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afghanistan panorama tanklaster ap bombardement bundeswehr
  Foto: AP, AP
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Nato-Luftschlag in Afghanistan: Taliban sehen Kundus als Schwachstelle an

VON CHRISTINE MÖLLHOFF - zuletzt aktualisiert: 08.09.2009 - 12:38

Kundus (RP). Muhammad Omar glaubt zu wissen, wo das Problem liegt – tausende Kilometer entfernt in Berlin. Omar ist Gouverneur der Provinz Kundus im Norden Afghanistans, wo die Bundeswehr Führungsnation ist. "Die deutschen Soldaten sind unter Druck von ihrer Regierung", klagte er nun Reportern. "Die sagt, sie sind hier, um zu assistieren – nicht um zu kämpfen." Der geringe Kampfeswille der Deutschen sei einer der Gründe, warum die Taliban nun auch in Kundus auf dem Vormarsch seien.

Bewusst hatten sich die Deutschen vor acht Jahren die friedliche Nordprovinz ausgesucht und die Drecksarbeit im unruhigen Süden den Amerikanern und anderen überlassen. Doch nun ist der Krieg nach Kundus gekommen, zu den Deutschen. Kundus wird zur neuen Kampffront in Afghanistan. Laut Omar haben die Taliban bereits 30 Prozent der mehrheitlich paschtunischen Provinz unter ihrer Kontrolle. Sie werden angeblich von Taliban aus dem Süden und ausländischen Militanten verstärkt.

Die Taliban scheinen erkannt zu haben, dass Kundus eines der schwächsten Glieder in der Nato-Front ist. Die Rebellen sollen sich derart sicher fühlen, dass sie am hellichten Tage durch die Straßen schlendern. Am Rand von Kundus-Stadt errichten sie offenbar Straßenkontrollen und bedrohen Bewohner. Doch die deutschen Truppen sind viel zu schwach besetzt, um die Menschen zu schützen. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass die Deutschen attackiert oder in Gefechte verwickelt werden.

Wie brisant die Lage ist und wie schnell sie eskalieren kann, zeigte sich nun am Freitag, als die Taliban zwei Tanklastzüge der Nato kaperten. Angeblich in Sorge, die Militanten könnten mit den rollenden Treibstoff-Bomben das deutsche Camp attackieren, ordnete die Bundewehr einen Nato-Luftschlag an. Mit tragischen Folgen: Es gibt keine ernsthaften Zweifel mehr, dass auch Zivilisten verletzt und getötet wurden. Nur ihre Zahl ist umstritten. Und Deutschland sieht sich auf einmal am Pranger.

Auch im Hoheitsgebiet anderer Nationen gab es in der Vergangenheit Blutbäder an Zivilisten. Aber die Tragödie in Kundus führt nun auch den Deutschen vor Augen, wie weltfremd die Illusion vom sauberen Krieg ist. Die einhellige Meinung: Es gibt sie nicht, schon gar als Guerilla-Kriege. Freund und Feind seien für die Soldaten schwer und in Sekundenschnelle oft gar nicht zu unterscheiden.

Quelle: RP

 
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