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Obama Dresden Ankunft afp 2009
  Foto: AFP, AFP
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Irritationen begleiten Treffen in Dresden: Spannung vor Merkels Treffen mit Obama

VON MARTIN KESSLER UND GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 04.06.2009 - 20:59

Berlin (RP). US-Präsident Barack Obama ist zu einem knapp zweitägigen Kurzbesuch in Deutschland eingetroffen. Die "Air Force One" landete am Donnerstagabend kurz vor 21 Uhr auf dem Flughafen Dresden. Mit Spannung wird das Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet. Das Verhältnis beider Politiker war in der Vergangenheit nicht frei von Irritationen.

Barack Obama und Angela Merkel schätzen sich gegenseitig. Aber ihre bisherigen Begegnungen waren nicht frei von Irritationen. So ist es auch bei Obamas zweitem Deutschland-Kurzbesuch als Präsident.

An gegenseitiger Hochachtung stehen sie sich in nichts nach: Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama schätzen sich, scheinen bisweilen sogar fasziniert von den Fähigkeiten des/der Anderen zu sein. Und doch sind ihre bisherigen Begegnungen eher kompliziert. Auch der zweite Besuch Obamas in Deutschland ist von Irritationen begleitet.

Warum hat Obama offenbar erst nach langem diplomatischem Hickhack im letzten Moment einem Besuch der Frauenkirche zugestimmt, obwohl doch von Anfang an klar war, dass dies ein starkes Symbol ist – zumal der Wiederaufbau auch mit US-Spenden zustande kam? Warum werden die Dresdner den Präsidenten nur indirekt über Großbildschirme sehen können und nicht einmal von Ferne, da das von Merkel vorgeschlagene "Bad in der Menge" bei Obama durchfiel? Statt dessen wird es nur eine karge Pressekonferenz mit Präsident und Kanzlerin in Dresden geben. Und vor allem: Warum macht er auch bei seinem zweiten Besuch in Deutschland als Präsident einen Bogen um Berlin?

Info

Der Fahrplan des Obama-Besuchs

Die Visite beginnt im Grünen Gewölbe des Dresdner Schlosses, wo er sich in die Goldenen Bücher von Stadt und Land einträgt (09.00 Uhr).

Im Anschluss berät er mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über internationale Fragen wie den Nahost-Friedensprozess und das iranische Atomprogramm. Am Nachmittag (14.50 Uhr) besichtigt er in Begleitung von Merkel das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar.

Danach besucht er die US-Truppen im US-Militärhospital in Landstuhl, bevor er nach Frankreich weiterreist.

Wir berichten am Freitag im LIVE!-Ticker 

Antwortversuche drehen sich immer wieder um die Behandlung, die Merkel Obama angedeihen ließ, als der sich außenpolitisches Profil im Schnelldurchlauf zulegen und dafür die Kulisse des Brandenburger Tores haben wollte.

Immer wieder diese feinen Brüskierungen

Dass ein Kandidat, der noch nicht einmal von seiner eigenen Partei nominiert war, ausgerechnet dort Wahlkampf machen wollte, ging Merkel gewaltig gegen den Strich. Selbst als Obama sich einsichtig zeigte und die Schuld auf seine Organisatoren schob, war die Kanzlerin noch nicht besänftigt.

Umgekehrt verzeichnete Obama sehr genau, dass Merkel seine Wagenkolonne vor dem Kanzleramt zunächst warten ließ. Solche Behandlungen dürften im Kopf bleiben, selbst wenn man inzwischen der mächtigste Mann der Welt geworden ist.

Auf Augenhöhe

Merkel und Obama sind Profis genug, um darüber kein Wort mehr zu verlieren. Ihre Kontakte sind von Herzlichkeit geprägt. Ob sie "Ändschela" oder auf Deutsch "Angela" genannt werden wolle, fragte Obama beim ersten Telefonat nach dem Wahlsieg. Merkel bevorzugte es deutsch. Ob in London beim G-20-Gipfel, in Baden-Baden beim ersten bilateralen Zusammentreffen oder in Prag beim EU-USA-Gipfel – Merkel bewundert Obamas rhetorische Fähigkeiten, seine blitzartige Auffassungsgabe und schnelle Reaktionsfähigkeit. Der US-Präsident respektiert die Kanzlerin als eigenwillige Gesprächspartnerin. Ja-Sager hat er genug in seiner Umgebung und unter den Verbündeten.

Und doch schafften es Obama und Merkel noch nicht, sich in ihren Hauptstädten zu besuchen, obwohl die Einladungen gleich beim ersten Telefonkontakt ausgetauscht wurden. Ein Kurztreffen in Washington war greifbar nah. Doch der Kanzlerin schien der Aufwand für die kleine Begegnung zu groß. Stattdessen machten sie eine Video-Konferenz. Also Merkel und der mächtigste Mann auf einer Augenhöhe, und nicht die Kanzlerin, die für ein halbes Stündchen Obama-Zeit um die halbe Welt gejettet kommt.

Erst mal die Wahl

Insofern tut sich auch Obama leicht, eigene Prioritäten zu setzen. Es geht ihm nicht zuerst um Bilder mit der Wahlkämpferin Merkel kurz vor der Europawahl. Es geht um eine private Anknüpfung an den Holocaust (ein Großonkel war bei der Befreiung eines Birkenwald-Außenlagers dabei), mit dem sich auch kurz nach der wichtigen Nahost-Reise ohne Israel-Besuch ein Zeichen setzen lässt. Und um einen Solidaritätsbesuch bei seinen Soldaten im US-Hospital von Landstuhl.

Spätestens zum Mauerfall-Jubiläum am 9. November, so wird spekuliert, dürfte es dann die von beiden vermissten Bilder geben. Glanzvoll. In Berlin. Vor dem Brandenburger Tor. Falls Merkel wiedergewählt ist.

Quelle: RP

 
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