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Dampfer-Spargelfahrt "Seeheimer Kreises"
SPD gibt sich bei Spargel und Bier selbstbewusst

Spargelfahrt: SPD gibt sich bei Spargel und Bier selbstbewusst
Bei der alljährlichen Spargelfahrt schippern die Mitglieder des konservativen Seeheimer Kreis der SPD im Bundestag auf dem Ausflugsdampfer über den Wannsee. FOTO: dpa, nie fdt
Berlin. Einen Tag, nachdem Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den G7-Gipfel auf Schloss Elmau beendet hatte, stachen am Dienstagabend die Sozialdemokraten in See. Von Jan Drebes

Bei ihrer 54. traditionellen Dampfer-Spargelfahrt auf dem Berliner Wannsee gaben sich die Mitglieder des konservativen "Seeheimer Kreises" selbstbewusst - und überspielten damit vielleicht einen gewissen Frust, in den vergangenen Tagen nicht so schöne Bilder für sich gewonnen zu haben wie die Kanzlerin. "Die Seeheimer sind für die Regierung unverzichtbar", rief etwa SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann den rund 600 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Medien entgegen. Und dass rund 70 Prozent der Deutschen die Regierungsarbeit positiv bewerten würden, sei in erster Linie das Verdienst der Sozialdemokraten, so Oppermann. Parteichef Sigmar Gabriel lästerte, Merkel hätte lieber zur Spargelfahrt kommen sollen. Das sei die wahre Steigerung nach Elmau. 

Tatsächlich aber waren der "MS Havel Queen", auf der ausgewählten Gästen jedes Jahr Spargel, Bier und Wein serviert werden, viele prominente Genossen ferngeblieben. Neben Gabriel und Oppermann waren nur Justizminister Heiko Maas und Umweltministerin Barbara Hendricks an Bord. Yasmin Fahimi, die Generalsekretärin, war auch gekommen, ebenso Hamburgs Wahlsieger Olaf Scholz. Aber Minister vom Kaliber eines Frank-Walter Steinmeier fehlten, auch aus NRW waren kaum prominente Gäste an Bord.    

Und so blieb die Spargelfahrt ohne große Überraschungen. Interessanter wurde es da schon, als an den Stehtischen das Gerücht die Runde machte, Gabriel würde am Abend noch ins Kanzleramt eilen. Tatsächlich gingen Gabriel, Oppermann und Maas bei einem Zwischenstopp von Bord. Und in der Tat: Bei einem kurzfristig angesetzten Spitzentreffen wollten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Chef Sigmar Gabriel unter anderem die weitere Verhandlungslinie der Regierung im Griechenland-Schuldendrama abstimmen.

Gefeiert wurde später trotzdem, auch das hat Tradition bei der Spargelfahrt. Das Kartenkontingent ist begrenzt, wer also an Bord ist, hat es entweder schon geschafft in der Partei oder will noch was werden. Die Seeheimer indes sind ein Zusammenschluss mit bedeutender Vergangenheit. Seeheimer werden häufig als rechte Genossen beschrieben, selbst würden sie sich aber progressiv nennen. "Einem Sozialdemokraten zu sagen, du stehst rechts, ist eine intellektuelle Schweinerei", hatte der einstige Innenminister und Vizekanzler Egon Franke einmal gesagt.

1974 gründete sich der Kreis im Lufthansa-Schulungszentrum in Seeheim als Nochfolgezirkel der berüchtigten "Kanalarbeiter" in der SPD. Die Seeheimer waren regierungsloyal, kämpften gegen den linken Parteiflügel und definierten sich über eine Abgrenzung zur 68er-Bewegung. Sie sahen sich deswegen immer wieder dem Vorwurf vor allem aus der Studentenbewegung ausgesetzt, angepasst zu sein – die Seeheimer bestritten das stets. Der Parteizirkel war und ist mächtig, hatte bereits Einfluss auf viele große sozialdemokratische Karrieren. 

Heute gehören rund 70 Abgeordnete dem Kreis an, unter der Führung des Hamburger Haushaltspolitikers Johannes Kahrs, dem aus Thüringen stammenden SPD-Fraktionsvize Carsten Schneider und der bayerischen Abgeordneten Petra Ernstberger. Bekannte Mitglieder sind beispielsweise Parteichef Sigmar Gabriel, Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Fraktionschef Thomas Oppermann und NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin.

 

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