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Nackfotos: SPD-Chef Beck hielt Verheugen von Rücktritt ab

VON ANJA INGENRIETH - zuletzt aktualisiert: 08.12.2006 - 14:24

Brüssel (RPO). Nur das Eingreifen des SPD-Vorsitzenden Kurt Beck hat offenbar einen Rücktritt des deutschen EU-Kommissars Günter Verheugen verhindert. Als das Magazin "Focus" im Oktober die ersten Urlaubsfotos veröffentlichte, die Verheugen Hand in Hand mit seiner im Frühjahr zur Kabinettschefin beförderten Mitarbeiterin Petra Erler zeigten, habe Beck durch einen persönlichen Vorstoß verhindert, dass der massiv kritisierte 62-Jährige das Handtuch warf, meldet die "FAZ".

Gestern nun folgte ein neuer Akt im Drama um Kabale und Liebe mit dem Kommissions-Vize in der Hauptrolle. Unions-Politiker forderten seinen Rücktritt, nachdem die "Bild"-Zeitung über FKK-Fotos von Verheugen und Erler berichtet hatte. Diese sollen den verheirateten SPD-Politiker und seine 48-jährige Kabinettschefin beim Nacktbaden an der Küste Litauens zeigen.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Über die Frage der politischen Folgen solcher Fotos, deren Veröffentlichung der "Focus" zurzeit prüft, auch. Der Sprecher von Kommissionspräsident José Manuel Barroso sieht dadurch allerdings keine neue Sachlage gegeben. SPD-Politiker sprachen von einer "Schmutzkampagne".

Verheugens Kritiker wittern hingegen eine neue Chance, den angeschlagenen Industriekommissar, der sich mit seiner harschen Kritik an der Machtfülle des Brüsseler Beamtenapparates viele Feinde gemacht hat, doch noch zu kippen.

Der CSU-Europaparlamentarier Markus Ferber kritisierte gestern: "Es verhärtet sich der Verdacht, dass Herr Verheugen die Öffentlichkeit und das Parlament über seine Beziehung zu seiner Kabinettschefin belogen hat. Ein Kommissar, der lügt, wäre nicht haltbar." Verheugen hat bisher Gerüchte über ein Verhältnis zu seiner engsten Mitarbeiterin ebenso als "Verleumdung" bezeichnet wie den Vorwurf der Vetternwirtschaft bei ihrer Beförderung im Frühjahr.

Gabriele Steuner (CSU) befand, mit so einem Klotz am Bein könne die Bundesregierung nicht in die deutsche Ratspräsidentschaft starten. Und auch der CDU-Europaabgeordnete Herbert Reul meinte: "Wenn Verheugen klug wäre, würde er zurücktreten. Ein Mann, der so beschädigt ist, kann in der Brüsseler Verwaltung nicht mehr ordentlich aufräumen."

Den Bürokratie-Abbau hat indes nicht nur Verheugen zu seiner Herzensangelegenheit erklärt. Er ist auch ein Vorzeige-Projekt für den EU-Ratsvorsitz von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Rein machtstrategisch, so munkelt man, könne sie so kurz vor Beginn der deutschen Präsidentschaft kein Interesse daran haben, einen so europa-erfahrenen Mann wie Verheugen zu verlieren. Im Gegenteil: Ein Papier-Tiger fresse ihr eher aus der Hand als ein Brüsseler Papier-Krieger.

Quelle: RP

 
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