Fotografen, deren Bilder der Band zeigt, leben in diesen  Ländern und berichten aus ihrer Heimat. Der Fotograf aus Usbekistan hat jedoch seine Bilder zurückgezogen – aus Angst vor Repressionen.

Aktuell sind die Aufnahmen des Fotobandes "Nahtstellen" im Rahmen einer Wanderausstellung in den Berliner Uferhallen zu sehen. Weitere Infos zu Bildern, Künstlern und Ausstellung finden sich auf der Website der Reporter ohne Grenzen.


 
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