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AfD-Jugendchef Sven Tritschler
"Einige mimen den Flüchtling, während zuhause gestorben wird"

Sven Tritschler - warum er einige Flüchtlinge für feige hält
Sven Tritschler vor dem Kölner Dom: "Wo der Islam in der Mehrheit ist, werden Mädchen in der Schule angepöbelt, wenn sie kein Kopftuch tragen." FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Köln. Den Islam hält er für eine verbrecherische Ideologie, geflohenen Syrern wirft er Feigheit vor – Sven Tritschler (34) ist Vorsitzender der "Jungen Alternative", der Jugendorganisation der AfD. Warum sagt er das alles? Ein Interview. Von Sebastian Dalkowski

Sind wir uns einig, dass niemand aufgrund seiner Herkunft oder Religion diskriminiert werden darf?

Sven Tritschler Richtig.

Sind wir uns einig, dass Angriffe auf Asylheime durch nichts zu rechtfertigen sind?

Tritschler Absolut.

Sind wir uns einig, dass Deutschland grundsätzlich Flüchtlinge aufnehmen muss?

Tritschler Richtig – soweit es das aushalten kann.

Sie haben mehrfach gesagt, dass Antisemitismus in Ihrer Partei nicht geduldet wird. Warum erteilt Ihre Partei der Anti-Islam-Stimmung nicht eine genauso deutliche Abfuhr?

Tritschler Es gibt wenige Juden, die sich in Deutschland oder Europa in die Luft sprengen.

Die meisten Moslems sind aber doch friedlich. Darauf könnte Ihre Partei die Anhänger doch mal hinweisen.

Tritschler Das hat auch nie jemand bestritten. Wir haben die klare Ansage, dass wir nicht vor Asylbewerberheimen demonstrieren. Aber unter diesen Leuten sind schwarze Schafe, die an den Anschlägen in Brüssel beteiligt waren.

Unter den bisher feststehenden Tätern von Brüssel war kein Asylbewerber. Und selbst wenn – auch das ist kein Grund, gegen Flüchtlinge oder Moslems zu hetzen. Das finde ich gefährlich in Zeiten, in denen rechte Gewalt in Deutschland zunimmt.

Tritschler In nicht wenigen Fällen stellt sich heraus, dass es gar keinen rechtsradikalen Hintergrund gibt, aber das wird erst mal immer angenommen. Klar, jeder Anschlag auf ein Asylbewerberheim ist schrecklich, aber es ist auch logisch, dass, wenn sich die Zahl der Asylbewerberheime vervielfacht, so etwas auch häufiger vorkommt. Ich glaube, wir bieten den Leuten im System eine demokratische Alternative, sodass sie gar nicht auf solche Ideen kommen, sondern bei uns ihre Ängste formulieren können.

Wann wurde der Islam für Sie zum Thema?

Tritschler Direkt konfrontiert werde ich damit, seitdem ich in Köln wohne. Der Moscheebau ist für mich ein Zeichen: Der Islam breitet sich immer mehr aus. Die eine oder andere Erscheinungsform finde ich schon bedrohlich.

Welche?

Tritschler Am Wochenende erzählte mir ein Schüler aus Bad Godesberg, dass er einer der wenigen Deutschen in der Klasse sei und einige Mädchen vollverschleiert seien. Zwei, drei wissen auch schon, wen sie heiraten werden, weil die Eltern das entschieden haben. Gefühlt breitet sich das immer mehr aus.

Gefühlt ist nicht gewusst.

Tritschler Die offiziellen Statistiken sind sehr schweigsam, aber die Geburtenraten sind da deutlich höher als bei Deutschen.

Die Geburtenraten sinken durch Integration über die Generationen aber doch.

Tritschler Die Frage ist, ob sie nicht so isoliert sind, dass sie mit der deutschen Kultur kaum noch in Berührung kommen und nicht diesen Lebensstandard erreichen.

Wie viel persönlichen Kontakt haben Sie denn zu Moslems?

Tritschler Zu Schulzeiten mehr. In unserem ersten Vorstand der Jungen Alternative hatten wir einen Moslem. Wir haben auch Moslems in der AfD. Weil ich viel nach Brüssel pendele, habe ich in meinem persönlichen Umfeld nicht so viele Kontakte.

Woher beziehen Sie Ihr Wissen über den Islam?

Tritschler Sehr auf das Thema aufmerksam gemacht hat mich Thilo Sarrazin mit "Deutschland schafft sich ab". Das war sehr fundiert.

Das Buch ist ziemlich umstritten. Es gibt Wissenschaftler, die zu fundierten anderen Ergebnissen kommen.

Tritschler Klar, es gibt auch fundierte Gegenmeinungen – wobei es da auch so eine Industrie gibt. Köln gibt Millionen aus, um Migranten zu integrieren.

Das ist doch gut.

Tritschler Für mich ist Integration eine Bringschuld. Wenn ich sehe, wer es am erfolgreichsten hinbekommt, sind das Länder wie Kanada, USA und Australien. Die sagen: Du musst arbeiten, dein Geld selbst verdienen, die Sprache selbst lernen. Da gibt es keine Förderprogramme. Hier fühle ich mich, als wäre ich dafür verantwortlich, dass die Leute, die in mein Land kommen, sich wohlfühlen.

Warum habe ich das Gefühl nicht?

Tritschler Das weiß ich nicht. Die Frage ist: Warum holen wir uns die Probleme ins Land, wenn wir schon genug Probleme haben? Es gibt genug Deutsche, die nicht Teil der produktiven Gesellschaft sind.

Das Motto der Kölner lautet "Leben und leben lassen" – gilt das auch für Muslime?

Tritschler Grundsätzlich ja. Die Frage ist nur, ob das funktioniert, wenn Moslems in einzelnen Bereichen zur Mehrheit werden. Wo der Islam in der Mehrheit ist, werden Mädchen in der Schule angepöbelt, wenn sie kein Kopftuch tragen.

Trauen Sie muslimischen Frauen zu, ihr Kopftuch freiwillig zu tragen?

Tritschler Es gibt sicherlich welche, aber in den meisten Fällen ist es, glaube ich, ein Druck aus der Familie.

Die Junge Alternative hat sich dagegen ausgesprochen, Werbung mit nackter Haut einzuschränken. Begründung: Das kann die Frau selbst entscheiden. Mit dieser Begründung müssen Sie aber auch den Frauen erst mal zugestehen, dass sie das Kopftuch aus freien Stücken tragen. Eine Frau mit Kopftuch hat mal zu mir gesagt: Ein Minirock kann auch Unterdrückung sein.

Tritschler Das ist ein Argument. Ich sehe aber den Minirock als Teil der westlichen Kultur, das Kopftuch nicht. Das Kopftuch ist für mich ein großer Sprung zurück, was Frauenrechte betrifft.

Sie haben mal gesagt: "Jeder gut assimilierte, säkulare Muslim hat auch weiterhin einen gleichberechtigten Platz in unserem Land." – was meinen Sie mit assimiliert?

Tritschler Assimiliert heißt, ich kann die Sprache, ich beherrsche die Kultur. Also dass ich beispielsweise Frauen respektiere und ihnen die Hand gebe.

In manchen Kulturen gibt man sich nicht die Hand.

Tritschler Wir sind hier in Deutschland. Da erwarte ich schon, dass ein Migrant sich an die ein oder andere Sache gewöhnt. So wie ich mich während eines Studienaufenthalts in Irland daran gewöhnt habe, dass sich Leute volllaufen lassen. Ich würde hier auch nie auf die Idee kommen, mich vor jemandem zu verbeugen, aber wenn ich zu Gast in Japan bin, dann mache ich das.

Aber Sie wurden nicht gezwungen, sich selbst volllaufen zu lassen.

Tritschler Aber ich musste zumindest damit umgehen können.

Moslems kommen sicher damit klar, dass wir uns weiter die Hand geben.

Tritschler Wenn der Vater zum Elternsprechtag kommt, dann muss er der Lehrerin die Hand geben. Das gehört dazu.

Sie haben den Islam eine verbrecherische Ideologie und Steinzeitreligion genannt. Warum?

Tritschler Wenn ich mir anschaue, wo der Islam herrscht, wie dort mit Menschenrechten umgegangen wird – Steinzeit ist vielleicht übertrieben, sagen wir Mittelalter. Er ist sehr rückwärtsgewandt und scheint sich nicht zu entwickeln.

Die Frage ist doch eher, ob es nicht auch viel eher was mit wirtschaftlicher Rückständigkeit zu tun hat, dass sich Länder nicht zu Demokratien entwickeln.

Tritschler Afghanistan ging es vor der Taliban-Herrschaft jedenfalls besser. Die Türkei macht auch nur Rückschritte. Ich sehe die islamische Kultur einfach nicht als gleichwertig an. Mir geht es aber in erster Linie darum, dass sie sich hier bei uns nicht breitmacht.

Definieren Sie den Islam da nicht über seine Auswüchse?

Tritschler Worüber sonst? Ich will keine Angst davor haben, in einer U-Bahn in die Luft gesprengt zu werden.

Angst hat auch viel mit einem selbst zu tun. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich auf dem Weg zur Arbeit einen Autounfall habe, ist immer noch höher. Aber deshalb habe ich nicht ständig Angst davor.

Tritschler Ich habe das Gefühl, die Anschläge sind eher die Spitze des Eisberges. Vielleicht war das alles auch nur ein Vorgeschmack.

Wie kann eine Religion beziehungsweise ein Buch verantwortlich sein für Anschläge? Der Mensch ist doch selbst für sein Handeln verantwortlich.

Tritschler Das ist eine Gemengelage. Es sind natürlich auch Leute darunter, die von der Gesellschaft abgehängt sind. Und wenn einem dann jemand eine Lösung anbietet wie Pierre Vogel – momentan ist es eben der Islam, der vorgibt, Lösungen zu haben.

Ich sehe den Islam eher wie einen Stein. Man kann ihn auf Leute werfen, man kann aber auch ein Haus daraus bauen.

Tritschler Ich sehe gerade nicht viele Häuser, die durch den Islam entstehen.

Reden wir mal über Ihre politische Prägung. Wann ging das los mit Ihnen und der Politik?

Tritschler 1997 habe ich mich in den Jugendgemeinderat wählen lassen in meiner Heimat im Schwarzwald. Es hieß "Du kannst doch ganz gut reden, geh doch da mal rein". Damals gab es einen Bürgerentscheid, ob die Stadt eine Orgelsammlung kaufen sollte. Das war hochemotional. Meine Eltern hatten eine Gastronomie, deshalb war ich dem eher positiv gestimmt. Leider bin ich unterlegen.

Hat Sie die Niederlage getroffen?

Tritschler Ich habe tatsächlich lange mit der direkten Demokratie gehadert, aber dann habe ich die repräsentative Demokratie und ihre Vertreter kennengelernt.

Womit hatten Sie im Jugendrat noch zu tun?

Tritschler Es hat mich sehr geprägt, dass er von einem 68er-Sozialarbeiter betreut wurde. Im Vorstand mussten immer eine Frau und ein Ausländer sitzen. Dann hat sich an Fasnacht eine Gruppe von überwiegend Migranten zusammengerottet und eine Gaststätte belagert. Die Polizei hat Stunden gebraucht, bis sie das geregelt hatte. Daraufhin habe ich einen ziemlich deutlichen Leserbrief geschrieben – von dem Moment an war ich in dem Jugendgemeinderat der böse Rechte.

Was stand in dem Brief?

Tritschler Dass man mal über das Thema Ausländerbanden in der Stadt reden muss. Gerade für Jugendliche war das immer ein Thema. Da war klar, dass man in bestimmten Ecken seine Zigarettenschachtel los war und was auf die Mütze bekam. Das hat aber nie jemand ausgesprochen.

Vielleicht hat es nicht jeder so gesehen.

Tritschler Davon gab es sicherlich welche, aber in meinem Umfeld war die Meinung relativ eindeutig. In der Schule sind wir allerdings trainiert worden, dazu nichts zu sagen. Ich habe damals gelernt, dass man zur Seite gedrängt wird, wenn man unangenehme Themen anspricht.

Sind Sie mal verprügelt worden?

Tritschler Mit Sicherheit.

Und nie von Nicht-Migranten?

Tritschler Da fällt mir kein Beispiel ein. Zumindest war es in solchen Fällen nicht 10 gegen 1, sondern eher 1 gegen 1.

Ich bin immer nur von Nicht-Migranten verprügelt worden. Vielleicht hat das den Unterschied ausgemacht.

Tritschler Ich bin mit Sicherheit nicht auf einem Rachefeldzug. Aber es gab eben in unserer Stadt Ecken, in die man nicht ging. Und das in einem Dorf mit 20.000 Einwohnern. Das war bemerkenswert.

Was hat Sie sonst geprägt?

Tritschler Eine Zeitlang war ich auf dem Trip, Europäer zu sein. Dann habe ich allerdings ein Jahr in Irland studiert und gemerkt, dass ich ziemlich deutsch bin. Die Bürokratie funktionierte nicht wie in Deutschland. Die Leute spuckten in der Uni auf den Boden. Das Essen war grausam. Und die Trinkkultur war auch gewöhnungsbedürftig, da galt "Halb besoffen ist rausgeschmissenes Geld". Da merkte ich, dass es zuhause gar nicht so schlecht ist und die Bahn einigermaßen pünktlich kommt.

Lassen Sie uns über das Thema Flüchtlinge sprechen. Was wäre eigentlich, wenn die Flüchtlinge, die zu uns kommen, alle Christen wären?

Tritschler Dann hätten wir wahrscheinlich weniger Integrationsprobleme. Aber trotzdem möchte ich auch keine anderthalb Millionen Christen im Jahr integrieren.

Sie haben in einer Rede gesagt: "Der IS wird nicht besiegt, wenn die wehrfähigen Syrer und Iraker in deutschen Turnhallen übernachten." Werfen Sie den Leuten vor, dass sie nicht ihr Leben aufs Spiel setzen?

Tritschler Wenn alle Engländer im Zweiten Weltkrieg geflohen wären, dann wäre auch Hitler nicht besiegt worden. Es muss immer Leute geben, die sich dem Unrecht entgegenstellen – und das sind nun mal üblicherweise junge Männer.

Üblicherweise sind es Soldaten. Es klingt ein wenig so, als würden sie den Leuten Feigheit vorwerfen.

Tritschler Dem einen oder anderen ja, wenn er seine Familie im Stich lässt und hierher fährt, um den Flüchtling zu mimen, während zuhause gestorben wird.

Dass hier viele junge Männer hinkommen, liegt ja daran, dass sie vorgehen, weil sie am kräftigsten sind. Die bringen ihre Familie noch in die Türkei und dann gehen sie weiter.

Tritschler Das ist eine Interpretation. Wie häufig das der Fall ist, lasse ich mal dahingestellt.

Sie haben getwittert: "Gutmenschen-Duce Claudia Roth hat in Köln mittelbar mitvergewaltigt." Wie soll ich das denn verstehen?

Tritschler Würde es diese Integrationspolitik der offenen Türen, die die Grünen mitgefördert haben, nicht geben, dann wäre Köln nicht passiert.

Die Grünen sind nicht mal in der Regierung.

Tritschler Sie prägen die politische Ausrichtung der Republik seit Anfang der 80er und haben das Koordinatensystem nach links verschoben, so wie wir es jetzt wieder ein wenig in die andere Richtung verschieben.

Aber Claudia Roth lässt die Flüchtlinge doch nicht persönlich ins Land.

Tritschler Sie wird jeden als Nazi brandmarken, der sich dagegen ausspricht, wohnt aber vermutlich selbst in einem Viertel, in dem es wenige Migranten gibt.

Ich weiß nicht, wo Frau Roth wohnt.

Tritschler Ich weiß nur, dass Herr Augstein, der dieses Multikulti auch immer vor sich herträgt, in einer Villa in Berlin-Zehlendorf wohnt.

Auf der einen Seite soll Claudia Roth mittelbar für Köln verantwortlich sein, nur weil sie für eine Multikulti-Gesellschaft ist. Aber dann sagen Sie: "Ich kann keine Verantwortung übernehmen für die dummen Leute, die meine Zuspitzungen nicht einordnen können." Wenn Frau Roth für Köln mitverantwortlich sein sollte, dann Sie erst recht für Gewalt gegen Flüchtlinge.

Tritschler Im Gegensatz zu mir prägt Frau Roth die politische Landschaft seit Jahren.

Es reicht ja, wenn Sie einzelne mit Ihren Aussagen prägen. Und Frau Roth hat ja nicht schlecht über deutsche Frauen gesprochen, wie Sie schlecht über Flüchtlinge gesprochen haben.

Tritschler Sie steht nun mal für den linksgrünen Mainstream. Es ist auch klar, dass sie das nicht alleine war.

Wie Sie gemerkt haben, halte ich den Islam nicht für so gefährlich, wie Sie es tun. Ich glaube auch, dass wir mehr Flüchtlinge aufnehmen können. Bin ich für Sie verblendet?

Tritschler Ich kenne Sie nicht gut genug, um das beurteilen zu können, aber ich halte Ihren Standpunkt für legitim.

Den Eindruck habe ich nicht.

Tritschler Ich habe nur einen anderen Standpunkt und würde mir wünschen, dass Sie auch diesen Standpunkt für vertretbar halten.

Mit Sven Tritschler sprach Sebastian Dalkowski.

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