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"Reine Mitnahmeeffekte": Studie: Betreuungsgeld bringt nichts

zuletzt aktualisiert: 09.12.2009 - 08:26

Berlin (RPO). Die Einführung eines Betreuungsgeldes hätte einer neuen Studie zufolge keinen nennenswerten Einfluss auf das Verhalten deutscher Frauen. Der größte Teil der veranschlagten 1,4 Milliarden Euro würde demnach für Mitnahmeeffekte draufgehen. Für 150 Euro ändern nur wenige Frauen ihr Verhalten, so die Vermutung.   

Ist das Kind morgens krank, geraten Berufstätige unter Stress.  Foto: tmn
Ist das Kind morgens krank, geraten Berufstätige unter Stress. Foto: tmn

Dies geht nach Informationen der Tageszeitung "Die Welt" aus einer noch unveröffentlichten Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag des Bundesfamilienministeriums hervor.

"Nur sehr wenige Mütter mit kleinen Kindern werden wegen 150 Euro im Monat ihr Verhalten ändern. Es bleiben diejenigen zu Hause, die ohnehin nicht arbeiten würden", sagte ZEW-Experte Holger Bonin dem Blatt zufolge. Dies gelte der Studie zufolge besonders für Familien mit Migrationshintergrund.

Sollte das in der Koalition umstrittene Betreuungsgeld wie angekündigt 2013 eingeführt werden, würde nach der Prognose des ZEW die Hälfte der teilzeitbeschäftigten Mütter ihren Job aufgeben, um sich selbst um ihre ein- und zweijährigen Kinder zu kümmern.

"Für sie lohnt es sich, das Betreuungsgeld in Anspruch zu nehmen und die Betreuungskosten zu sparen. Allerdings ist die Gruppe der Teilzeit arbeitenden Mütter mit einem ein- oder zweijährigen Kind nicht sehr groß", wurde Bonin weiter zitiert.

Auf Vollzeit berufstätige Frauen hätte die neue Geldleistung dagegen keinerlei Auswirkung. Vor allem gut qualifizierte Frauen, die heute vielfach nur deshalb nicht arbeiteten, weil sie keinen bezahlbaren Betreuungsplatz für ihr Kleinkind hätten, würden früher wieder in den Arbeitsmarkt zurückkehren, wenn genügend Krippenplätze vorhanden seien, sagte ZEW-Arbeitsmarktexperte Bonin. "Dieser sehr starke positive Arbeitsmarkteffekt würde auch durch die Einführung eines Betreuungsgeldes nicht verringert", betonte er laut "Welt".

Die neue Bundesfamilienministerin Kristina Köhler (CDU) will das Betreuungsgeld  indes zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit machen. Uns gehe es darum, "wie wir junge Väter und Mütter stärken können, die sich in den ersten Jahren nach der Geburt eines Kindes zu Hause Vollzeit der Erziehung widmen", sagte die 32-jährige Ministerin der "Welt am Sonntag". "Das ist mir ein sehr wichtiges Anliegen, denn diese Eltern wollen ganz bewusst keinen Krippenplatz in Anspruch nehmen."

Ab 2013 sollen Eltern von Kleinkindern 150 Euro im Monat erhalten, wenn sie für ihre Kleinkinder keinen Betreuungsplatz wollen. Die FDP lehnt die neue Geldleistung ab und will allenfalls Gutscheine gewähren.

Auch Köhlers Amtsvorgängerin Ursula von der Leyen (CDU), die ins Arbeitsministerium gewechselt ist, stand dem vor allem von der CSU geforderten Betreuungsgeld skeptisch gegenüber.

Quelle: AP/csi

 
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