Potsdam-Überfall: "Sollen wir dich wegpusten?"
zuletzt aktualisiert: 22.04.2006 - 09:07Karlsruhe (rpo). Nach dem Überfall auf einen Deutsch-Äthiopier in Potsdam ist gegen die beiden Täter Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen worden. Der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof habe den Haftbefehl auf Antrag von Generalsbundesanwalt Kay Nehm erlassen.
Bei den Beschuldigten handele es sich um den 29-jährigen Björn L. aus Bergholz-Rehbrücke und den 30 Jahre alten Thomas M. aus Potsdam, wie der Generalbundesanwalt mitteilte. Sie wurden am Abend mit einem Hubschrauber nach Potsdam zurückgebracht. Zur gleichen Zeit versammelten sich tausende Potsdamer zu einer Solidaritätskundgebung für das Opfer des Überfalls.
Die beiden Männer sind den Angaben zufolge dringend verdächtig, am Ostersonntag den gebürtigen Äthiopier Ermyas M. brutal zusammengeschlagen zu haben. Der 37-jährige Familienvater mit deutschem Pass liegt mit einer schweren Schädel-Hirn-Verletzung im Krankenhaus und schwebt in Lebensgefahr. Die Beschuldigten bestreiten die Tat.
Helle Stimme
Der dringende Tatverdacht beruht auf Äußerungen der mutmaßlichen Täter. Ermyas M. hatte kurz vor dem Angriff seine Frau angerufen. Sie vernahm den Angaben zufolge die Worte "Sollen wir dich wegpusten?" Die Handy-Mailbox der Frau nahm anschließend einen Teil des Streits auf. Dabei fiel unter anderem das Wort "Nigger". Nach der Veröffentlichung des Gesprächsmitschnitts gingen nach Angaben Hinweise bei den Ermittlern ein, die zur Festnahme der Beschuldigten führten. Einer der beiden Beschuldigten soll eine so helle Stimmen haben, dass er von Bekannten nur "Piepsi" genannt wird.
Nach Angaben des Generalbundesanwalts ist nach derzeitigem Erkenntnisstand davon auszugehen, "dass die Beschuldigten die Tat aus fremdenfeindlichen Motiven begangen haben". Es liefen weitere Ermittlungen zur vollständigen Aufklärung der Tat.
Beschuldigte bestreiten die Tat
Die beiden Tatverdächtigen waren am Donnerstag festgenommen und am Freitagvormittag nach Karlsruhe geflogen worden. Bereits bei den ersten Vernehmungen in der Nacht zu Freitag hatten die beiden Beschuldigten bestritten, den Deutsch-Afrikaner angegriffen zu haben. Sie verwiesen jeweils auf ein Alibi. Zeitungsberichten zufolge ist der tatverdächtige Björn L. der Polizei unter anderem wegen unerlaubten Waffenbesitzes und Drogendelikten bekannt.
Am Abend versammelten sich in Potsdam tausende Menschen zu einer Solidaritätskundgebung für das Opfer des Überfalls. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sprach von einem "Angriff auf das Lebensgefühl aller Bewohner". Potsdam sei eine Stadt der Toleranz und des Miteinanders, sagte Jakobs. Der brutale Überfall habe bei den Menschen Fassungslosigkeit und Wut ausgelöst. Mit der Veranstaltung setze Potsdam ein Zeichen, dass sich die Stadt gegen Gewalt und Hass stelle. Das Motto der Kundgebung lautete "Potsdam bekennt Farbe".
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