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Kriminologen fordern Prävention
Studie sieht mehr Gewaltkriminalität durch Flüchtlinge

Studie sieht mehr Gewaltkriminalität durch Zuwanderer in Deutschland
Razzia in einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Mengen (Archivbild vom 01.02.2016). FOTO: dpa, mut fdt axs
Köln. Durch Zuwanderer ist es zwischen 2014 und 2016 zu einem spürbaren Anstieg von Gewalttaten gekommen: Eine von dem Kriminalwissenschaftler Christian Pfeiffer geleitete Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums hat dazu die Lage in Niedersachsen analysiert.

Laut Kriminalstatistik stieg die Zahl der polizeilich registrierten Gewalttaten in Niedersachsen zwischen 2014 und 2016 um 10,4 Prozent. Zu 92,1 Prozent sei diese Zunahme Flüchtlingen zuzurechnen, heißt es in der am Mittwoch veröffentlichten Studie. Fast jede achte Gewalttat schreibt die Polizei Migranten zu, die entweder Asyl beantragt, irgendeine Art von Schutz erhalten haben, als Schutzsuchende abgelehnt wurden oder zur Gruppe mit "unerlaubtem Aufenthalt" zählen. Flüchtlinge fallen damit deutlich häufiger als Verdächtige einer Gewalttat auf, als es ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht.

Es fehlen die Frauen

Allerdings weisen die Autoren Vorwürfe einer pauschal höheren Kriminalitätsneigung von Flüchtlingen zurück. Der höhere Anteil sei auch damit zu erklären, dass es sich zu einem großen Teil um junge Männer in der Altersspanne handele, in der Menschen verstärkt straffällig würden. Auch die Unterbringung von Flüchtlingen unterschiedlicher Herkunft und Religion in beengten Unterkünften begünstige Gewalt. Außerdem würden Delikte von Flüchtlingen verstärkt angezeigt.

Die Autoren verweisen zudem noch auf andere Faktoren, die Gewaltkriminalität fördern. Ein wichtiger Aspekt des Problems sei, dass Flüchtlinge in Deutschland häufig in Männergruppen lebten - ohne Partnerin, Mutter, Schwester oder andere weibliche Bezugsperson. Dieser Mangel an Frauen erhöhe die Gefahr, dass junge Männer sich "an gewaltlegitimierenden Männlichkeitsnormen orientieren", heißt es in der Studie. Außerdem fehle die "zivilisierende Wirkung", die von Frauen ausgehe.

Pfeiffer hält die Idee des Familiennachzugs deshalb für "nicht dumm". Auch Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) bekräftigte ihre Forderung nach Familiennachzug: "Mütter, Ehefrauen und Schwestern sind das soziale Band, das die meist jungen, männlichen Geflüchteten brauchen, um sich gut integrieren zu können", sagte die Ministerin. Umso wichtiger sei es, rasch "zu einer guten und menschlichen Regelung für den Familiennachzug zu kommen". 

Sprachkurse und Sport

Die Unterschiede zwischen den Herkunftsländern sind laut Studie sehr groß. So fielen Syrer, Iraker und Afghanen deutlich seltener auf; Menschen aus Marokko, Algerien und Tunesien hingegen besonders oft. Letztere stellten 2016 nur 0,9 Prozent der in Niedersachsen registrierten Flüchtlinge, aber 17,1 Prozent der Tatverdächtigen.

Die Kriminologen sehen einen der Gründe in der Perspektivlosigkeit in dieser Gruppe, die überwiegend aus Männern zwischen 14 und 30 Jahren bestehe. Pfeiffer forderte deshalb am Mittwoch im Deutschlandfunk ein freiwilliges Rückkehrprogramm, eine bessere Sicherung der europäischen Grenzen und mehr Integrationsanstrengungen. Unter anderem sollte es demnach bessere Angebote wie etwa Sprachkurse, Sport und Praktika sowie Betreuungskonzepte für junge Flüchtlinge geben

Bleibeperspektive ist entscheidend

Zugleich verwies der Kriminologe darauf, dass sich Kriegsflüchtlinge im Allgemeinen relativ angepasst verhielten. Ganz anders sei es bei jungen Zuwanderern, deren Asylanträge abgelehnt worden seien und die keine Perspektive in Deutschland hätten.

Die Wissenschaftler halten ein Einwanderungsgesetz für sinnvoll, in dem klar geregelt ist, unter welchen Bedingungen Ausländer eingebürgert werden können. "Das schafft für sie einen starken Anreiz, sich engagiert um die Erfüllung der Einwanderungsvoraussetzungen zu bemühen", heißt es in der Untersuchung. Abgewiesene Asylsuchende sollten zudem mehr Unterstützung in ihrem Heimatland bekommen. Dafür solle der Staat mit mehr Geld Projekte in den Heimatländern der Flüchtlinge finanzieren.

(oko/KNA/dpa)
 
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