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Analyse
Prekäre Beschäftigung bleibt ein Problem für Frauen und Ausländer

Statistik: Prekäre Jobs bleiben Problem für Frauen und Ausländer
Eine Gebäudereinigerin wischt den Flur in einer Berufsschule in Schwerin. FOTO: dpa, jbu hpl fux
Meinung | Berlin. Die neue Job-Statistik bestätigt, dass die atypische und prekäre Beschäftigung ein Problem der Frauen und der Ausländer bleibt. Eine Analyse. Von Birgit Marschall

Es sind Frauen und Ausländer, die besonders häufig weniger als 20 Stunden in der Woche arbeiten. Es sind Frauen und Ausländer, die öfter als andere nur einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen. Fast ein Drittel der erwerbstätigen Frauen sind in diesen atypischen Jobs beschäftigt, aber nur ein gutes Zehntel der Männer. Der Anteil der Ausländer in atypischer Beschäftigung ist zudem fast doppelt so hoch wie der Anteil deutscher Arbeitnehmer. 

So erfreulich es ist, dass die Zahl der unbefristeten, sozialversicherungspflichtigen Normalarbeitsverhältnisse mit mehr als 20 Wochenstunden 2015 insgesamt angestiegen ist, so unerfreulich ist es doch, dass Frauen oft in atypischer Beschäftigung verharren - und damit nicht von der sehr guten Beschäftigungslage profitieren können. Sie verringern dadurch ihre soziale Absicherung. Vor allem im Alter drohen ihnen viel zu geringe Renteneinkünfte.

Viele Frauen können und wollen nicht mehr Wochenstunden arbeiten, weil sie auch noch Kinder erziehen, Hausarbeit erledigen oder Angehörige pflegen müssen. Sie stecken in der Teilzeitfalle. Für viele kann sich das später rächen, denn von einem Ehepartner dauerhaft finanziell abhängig zu sein, macht nicht nur unfrei und unmündig – es ist auch unsicher. 

In Ehen und Familien findet offenbar weiterhin zu wenig eine Auseinandersetzung darüber statt, ob der Partner und andere mehr Betreuungsaufgaben übernehmen können, um Frauen zu entlasten. Umfragen zeigen, dass dies nicht unbedingt ein Generationenproblem ist, das sich bald erledigt hätte: Auch jüngere Männer entziehen sich oft der Hausarbeit, der Kindererziehung oder der Pflege Angehöriger.

Prekäre Beschäftigung ist zudem ein nicht-deutsches Problem. Der Anteil der Ausländer unter den atypisch Beschäftigten ist überproportional groß. Auch hier ist klar, dass Anstrengungen von allen Seiten dringend verstärkt werden müssen, um Ausländer in Normalarbeitsverhältnisse zu bringen, damit weniger von ihnen zu einer Belastung für das soziale Sicherungssystem werden.

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