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Fußball-WM: Stoiber will Irans Präsidenten nicht bei der WM

zuletzt aktualisiert: 09.04.2006 - 17:19

Neuss (rpo). Führende Unionspolitiker haben sich besorgt über einen möglichen Besuch des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad zur Fußball-WM in Deutschland gezeigt. Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber sagte, der Besuch werde "bei uns auf viele Proteste stoßen". Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble erklärte, ein Aufenthalt Ahmadinedschads zur Weltmeisterschaft werde "nicht einfach sein".

Der iranische Staatschef hatte den Holocaust kürzlich als Märchen bezeichnet und gefordert, Israel von der Landkarte zu radieren. Dazu sagte Stoiber: "Der Repräsentant eines Landes, der gegenüber dem jüdischen Staat zu solchen Tiraden greift und den Holocaust bestreitet, dass ein solcher Präsident in unserem Land nicht gerade begeistert empfangen wird, versteht sich von selbst."

Auch Schäuble sieht Probleme, falls Ahmadinedschad tatsächlich im Sommer zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Deutschland kommen sollte. Man werde den iranischen Politiker auf einige seiner Äußerungen in der Vergangenheit ansprechen müssen, sagte der CDU-Politiker in Bad Boll bei einem DFB-Symposium.

Grundsätzlich könne Ahmadinedschad natürlich wie jedes andere Staatsoberhaupt zur WM kommen. Schäuble erklärte, dass es zu einem möglichen Besuch des Staatspräsidenten bereits Gespräche mit dem Iran auf diplomatischer Ebene gebe. Erneut betonte der Innenminister, dass die iranische Mannschaft, die sich für das Turnier qualifiziert hat, "unter Sicherheitsgesichtspunkten ein Sorgenkind ist".

Wiefelspütz sieht kein Problem bei Besuch

Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz würde den iranischen Präsidenten in Deutschland willkommen heißen. "Als Staatsoberhaupt ist Herr Ahmadinedschad natürlich willkommen in Deutschland, auch wenn wir politisch erhebliche Vorbehalte gegen viele seiner Äußerungen haben", sagte er in einem Zeitungsinterview.

Ähnlich äußerte sich FDP-Fraktionsvize Werner Hoyer. Er betonte, dass jede teilnehmende Nation herzlich willkommen sei, das gelte auch für den iranischen Staatspräsidenten. Er schränkte ein: "Allerdings leben wir in einer freien Gesellschaft, in der man auch auf Dinge angesprochen wird. Und ich hoffe, jeder Gesprächspartner tut dies bezüglich seiner Äußerungen zum Thema Holocaust, Israel und iranische Nuklearpolitik, die völlig unerträglich sind."

Zentralrat wertet indirekte Einladung als Skandal

Der stellvertretende Grünen-Fraktionschef Hans-Christian Ströbele würde einen Besuch Ahmadinedschads hingegen am liebsten ganz verhindern. Er sagte: "Man sollte Herrn Ahmadinedschad klar zu verstehen geben, dass er hier wegen seiner schrecklichen antiisraelischen, antisemitischen und islamistischen Äußerungen in keinster Weise willkommen ist."

Der Zentralrat der Juden in Deutschland wertete die Äußerungen Schäubles als indirekte Einladung an den Staatspräsidenten und bezeichnete dies als Skandal.

Der Minister widerspreche damit der erfreulich harten Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Walter Steinmeier an Teheran und stelle damit die Grundhaltung der Bundesregierung "gegenüber Holocaust-Leugnern und Personen, die die Existenz des Staates Israel bedrohen", in Frage, sagte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan J. Kramer. Schäuble setze die Glaubwürdigkeit Berlins im Kampf gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit aufs Spiel.

Quelle: sid

 
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