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Nach Sarrazins Pullover-Provokation: SPD: Gratis-Sparlampe für Arme

VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 31.07.2008 - 09:57

Berlin (RPO). Der Streit, wie man die hohen Energiepreise kompensiert, geht nach Sarrazins Pullover-Provokation weiter. Die SPD will mit kostenlosen Energiepaketen helfen. Experten sagen, dass Verbraucher mit einfachen Maßnahmen jährlich 20 Prozent sparen könnten.

An sinkende Energiepreise glaubt offenbar kaum noch einer. Nur zwei Wochen nach der Ankündigung einer Gaspreiserhöhung bei der RWE Westfalen-Weser-Ems will jeder zehnte Kunde des Unternehmens auf das Festpreisangebot umsteigen. Für einen Aufschlag von drei Euro pro Monat zahlen die RWE-Kunden dann einen garantierten Gaspreis bis September 2011. Verbraucherschützer warnten zwar vor einer Festlegung auf einen vergleichsweise hohen Tarif, die Kunden haben aber offenbar Panik vor weiter steigenden Tarifen.

Derweil haben die Äußerungen des Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin im Interview mit unserer Redaktion – der SPD-Politiker hatte als Maßnahme gegen steigende Energiekosten niedrigere Zimmertemperaturen und „dicke Pullover“ vorgeschlagen – eine umfassende Debatte ausgelöst. Der SPD-Umweltexperte Ulrich Kelber kritisierte die Äußerungen gestern als „dummes Zeug“. Berliner Linkspartei-Politiker forderten den Rücktritt Sarrazins.

Experten geben dem Senator inhaltlich Recht. „Wer die Zimmertemperatur um zwei Grad herunterdreht, spart pro Jahr zwölf Prozent der Energiekosten“, sagte Joachim Frielingsdorf von der Energieagentur NRW, dem Energie-Dienstleister der Landesregierung. Mit einfachen Spar-Maßnahmen, etwa dem Energiesparmodus beim Computer oder Standby-Schaltern, ließen sich „schnell mehr als 100 Euro pro Jahr sparen“, betonte er. Angesichts der Preissteigerungen bei Strom und Gas von insgesamt rund 24 Prozent in nur drei Jahren sei Energiesparen im Haushalt notwendiger denn je.

Die Bundesregierung will Wirtschaft und Verbraucher mit einer Effizienz-Offensive zum Energiesparen motivieren. In einem internen Strategiepapier des Bundesumweltministeriums, das unserer Zeitung vorliegt, wird das Ziel ausgegeben, ab 2009 jährlich ein Prozent des Gesamt-Energieverbrauchs in Deutschland einzusparen. Die Energieversorger sollen verpflichtet werden, bei ihren Kunden Energieeinsparungen zu realisieren, indem sie „mit Leasing-Verträgen“ oder in Form von einmaligen Zuschüssen die Verbraucher mit modernen, energiesparenden Haushaltsgeräten ausstatten. Ein Pilotprojekt der Stadtwerke in Bonn startet nach der Sommerpause.

Alle energieverbrauchenden Geräte sollen einer neuen Kennzeichnungs-Pflicht unterliegen, die den exakten Stromverbrauch offenlegt. Nach Berechnungen der Verbraucherzentralen sind alleine Kühlschrank und Gefriergerät für ein Viertel der jährlichen Stromkosten im Haushalt verantwortlich.

In der neu eingesetzten „Arbeitsgruppe Energiemarkt“ der SPD-Bundestagsfraktion wird außerdem diskutiert, an Geringverdiener und Bedürftige kostenlose „Energie-Carepakete“ zu verteilen. Darin sollen abschaltbare Steckdosenleisten und Energiesparbirnen enthalten sein. Die SPD will mit den Verbraucherzentralen kooperieren, die bereits heute, finanziell unterstützt vom Bundeswirtschaftsministerium, kostenlose Energieberatungen anbieten. Anfang September will die Arbeitsgruppe unter Leitung von Fraktionschef Peter Struck erste Ergebnisse präsentieren.

Auch die Union macht sich nun Gedanken. Nach Informationen unserer Zeitung bereitet die CDU/CSU-Bundestagsfraktion eine Arbeitsgruppe unter der Führung von CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer und dem Fraktionsvorsitzendem Volker Kauder (CDU) vor. Darin sollen sich Wissenschaftler und Experten Gedanken zum Thema „Energiepolitik und Energieeffizienz“ machen. Bis 10. September sollen Ergebnisse vorliegen. Staatliche Hilfen wie Sozialtarife oder Heizkostenzuschüsse, von Teilen der SPD und Gewerkschaften gefordert, lehnt die Union ab.

Schreiben Sie uns Ihre Meinung. Hat der Senator Recht?

Viele Deutsche stöhnen über die hohen Energiepreise - Berlins rot-roter Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) hält das für übertrieben. Wir fragen Sie: Was meinen Sie zu den Äußerungen des Senators? Hat er Recht? Wie sparen Sie Energie? Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung.

Quelle: RP

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
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