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Steinmeier sommerreise herten zeche ewald panorama ddp 2009
  Foto: ddp, ddp
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Werbung für Deutschland-Plan: Steinmeiers Sommermärchen

VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 04.08.2009 - 20:07

Herten (RP). In NRW beginnt SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier seine Sommerreise. Kompetenz, Innovation und neue Jobs sind die Botschaften, mit denen der Genosse gegen Kanzlerin Merkel punkten will.

Der Baron verfolgt Frank-Walter Steinmeier bis nach Herten, einer Kleinstadt im nördlichen Ruhrgebiet. Auf einem stillgelegten Zechengelände soll bald das Restaurant „Zechenbaron“ eröffnen, wie ein Plakat am alten Förderturm verkündet. Die Analogie zum adeligen CSU-Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, von SPD-Altkanzler Gerhard Schröder verächtlich als „Baron aus Bayern“ tituliert, gefällt Steinmeier offenbar nicht. Er dreht sich schnell um, blickt auf die riesige Baustelle vor ihm und verkündet seine frohe Botschaft. „Vier Millionen Arbeitsplätze in den nächsten zehn Jahren, das ist realistisch, das ist machbar.“

Es ist die Kernthese des „Deutschland-Plans“, jenes Wirtschaftskonzepts, das der Merkel-Herausforderer am Montag in Berlin vorstellte und das er nun in Projekten, Personen und schönen Bildern konkretisieren will. Die „Arbeit von morgen“ ist das Thema. Und das geht sogar im Strukturwandelgebeutelten Ruhrgebiet.

In Herten soll Wasserstoff die Kohle ersetzen. 300 Beschäftigte sollen in den nächsten Jahren im Wasserstoffzentrum arbeiten, aus Abfällen Wasserstoff gewinnen, die Antriebstechnologie der Zukunft. 3800 Bergleute arbeiteten einmal auf dem Gelände. Nur ein kleiner Mosaikstein also in Steinmeiers „Vier-Millionen“-Jobplan. Und dazu noch gefördert mit Millionen Steuergeldern. Egal. Sorgsam arbeitet Steinmeier die perfekte Choreografie ab, die ihm seine Berater in das Drehbuch für die Sommertour geschrieben haben. Egal wo der Steinmeier hinkommt, Kompetenz, Innovation und neue Jobs sind schon da.

Im sauerländischen Menden feiert Steinmeier das Richtfest für das Kompetenzzentrum der mittelständischen Baufirma OBO Bettermann. Mitten in der Krise investiert Firmenchef Uli Bettermann, ein Freund Steinmeiers, 40 Millionen Euro in die Erforschung neuer Produkte. Den prominenten Gast lobt der Unternehmer überschwänglich für sein „menschliches und ehrliches“ Auftreten.

Zwar legt sich Bettermann in seiner Rede auch für bisher kaum als sozialdemokratisch bekannte Positionen wie Steuerreform und Bürokratiebabbau ins Zeug, doch am Ende steht der Wahlaufruf. „Ein Westfale muss Kanzler werden.“ „Bravo“ ruft da reichlich unbescheiden der Spitzengenosse aus Lippe.

Einige Kilometer weiter westlich, der Steinmeier-Tross ist inzwischen im Technologiezentrum in Dortmund angekommen, wird der Deutschland-Plan im Kleinen schon fast umgesetzt. „Dortmund-Projekt“ heißt er. 70.000 neue Arbeitsplätze will der SPD-Bürgermeister Gerhard Langemeyer bis 2010 in der Westfalenstadt schaffen. Genau die Anzahl an Arbeitsplätzen, die bei Stahl, Textil- und Bergbau im Strukturwandel weggefallen sind. 38.000 neue Stellen haben IT-Wirtschaft, Nano- und Biotechnologie schon zurückgebracht. Kein Wunder, dass Genosse Langemeyer das Ziel des SPD-Kanzlerkandidaten als „seriös“ einstuft.

„Steinmeier ist kein Träumer“, wirbt der Oberbürgermeister. Da ist der Kandidat schon auf dem Weg zur nächsten Jobmaschine. In Köln wartet die „Kreativwirtschaft“.

Quelle: RP

 
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