Parteichef der Linken an Krebs erkrankt: SPD: Linke zerfällt ohne Lafontaine
zuletzt aktualisiert: 20.11.2009 - 07:18Berlin (RP). Nach heftiger Kritik aus den eigenen Reihen hat der thüringische Linke-Fraktionschef Bodo Ramelow seine Aussagen über eine mögliche Nachfolge des erkrankten Parteichefs Oskar Lafontaine abgeschwächt. "Bei uns gibt es keine Nachfolgedebatte und heute schon überhaupt nicht", sagte Ramelow im ZDF. Er wünsche Lafontaine, dass er schnell genese "und dass er im kommenden Jahr möglichst kraftvoll uns als Parteivorsitzender zur Verfügung steht".
Am Dienstag hatte Lafontaine mitgeteilt, er leide an Krebs. Der 66-jährige frühere SPD-Chef soll an Prostata-Krebs erkrankt sein; gestern unterzog er sich in Homburg an der Saar einer Operation. Ramelow hatte einen Generationswechsel an der Parteispitze ins Gespräch gebracht und gesagt, es müsse auch ohne Lafontaine gehen.
Gestern sagte Ramelow, Behauptungen, er sei selbst am Parteivorsitz interessiert, seien "aus dem Zusammenhang gerissen". Das sei "nicht appetitlich". Er selbst lehne den Vorsitz langfristig nicht ab, doch sei das "nicht tagesaktuell".
SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte der Linken eine schwierige Zukunft für den Fall voraus, dass Lafontaine seine Ämter aufgeben muss. Im Bayerischen Rundfunk sagte Nahles: "Dann wird diese Partei zerfallen in Radikale um Sahra Wagenknecht und eine ganze Reihe von ostdeutschen PDSlern, die Regierungsverantwortung anstreben." Das werde "eine Belastungsprobe erster Ordnung für die Linkspartei" werden.
Lafontaine erhielt zu seiner Operation auch Genesungswünsche von früheren Parteifreunden aus der SPD und von der Ehefrau des Altkanzlers Gerhard Schröder. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung schrieb Doris Schröder-Köpf ihm eine E-Mail mit den Worten: "Lieber Oskar, die Zeit ist vergangen, die Wut auch. Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute. Liebe Grüße." Lafontaine war 1999 kurz nach Schröders Amtsantritt als Bundesfinanzminister und SPD-Vorsitzender zurückgetreten.
Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Frank-Walter Steinmeier, erklärte, Lafontaines und seine Wege hätten sich getrennt, "aber dies muss man in solchen Situationen beiseite lassen". Der CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber wünschte Lafontaine "Gottes Segen für eine rasche und volle Genesung".
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