| 19.12 Uhr
Verschiedene Positionen
Streit um Nackt-Scanner
So funktioniert der Nackt-Scanner
So funktioniert der Nackt-Scanner FOTO: AFP
Köln (RPO). Zum Einsatz von Nackt-Scannern an Flughäfen gibt es verschiedene Positionen: Eine Ethikerin spricht sich unter Vorbehalten für ihren Einsatz aus. Die Kirche lehnt die Scanner ab.

Die Tübinger Ethikerin Regina Ammicht-Quinn hat die Ablehnung von Nackt-Scannern durch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) als übereilt kritisiert. Allerdings müssten bei einem möglichen Einsatz der Scanner Alternativen angeboten werden, sagte die Moraltheologin dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Dies komme etwa in Frage für Menschen, die sich aus religiösen oder psychologischen Motiven nicht nackt betrachten lassen wollten. Außerdem müsse gewährleistet sein, dass die Daten sofort gelöscht würden.

Zuvor hatte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, die geplante Verwendung der Geräte an Flughäfen strikt abgelehnt. Eine solche Praxis widerspreche der Menschenwürde, sagte der Zollitsch der "Augsburger Allgemeinen". Dies gelte zumindest in allen Fällen, wo es keine konkreten Verdachtsmomente gebe. Die Intimsphäre müsse unantastbar bleiben. Je näher ein Eingriff diesem Bereich komme, desto strenger müssten die Anforderungen sein.

Der Freiburger Erzbischof sagte, er beobachte eine "gewisse Sorglosigkeit beim Umgang mit dem informationellen Selbstbestimmungsrecht und bei der Wahrung der Privatsphäre". Er wundere sich immer wieder, "wie viel manche Menschen in der Öffentlichkeit über sich preisgeben".

Ammicht-Quinn warnt vor vorschnellem Urteil

Ammicht-Quinn betonte mit Blick auf Schäuble, "Unfug" sei ein vorschnelles Urteil über ein komplexes Forschungsfeld. Fragen der Menschenwürde seien aber "mit Sicherheit" berührt, zumal wenn es einen staatlichen Zwang zu einer Preisgabe von Intimität gebe, erklärte die Theologin, die in einem Forschungsprojekt an der Uni Tübingen den Einsatz von Ganzkörper-Scannern untersucht.

Flughäfen, so Ammicht-Quinn weiter, seien besonders normierte Orte. "Hier werden Dinge akzeptiert, die sonst nicht denkbar wären." Wenn diese Technik allerdings frei verkäuflich wäre und etwa in Fußballstadien, U-Bahnen oder gar in Kaufhäusern genutzt würde, um Ladendiebe ausfindig zu machen, würde sich die Gesellschaft nach Ammicht-Quinns Ansicht "massiv schaden".

Quelle: afp
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