Neue SPD-Vize Özuguz hat türkische Wurzeln: Symbolfigur fürs neue Deutschland
zuletzt aktualisiert: 06.12.2011 - 08:39Berlin (RP). Ihre Eltern kamen in den 50er Jahren aus der Türkei nach Deutschland, um Nüsse zu verkaufen. Jetzt ist die Hamburger Bundestagsabgeordnete Aydan Özoguz zur stellvertretenden SPD-Bundesvorsitzenden gewählt geworden. Was das aus ihrer Sicht bedeutet, verrät die neue Vize-Frau im Interview mit unserer Redaktion.
Was bedeutet es für die Migranten in Deutschland, dass die SPD eine Vize-Chefin mit türkischen Wurzeln hat?
Özoguz Ich hoffe, dass es nicht nur für die Migranten etwas bedeutet, sondern für die gesamte Gesellschaft. Die Botschaft soll sein, dass man einen fremd klingenden Namen tragen kann, dennoch in Deutschland geboren ist und in höchste Ämter kommen kann. Das soll selbstverständlich werden.
Hat sich das Verhältnis zwischen Deutschstämmigen und Migranten durch die Sarrazin-Debatte verschlechtert?
Özoguz Ich meine, dass es diese Trennlinie zwischen Deutschstämmigen und Migranten so pauschal nicht gibt. Es gibt aber mitunter eine öffentliche Debatte, die so läuft, dass sich manche Menschen aufgrund ihrer Herkunft angegriffen fühlen.
Erfolgreiche Integrationspolitik lässt sich nur machen, wenn man alle als vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft begreift. Viele Probleme, die es scheinbar mit Migranten gibt, sind in Wahrheit soziale Probleme.
Zum Beispiel?
Özoguz Wenn man sich ärgert, dass nachts randalierende Jugendliche um das eigene Haus laufen, und die Hälfte von ihnen ist arabischer Herkunft, dann ist das kein Problem der Integration, sondern ein Problem mit Jugendlichen, die Langeweile haben oder frustriert sind. Dann muss man mit diesen Jugendlichen arbeiten.
Ist die Frage der Integration nicht nur ein soziales Problem, sondern auch ein kulturelles?
Özoguz Nun müssen Sie ein Beispiel nennen.
Wenn Familien ihre Töchter zwingen, Kopftuch zu tragen, dann ist das keine soziale Frage.
Özoguz Wenn Familien ihre Kinder tatsächlich zu etwas zwingen, dürfen wir das niemals einfach hinnehmen. Wenn wir wirklich etwas erreichen wollen, dürfen wir nicht den Fehler machen, sofort pauschal alle Migranten anzugreifen. Demokratische Werte und Freiheit können nur gemeinsam eingefordert werden.
Eva Quadbeck führte das Gespräch.
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