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Junge Union sorgt mit Vorstoß für Wirbel
Streit um Sonderabgabe für Kinderlose

Streit um Sonderabgabe für Kinderlose
Ein Sandkasten ohne Kinder. Für die Junge Union geht es "um das Wichtigste, nämlich, dass Kinder geboren werden". FOTO: dpa, Stephanie Pilick
Berlin. Die Junge Union stößt mit der Forderung nach einer Sonderabgabe für Kinderlose auf ein geteiltes Echo in der CDU. Scharfe Kritik kam vom Arbeitnehmerflügel CDA.

"Viele Menschen leiden unter ihrer Kinderlosigkeit", sagte der stellvertretende Vorsitzende Christian Bäumler dem "Handelsblatt". Eine solche Sonderabgabe stigmatisiere und sei mittelalterlich. CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn sprach dagegen von einem "mutigen Vorschlag", für den die Junge Union auf dem Bundesparteitag im Dezember kämpfen solle.

Die Jugendorganisation der CDU dringt auf einen Kurswechsel in der Renten- und der Familienpolitik. Der JU-Vorsitzende Paul Ziemiak verlangte in der "Süddeutschen Zeitung" unter anderem ein "Starterpaket" von 1000 Euro für jedes neu geborene Kind sowie eine automatische Erhöhung des Renteneintrittsalters, das an die Entwicklung der durchschnittlichen Lebenserwartung geknüpft werden solle.

Zur Finanzierung schlug der 29-Jährige vor, dass Menschen ohne Kinder eine Sonderabgabe von einem Prozent des Bruttoeinkommens zahlen sollten: "Das wäre keine Benachteiligung, sondern nur ein Ausgleich" für die Kosten, die Eltern hätten. Es gehe "um das Wichtigste, nämlich, dass Kinder geboren werden – also um unsere Zukunft". Präsidiumsmitglied Spahn äußerte die Hoffnung, dass auf dem nächsten Bundesparteitag über den Vorstoß abgestimmt werde. "Das Verhältnis von Eltern zu Kinderlosen ist eine der Zukunftsfragen Deutschlands. Da geht's natürlich auch um Geld."

Von "hanebüchenem Unsinn" sprach die Vize-Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Carola Reimann. Der Vorstoß sei ein Schlag ins Gesicht der Millionen Menschen die ungewollt kinderlos sind, sagte Reimann unserer Redaktion. "Wir wollen es leichter machen, sich für Kinder zu entscheiden." So plant Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD), die Förderung für künstliche Befruchtungen, die bislang Ehepaaren vorbehalten ist, auf Paare ohne Trauschein ausweiten.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, sagte unserer Redaktion: "Wir müssen Familien fördern statt Kinderlosigkeit bestrafen. Die Junge Union versucht offenbar die Unsinn-Politik der CSU-Mutterpartei bei Maut und Betreuungsgeld noch zu toppen. Sonderabgabe für Kinderlosigkeit ist absurde und diskriminierende Strafpolitik. Familien helfen gute Bildung, bessere Infrastruktur, flexible Arbeitszeiten. Das ist moderne Familienpolitik, die wir brauchen. Da sollte die Union ran."

Quelle: RP
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