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Gesine Schwan: SPD feiert die ungeliebte Kandidatin

VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 24.05.2009 - 13:11

Düsseldorf (RPO). Als Bundestagspräsident Norbert Lammert die Zahl der Stimmen für Gesine Schwan bekanntgab, wirkte die Kandidatin erschrocken. Der Anerkennungserfolg war ihr als Kandidatin von SPD und Grünen vergönnt. Zunehmend hatte das eigene Lager mit ihr zu fremdeln begonnen. Als die Sozialdemokraten Schwan nach der Schlappe noch einmal hochleben ließen, wirkte es wie eine Erleichterung.

Einen aufrechten Trotz kann man Gesine Schwan nicht absprechen. Die ehemalige Hochschulprofessorin wollte mit ihrer auch in den eigenen Reihen umstrittenen Kandidatur beweisen, dass leidenschaftliche Politik Spaß machen kann. So ließ sich die 66-Jährige auch nicht davon abschrecken, dass sie angesichts der Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung von vorneherein gegenüber Köhler im Nachteil war.

Die Spannungen zwischen ihr und ihrem eigenen Lager waren in den Wochen vor der Bundespräsidentenwahl zusehends größer geworden. Die freie Denkerin wurde der SPD mit ihrer Meinungsfreudigkeit zum Problemfall. Erst hatte Schwan die SPD-Granden verschreckt, weil sie soziale Unruhen in Deutschland nicht ausschließen wollte. Dann brach sie auch noch die unglückselige Debatte über den "Unrechtsstaat DDR" vom Zaun und brachte damit vor allem Bürgerrechtler bei SPD und Grünen gegen sich auf. "Es geht nicht ohne argumentative Auseinandersetzung", rechtfertigte sie ihre Konfliktfreudigkeit.

Doppelt tragisches Aus

Am Samstag kam es zum Schwur. Die öffentliche Unterstützung war zu diesem Zeitpunkt nur noch Fassade. SPD-Fraktionschef Peter Struck hatte Schwan zuvor noch die Unterstützung aller SPD-Leute zugesichert. Dennoch hatte Schwan am Ende elf Stimmen weniger als das eigene Lager hergegeben hätte.

Mit ihrem großen Ziel ist Schwan gescheitert. Einen Durchmarsch von Köhler verhindern, lautete die ursprüngliche Ansage. Dabei hätte es fast zu einem zweiten Wahlgang gereicht. Denn auch das Lager um Köhler hatte aus eigener Kraft keine eigene Mehrheit im ersten Wahlgang. Die entscheidende Stimme stammte offenbar von der Grünen-Bundestagsabgeordneten Silke Stokar, wie sie einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" nach selbst zu Protokoll gab.

Wo waren die  Abweichler?

Umso bitterer das sofortige Aus für die Hochschulprofessorin. Sie bewahrte aufrecht ihre gute Miene. "Es hat sich gelohnt", tröstete sich die Kandidatin. Dass sie mit manchen ihrer Aussagen auch angeeckt ist, bereut die streitbare Wissenschaftlerin nicht. "Ich habe Profil gezeigt", stellte sie voller Selbstbewusstsein fest.

Die SPD ist am Ende davon überzeugt, dass die Niederlage Schwans vor allem auf das Konto der Grünen geht. "Ich bin mir sicher, dass alle 419 Delegierten von uns für Schwan gestimmt haben", sagt Parteichef Franz Müntefering nach der Wahl fast trotzig. Nach der Nationalhymne versammeln sich die SPD-Abgeordneten noch einmal um ihre Kandidatin und lassen sie hochleben. Schwan lacht dazu.

Fast überschwänglich bedankt sich später SPD-Chef Franz Müntefering bei seiner unterlegenen Kandidatin für ihren Einsatz. "Die Abstimmung ist so ausgegangen, wie sie ausgegangen ist. Wir sind stolz auf Gesine Schwan", sagt Müntefering nach. Schwan habe mit ihrer Kandidatur "praktische Demokratie gelebt". "Es bleibt ihr Verdienst, mit ihrem Engagement in den vergangenen Monaten die öffentliche Debatte weit vorangebracht zu haben", betonte Müntefering. "Mit dieser Frau hätte Deutschland eine gute Bundespräsidentin gehabt, kein Zweifel."

Ob Schwan künftig weiter eine wichtige Rolle in der SPD spielen wird, bleibt dennoch fraglich. Dass sie sich gar nicht mehr zu Wort melden wird, ist freilich auch nicht zu erwarten.

mit Agenturmaterial


 
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