Nordrhein-Westfalen: SPD will Gymnasien durch Gemeinschaftsschulen ablösen
VON GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 06.03.2007 - 20:33Düsseldorf (RP). Nach der Ankündigung Hessens, die Hauptschule zu reformieren, soll auch das Schulsystem in Nordrhein-Westfalen radikal umbegabut werden. Die NRW-SPD will das bisherige dreigliedrige System abschaffen und durch eine Gemeinschaftsschule ersetzen.
Zu dem neuen Konzept hatte sich die NRW-SPD per Vorstandsbeschluss bekannt. Das Modell, das landesweit bindend eingeführt werden soll, sieht eine gemeinsame Schule für alle Kinder bis zum Ende der zehnten Klasse vor. In den Klassen 5 und 6 sollen die Kinder gemeinsam unterrichtet werden - danach ist eine Differenzierung in Hauptschul-, Realschul- und Gymnasialklassen möglich. In so genannten "Oberstufenzentren" sollen die Schüler anschließend das Abitur flexibel in zwei oder drei Jahren erreichen können. SPD-Chefin Hannelore Kraft forderte von Regierungschef Jürgen Rüttgers (CDU) den "Mut, umzusteuern. Die Zukunft ist die Gemeinschaftsschule".
Der Wunsch der Eltern nach einer Umstrukturierung des Schulsystems sei an aktuellen Anmeldezahlen abzulesen, so Kraft. Während die Anmeldungen an den Hauptschulen dramatisch einbrächen, erlebten die Gesamtschulen einen Ansturm. In diesem Jahr hätten sich landesweit rund 47000 Grundschüler um einen Platz an einer Gesamtschule beworben. Aber nur 30000 Kinder könnten aufgenommen werden. Das bisherige Schulsystem sei "ungerecht", "unfair" und "extrem selektiv".
Wie genau die Gemeinschaftsschulen der Zukunft aussehen könnten, sollen die Kommunen entscheiden. Unterschiedliche Modelle seien denkbar. "Die Schüler sollen aber unter einem Dach von einem Kollegium unterrichtet werden", sagte die SPD-Vorsitzende. Kraft hatte sich mit der Forderung nach der bindenden Einführung der Gemeinschaftsschule parteiintern gegen ihre Stellvertreterin Ute Schäfer durchgesetzt, die die Gemeinschaftsschule als zusätzliche Option neben Hauptschule, Realschule, Gesamtschule und Gymnasium etablieren wollte.
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) forderte die Landesregierung auf, sich gegenüber den SPD-Vorschlägen nicht zu verschließen. "Vor allem den ländlichen Kommunen hilft es angesichts der sinkenden Schülerzahlen nicht, wenn ihnen die Landesregierung bei der Zusammenlegung der Schulformen enge Grenzen setzt", sagte der VBE-Landesvorsitzende Beckmann. Sigrid Beer, bildungspolitische Sprecherin der Grünen, warnte davor, sich den Realitäten zu verweigern.
Bildungsexperten von CDU und Liberalen lehnten den Vorstoß ab. Ingrid Pieper-von Heiden (FDP) sprach von einer "Geisterdebatte", die von der "Konzeptionslosigkeit" der SPD ablenken sollte. Klaus Kaiser, schulpolitischer Sprecher der CDU, sagte, der SPD gelinge es nicht, "die alten ideologischen Fesseln abzustreifen".
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