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Fall Tauss: SPD-Politiker räumt Kauf von Kinderpornos ein

zuletzt aktualisiert: 15.03.2009 - 11:09

Stuttgart/Berlin (RPO). Der SPD-Medienpolitiker Jörg Tauss hat eingeräumt, für 200 Euro kinderpornografisches Material angekauft zu haben. Er habe "zweimal 100 Euro geschickt", sagte Tauss in einem Interview. Damit bestritt der ehemalige Generalsekretär der Südwest-SPD zugleich die Aussage eines ebenfalls Beschuldigten, mehr als 1000 Euro für einschlägige Dateien gezahlt zu haben.

Unterdessen bestimmte der SPD-Landesvorstand in Baden-Württemberg den Bundestagsabgeordneten Peter Friedrich zum kommissarischen Generalsekretär. Der Landesverband dringt darauf, dass Tauss noch vor Ostern darüber entscheidet, ob er auch sein Bundestagsmandat abgibt.

Recherche als Grund für den Ankauf

Tauss, der als Medienexperte der SPD mit dem Thema Kinderpornografie befasst war, erklärte den Grund für den Ankauf von Daten erneut mit seinen Recherchen: "Ich musste für meine Recherche über Kinderpornografie Material beschaffen. Da ich keins zum Tausch hatte, habe ich für die Beschaffung bezahlt." Er betonte gegenüber der "Bild am Sonntag": "Ich bin unschuldig und werde weiter um mein Mandat kämpfen. Meine Partei wartet das Strafverfahren ab."

Der in Bremerhaven überführte Sascha H. hatte zuvor nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus" ein umfangreiches Geständnis abgelegt. Er habe darin detailliert von Postsendungen mit kinderpornografischem Inhalt berichtet, die er an einen "Werner" geschickt habe. Mit diesem Vornamen habe sich Tauss in SMS-Nachrichten genannt, schreibt das Magazin.

Der SPD-Politiker soll nach Aussage des 29-Jährigen Lagerarbeiters insgesamt "mehr als 1000 Euro" für die Kinderpornos gezahlt haben. In der Bremerhavener Wohnung von H. stellten Ermittlungsbeamte dem Bericht zufolge umfangreiches Material sicher, unter anderem einen Briefumschlag, in dem Tauss ihm Geld geschickt hatte. Auf einem Zettel hatte der Politiker seine Berliner Wohnung als Lieferadresse angegeben.

Politischer Nachfolger

Tauss hatte im Zusammenhang mit dem Ermittlungsverfahren gegen ihn seine Ämter in der SPD-Bundestagsfraktion und den Posten des Generalsekretärs in der Südwest-SPD niedergelegt. Am Samstag wurde der 36 Jahre alte Bundestagsabgeordnete Friedrich mit 11 von 17 abgegebenen Stimmen zum neuen Generalsekretär bestimmt. Das Amt wird zunächst kommissarisch geführt, weil Vorstandswahlen erst auf dem Landesparteitag im November stattfinden.

Ein Sprecher der Südwest-SPD sagte mit Blick auf das Bundestagsmandat des Beschuldigten, man wolle Tauss nun die Gelegenheit geben, zu allen Vorwürfen Stellung zu nehmen. Die Fakten habe die Staatsanwaltschaft noch nicht vollständig vorgelegt. Der Landesverband gehe aber davon aus, dass dies in den kommenden zwei Wochen geschehe. Eine Entscheidung über die Zukunft von Tauss müsse noch vor Ostern fallen.

Quelle: DDP

 
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