Gerichtsposse um Ex-Minister: Stellte SPD-Politiker Stewardess ein Bein?
zuletzt aktualisiert: 04.06.2009 - 07:13Berlin (RP). Das ist durchaus nichts Unübliches für einen Politiker: dass er einen anderen zu Fall bringen will. Aber dass der ehemalige brandenburgische Kultusminister Steffen Reiche es nicht nur im übertragenen Sinne, sondern ganz real mit einer Stewardess versucht haben soll, wie diese behauptet, das sieht der jetzige SPD-Bundestagsabgeordnete schlicht als Verleumdung an.
Hat er der Stewardess Natascha O. auf dem Flug Brüssel-Berlin tatsächlich ein Bein stellen wollen? Das muss seit gestern das Amtsgericht in Berlin-Tiergarten klären. Drei Verhandlungstage sind dafür angesetzt herauszufinden, ob es Anfang 2007 nach einer SPD-Klausurtagung eine "versuchte Körperverletzung" gegeben hat.
Deshalb geht es jetzt um die genaue Fußstellung des Sozialdemokraten zu jenem Zeitpunkt, als Natascha O. aus der Bordküche kam und an Reiche vorbeiwollte. Er habe "plötzlich sein Bein angehoben", so dass sie "fast darüber gestolpert" sei: "Ich denke, dass er mich zu Fall bringen wollte."
Ein böser Verdacht gegen den ehemaligen Mitgründer der Ost-SPD, der in Vor-Wendezeiten zunächst Tischler lernte, dann Theologe wurde und zu seinem aktuellen beruflichen Status neben "Bundestagsabgeordneter" auch "Pfarrer im Wartestand" angibt. Hat der verheiratete Vater von drei Töchtern und im Bundestag für Europa und Kulturpolitik zuständige Parlamentarier so wenig Kultur, dass er sich hinterhältig an einer Flugbegleiterin abreagiert?
Er selbst stellt zum Prozessauftakt unmissverständlich fest: "Ich kann ausschließen, dass ich der Stewardess ein Bein gestellt habe." Die von ihr geschilderte Körperhaltung habe damit zusammengehangen, dass er sich mit einem Wissenschaftler auf der anderen Seite des Ganges unterhalten habe. Aber sowohl dessen als auch seine eigenen Füße hätten nicht im Gang gestanden. Die Stewardess verweist darauf, dass Reiche bereits vor diesem Vorfall mit ihr aneinandergeraten sei, weil sie ihm keine deutschen Zeitungen habe geben können und ihn nicht die Toilette in der Business-Klasse habe benutzen lassen. Diese beiden Umstände bestätigt Reiche.
Zum Prozess kam es, weil er sich weigerte, mehrere tausend Euro Schmerzensgeld zu zahlen. Ein erster Termin war geplatzt, weil die angeblich Geschädigte nach der Geburt eines Kindes nicht reisefähig war. Nun sollen andere mitreisende SPD-Abgeordnete als Zeugen klären, wo Reiche am Abend des 12. Januar 2007 seine Füße hatte.
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