Sorgerecht: Streit um Sohn von Ehrenmord-Opfer Sürücü
zuletzt aktualisiert: 18.04.2006 - 10:34Berlin/Düsseldorf (RP/rpo). Nach dem Berliner Prozess um den so genannten Ehrenmord an der jungen Deutsch-Türkin Hatun Sürücü entbrennt nun ein Sorgerechts-Streit um den kleinen Sohn des Opfers. Er solle nicht bei der "Familie der Täter" leben. Zugleich mehren sich die Rufe nach einer Ausweisung der Familie.
Nach Angaben von Hatuns Schwester Arzu Sürücü will die Familie das Sorgerecht für den sechsjährigen Sohn der Getöteten beantragen. Während des Mordprozesses war der Familie Sürücü jeder Umgang mit dem Kind verboten worden, das zurzeit bei einer Pflegefamilie lebt. Der Grünen-Abgeordnete Volker Beck forderte, dass „die Familie der Täter jetzt nicht auch noch einen Zugriff auf das Kind des Opfers erhält“.
Der Berliner CDU-Spitzenkandidat Friedbert Pflüger erklärte, die Sürücüs könnten nicht in Deutschland bleiben. Die Freude der Familie nach dem Gerichtsurteil zeige, dass sie „in einer anderen Welt lebt“. Pflüger betonte: „Wenn wir nicht entschlossen reagieren, schaden wir dem Gedanken der Integration.“ Auch Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) legte Teilen der Familie die Ausreise nahe.
Jugendsenator spricht sich für Pflegefamilie aus
Berlins Jugendsenator Klaus Böger (SPD) sprach sich ebenfalls gegen die Übertragung des Sorgerechts für den Sohn der ermordeten Hatun Sürücü an deren Familie aus. Zwar sei die Generalvermutung richtig, dass ein Kind am besten bei Familienmitgliedern aufgehoben sei, sagte Böger der "Berliner Zeitung". "In diesem außerordentlichen Fall aber ist dies absolut falsch: Es kann nicht zum Wohle des Kindes sein, dem Familienclan das Sorgerecht zu übertragen." Böger betonte, er unterstütze den Kurs des Jugendamtes Tempelhof-Schöneberg, den Sohn der Ermordeten in einer Pflegefamilie unterzubringen.
Das Berliner Landgericht hatte den 20-jährigen Bruder der jungen Frau wegen Mordes zu neun Jahren Haft verurteilt. Er hatte seine geschiedene Schwester erschossen, weil er ihren westlichen Lebensstil als Kränkung der Familienehre empfand. Zwei ältere Brüder wurden aus Mangel an Beweisen vom Verdacht der Mitwirkung freigesprochen.
Unterdessen setzt sich die NRW-CDU für eine Lösung der so genannten Altfälle ein. Ausländer, die schon seit vielen Jahren hier lebten und sichtlich um Integration bemüht seien, sollten ein dauerhaftes Bleiberecht bekommen, sagte der CDU-Politiker Peter Biesenbach der Rheinischen Post.
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