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Studie "Die enthemmte Mitte"
Bildung hilft

Studie "Die enthemmte Mitte" zu Homosexuellen, Muslimen und Rechtsextremen
FOTO: dpa, msc fpt
Meinung | Berlin. Es ist erschreckend, was eine repräsentative und allseits anerkannte Langzeit-Studie der Leipziger Universität über die rechtsextremen Einstellungen der Deutschen zutage bringt. Jeder Zehnte wünscht sich demnach heute einen Führer, der das Land zum Wohle aller mit starker Hand regiert. Von Birgit Marschall

Ein Drittel hält Deutschland für gefährlich überfremdet. 40 Prozent finden, Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden. Ebenso viele reagieren mit Ekel, wenn sich Homosexuelle auf der Straße küssen. Donald Trump hätte offenbar auch in Deutschland leichtes Spiel.

Die Ideologie des "völkischen Denkens" sei "sehr verbreitet" – nicht nur in rechtsextremen Parteien, sondern in der Mitte der Gesellschaft, lautet der Befund der Leipziger Forscher. Selbst unter Anhängern von Grünen und Linken gebe es signifikante Anteile von Ausländerfeindlichkeit und deutschem Überlegenheitsdenken.

Besser als durch diese Studienergebnisse lässt sich der Erfolg der AfD nicht erklären. Was NPD und Pegida nicht vermochten, schafft die Partei Alternative für Deutschland: Sammelbecken für alle die zu sein, die für rechtsextreme und ausländerfeindliche Ressentiments empfänglich sind. Das Reservoir für die AfD scheint mit Wahlergebnissen von zehn Prozent nicht ausgeschöpft zu sein.

Forscher stellen Verrohung der Diskussion fest

Im Unterschied zu früheren Jahren sind ausländerfeindliche und chauvinistische Einstellungen nicht nur, aber vor allem durch die AfD salonfähig geworden. Schamgefühle oder Ängste sich zu äußern gibt es nicht mehr. Die sozialen Netzwerke bilden eine ideale Plattform für die Mobilisierung dieser Ressentiments.

Die Leipziger Forscher stellen eine Verrohung der Diskussion fest, einhergehend mit einer heute deutlicheren Spaltung der Gesellschaft. Denn auf der anderen Seite gibt es auch positive Entwicklungen: Ausländerfeindlichkeit, deutscher Chauvinismus und Antisemitismus haben im Zeitverlauf zumindest nicht weiter zugenommen, weil die Zahl derer, die auch dagegen halten, größer geworden ist.

Je höher der Schulabschluss desto geringer sind die Werte bei den rechtsextremen Einstellungen. Bildung kann also helfen: Das lässt zumindest hoffen. Und: Rechte Einstellungen sind zwar überall verbreitet, aber Ostdeutschland hat ein spezifisches Problem. Insbesondere für die ostdeutschen Länder bedeutet das, dass sie endlich viel mehr Geld und Kraft investieren müssen, um in Schulen und Jugendeinrichtungen mit besserer Aufklärungsarbeit dagegen zu halten.     

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