G-8-Gipfel: Start mit Bach und Beethoven
VON GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 05.06.2007 - 22:31Heiligendamm (RP). Ob der Mittwochabend beginnende G-8-Gipfel beim Thema Klimaschutz in Heiligendamm die USA wieder auf die Spur des Kyoto-Prozesses bringen kann, ist auch nach der Ankunft von US-Präsident George W. Bush im Ostseeheilbad noch offen. EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso zeigte sich betont zuversichtlich. Aus deutschen Regierungskreisen verlautete hingegen vielsagend, der Klimaschutz sei "nach wie vor kein einfaches Thema".
US-Präsident George W. Bush landete Dienstagabend auf dem Militärflughafen Rostock-Laage mit seiner „Air Force One“ - einer seiner ersten Termine wird Freitag ein Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel sein. Beim Lunch wird „Angela“ einen neuen Anlauf unternehmen, „George“ zu konkreteren Verpflichtungen zu bewegen. Auch die Gruppe der „Sherpas“, der Gipfelvorbereiter, tritt heute Vormittag erneut zusammen, um die deutlich sichtbaren „Chancen“ auszuloten. Allerdings räumten Regierungskreise in Heiligendamm gestern Abend ein, dass der Klimaschutz „nach wie vor kein einfaches Thema“ sei.
Vor einem kleinen Kreis deutscher Journalisten unterstrich EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso, dass die Vorbereitungen für Heiligendamm jedoch bereits zu wichtigen Schritten in die richtige Richtung geführt hätten. Noch vor kurzem hätten wichtige Staaten wie die USA die wissenschaftlichen Erkenntnisse negiert und in Abrede gestellt, dass der Klimawandel von Menschen gemacht ist.
Klimawandel "klar anerkannt"
Erstmals werde nun in Heiligendamm die Bedrohung durch den Klimawandel „klar anerkannt und akzeptiert, dass globales Handeln nötig ist“. Barroso verwies darauf, dass in Heiligendamm mit den G-8-Staaten und den hinzugebetenen Schwellenländern die Verantwortlichen für 75 Prozent der weltweiten Treibhausgase versammelt seien. Der Druck auf verlässliche Schritte gegen den Klimawandel werde weiter zunehmen. Könnten die Differenzen in Heiligendamm noch nicht ausgeräumt werden, müsse dies so auch öffentlich gemacht und nicht unter den Tisch gekehrt werden. Nur mit klaren Vorgaben, etwa zu den Kosten des CO2-Ausstoßes, ließen sich die Investitionen in Forschung und Techniken zum Stopp des Klimawandels erhöhen.
Nach wie vor ist fraglich, ob alle drei Wunschziele der deutschen G-8-Präsidentschaft am Freitag in der Abschlusserklärung stehen werden: Die weltweite Durchschnittstemperatur soll um höchstens zwei Grad steigen, eine Halbierung des klimaschädlichen Gasausstoßes bis 2050 erreicht werden und die globalen Klimaschutz-Anstrengungen in einen UN-Prozess münden. Deutsche Regierungskreise sehen „Bewegung“ in den bislang festgefahrenen Positionen, und um weitere Lockerungen bemüht sich G-8-Präsidentin Merkel in Einzelgesprächen mit allen Gipfelteilnehmern.
„Festspiele Mecklenburg-Vorpommern“
Nach dem britischen Premier und den Regierungschefs aus Kanada und Japan am Sonntag, Montag und Dienstag, trifft sie sich heute nach der Unterredung mit Bush auch noch mit den Staats- und Regierungschefs Italiens, Frankreichs und Russlands, bevor am Abend der Gipfel mit einem Abendessen auf Einladung von Merkel und ihrem Mann Joachim Sauer eröffnet wird. Dazu spielen Musiker der „Festspiele Mecklenburg-Vorpommern“ Werke von Bach, Beethoven und Mendelssohn-Bartholdy.
Der Donnerstag sieht Parallelprogramme der Regierenden und ihrer Ehepartner vor. Sauer lädt die Damen der Staatsgäste unter anderem zu einer Besichtigung von Burg Schlitz in Güstrow ein, diskutiert im Rahmen des „Partnerprogramms“ mit dem „J-8-Gipfel“, der sich aus Jugendlichen der G-8-Staaten zusammensetzt, und mit jungen Wissenschaftlern des Max-Planck-Institutes aus Rostock.
Derweil befassen sich die G-8-Teilnehmer in verschiedenen Arbeitssitzungen und dazwischen in einer Fülle bilateraler Kontakte unter anderem mit der Entwicklung der Weltwirtschaft, mit den Problemen im Nahen Osten, in Darfur und im Kosovo, mit Afghanistan und Pakistan, mit Iran und Nordkorea, am Nachmittag schwerpunktmäßig mit dem Klimawandel, und abends bereiten sie das Treffen mit den Schwellenländern und den afrikanischen Ländern am folgenden Tag vor.
Die G-8-Staaten wollen dem afrikanischen Kontinent eine politische Partnerschaft anbieten und unter dem Motto „Wachstum und Verantwortung“ die afrikanischen Staaten mit mehr Entwicklungshilfe ausstatten, mehr in die Bekämpfung von HIV/Aids investieren und sie auch für Investitionen attraktiver machen. G-8-Chefin Merkel wird es dabei nicht belassen. Aus Regierungskreisen verlautete, dass die Kanzlerin nach dem Gipfel zu einer größeren Afrika-Reise aufbrechen will.
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