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SPD gegen AfD
Guter Ansatz, falsches Mittel

AfD und Schießbefehl: "Ein kaltes Kalkül"
AfD und Schießbefehl: "Ein kaltes Kalkül"
Meinung | Berlin. Im Grunde hat Sigmar Gabriel mit der neuen SPD-Kampagne gegen die "Alternative für Deutschland" ja Recht. Der Ansatz ist richtig, möglichst breitenwirksam gegen Ausgrenzung, Hass und Gewaltaufrufe vorzugehen. Von Jan Drebes

Die Stimmung im Land ist aufgeheizt und es ist nicht mehr nur beschämend, wie viele Flüchtlingsheime angezündet werden, es ist schlicht skandalös. Und Gabriels Analyse trifft zu, dass die AfD eben all diese Kräfte bündelt, die sich gegen Fremde richten.

Das wurde selten so unverhohlen und dreist artikuliert, wie von AfD-Vize Alexander Gauland, als er im vergangenen Dezember von der Flüchtlingskrise als Geschenk für seine Partei sprach. Ja, geht's denn noch?

Werbeglanzbilder bringen gar nichts

Das millionenfache Leid von Menschen, die vor Krieg, Terror und bitterer Armut fliehen, als Geschenk für das eigene Machtstreben zu bezeichnen? Gabriel liegt daher richtig in seinem Bestreben, die AfD gehöre bekämpft.

Allerdings ist die neue Plakat- und Promi-Aktion der SPD sicher kein geeignetes Mittel auf dem Weg zu diesem Ziel. Werbeglanzbilder mit sommerlichem Lichteinfall und fröhlichen Menschen zu plakatieren, bringt keine inhaltliche Auseinandersetzung mit Rechtspopulisten.

Sätze, die darunter stehen, wie "Unser Land braucht Respekt, keine Gewalt" sind zwar inhaltlich völlig richtig, wirken aber weder bei längst abgekoppelten Rechtspoplisten, noch bei frustrierten und verängstigten Nichtwählern.

Udo Lindenberg ist auch nicht gerade originell

Derlei Wischiwaschi-Äußerungen mögen vielleicht bei manchem Genossen im gut situierten Rheinland-Pfalz und in Baden-Württemberg verfangen – die gehen im Zweifel aber ohnehin zur Wahl.

Und auch die vermeintliche Trumpfkarte mit prominenten Stimmen von Iris Berben bis Udo Lindenberg zu ziehen, ist weder originell noch inhaltlich zielführend. Es ist einfach nur Parteiwerbung.

Wenn es die SPD aber mit dem Ziel der Kampagne ernst genommen hätte, dann würde noch viel mehr passieren, als auf der Internetseite der Sozialdemokraten Sachargumente gegen AfD-Thesen zu bringen. Es ist schlicht nicht nachvollziehbar, warum die SPD mit viel Geld und Mühe gegen die AfD und deren Thesen vorgehen will, dann aber die direkte Auseinandersetzung scheut.

Das Talk-Desaster von Björn Höcke

Weder SPD-Chef Gabriel noch die durch die CDU in Bedrängnis geratene Wahlkämpferin Malu Dreyer in Rheinland-Pfalz wollen in eine Talkshow mit der AfD. Ein großer Fehler.

Dabei sollte ihnen ein Beispiel aus der jüngsten Fernsehgeschichte Mut machen: Der Auftritt von AfD-Rechtsaußen Björn Höcke mit der Deutschlandfahne bei Günther Jauch ist im Nachhinein nicht als Triumphzug eines angeblichen Patrioten wahrgenommen worden, sondern als einfach nur peinlich.

Und wer hat davon profitiert? Bundesjustizminister Heiko Maas, ebenfalls SPD, der ohne Schaum vor dem Mund neben Höcke saß und dem Hetzer glänzend Paroli bot. Was also zählt, ist gelassene Konfrontation mit Sachargumenten.

Schöne Bilder und Promis kann jeder.

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