Schauspieler ließ sich ans Kreuz binden: Stoiber fordert härtere Strafen für "Gotteslästerung"
zuletzt aktualisiert: 19.06.2006 - 10:08Hamburg (rpo). Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber will schwere Gotteslästerung künftig konsequent und härter bestrafen: "Es darf nicht alles mit Füßen getreten werden, was anderen heilig ist", sagte er. Hintergrund ist die Protestaktion des Schauspielers Matthieu Carrière vom Wochenende: Er hatte sich als Kreuz binden lassen, um für seine Vaterrechte zu kämpfen.
Carrière hatte sich am Samstag während einer Demonstration für die Rechte und Gleichberechtigung von Vätern nur mit einem Lendenschurz bekleidet an ein Kreuz tbinden lassen. Während er dort hing, schrie der Schauspieler: "Vater, warum hast Du mich verlassen?" Damit wollte Carrière eigenen Worten zufolge auf die Ohnmacht von unverheirateten Vätern hinweisen.
Zuvor hatte er betont, es sei sehr wichtig, auch mit solchen drastischen Aktionen auf das Schicksal von Kindern aufmerksam zu machen, die gegen ihren Willen von ihren Vätern und in manchen Fällen auch von ihren Müttern getrennt leben müssten. "Jesus am Kreuz ist ein mächtiges Symbol für das Leiden am Verlassensein", hob der Schauspieler hervor.
"Geschmacklose Effekthascherei"
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte Carrieres biblischen Vergleich als "geschmacklos" bezeichnet. Offensichtlich gehe es dabei vorwiegend um Effekthascherei und nicht um inhaltliche Auseinandersetzung.
CSU-Chef Stoiber kündigte gegenüber der "Bild"-Zeitung für den Integrationsgipfel im Juli bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine Initiative gegen Gotteslästerung an. Der bisherige Paragraph 166 des Strafgesetzbuches sei "völlig stumpf und wirkungslos", weil er eine Bestrafung nur dann vorsehe, wenn der "öffentliche Frieden gefährdet" sei und "Aufruhr" drohe.
Wer bewusst auf den religiösen Empfindungen anderer Menschen herumtrampele, müsse mit Konsequenzen rechnen - in schweren Fällen mit bis zu drei Jahren Gefängnis. Wohin die Verletzung religiöser Gefühle führen könne, habe der Streit um die Mohammed-Karikaturen in diesem Jahr "auf alarmierende Weise" gezeigt, mahnte Stoiber.
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