Menschen in Bahrain fordern Sturz des Königs: Tausende in arabischen Ländern auf der Straße
zuletzt aktualisiert: 18.02.2011 - 13:01Manama/Kairo (RPO). Auch am Freitag hat es wieder in mehreren Ländern der arabischen Welt Proteste gegeben. Erneut gingen Tausende auf die Straßen und demonstrierten gegen die Regierungen ihrer Länder. Bei Trauerfeiern für die Opfer der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste im Golfstaat Bahrain forderten mehrere tausend Menschen den Sturz von König Hamad bin Issa al Chalifa.
Bei der Trauerfeier für drei Opfer der Polizeiaktion vor einer Dorfmoschee forderten Tausende Schiiten den Sturz der Monarchie. "Das Regime hat etwas in mir zerstört", sagte Ahmed Makki Abu Taki, dessen Bruder auf dem zentralen Platz von Manama getötet worden war. "Wir haben den Rücktritt des Ministerpräsidenten gefordert, aber jetzt verlangen wir den Sturz der ganzen Herrscherfamilie." Bei einer zweiten Trauerfeier im Dorf Karskan riefen Oppositionsführer die Demonstranten zu weiteren friedlichen Protesten auf.
Unterdessen bewachten Soldaten die zentralen Plätze in der Hauptstadt, errichteten Straßensperren und verlegten Stacheldraht. Arbeiter beseitigten die regierungskritischen Graffiti der Demonstranten. In der ersten öffentlichen Stellungnahme der Regierung nach der blutigen Polizeiaktion am Donnerstag sagte Außenminister Chalid al Chalifa, der Einsatz sei nötig gewesen, weil die Demonstranten "das Land polarisieren". Er nannte die Gewalt bedauernswert und erklärte, die Polizei habe versucht, das "Risiko von Todesopfern zu minimieren".
Freiheitsplatz in Jemens Stadt Tais besetzt
Im Jemen drohten am Freitag zehntausende Gegner und Unterstützer von Präsident Ali Abdullah Saleh aufeinanderzustoßen. Mehrere tausend Oppositionelle versammelten sich auf dem seit Tagen besetzten Freiheits-Platz in der Stadt Tais rund 200 Kilometer südlich der Hauptstadt Sanaa. In Erwartung möglicher Auseinandersetzungen errichteten die Regierungsgegner Erste-Hilfe- und Verpflegungs-Zelte. Außerdem wurden Gruppen zusammengestellt, die Befürworter des Präsidenten den Zugang zu dem Platz verwehren sollten.
Rund zehntausend regierungstreue Demonstranten strömten an anderen Stellen der Stadt zusammen. Sie riefen: "Ja zu Einheit und Stabilität, Nein zu Chaos und Sabotage." Das staatliche Fernsehen sprach von einer Million Unterstützer, die sich in der vier Millionen Einwohner zählenden Stadt versammelt hatten.
Nach Einschätzung von Beobachtern sind die Ereignisse in Tais von möglicherweise entscheidender Bedeutung. Um seine Gegner zu besänftigen, hat Saleh bereits zugesagt, 2013 nach Ende seiner Amtszeit auf eine weitere Kandidatur zu verzichten. Außerdem will er nicht mehr seinen Sohn als Nachfolger installieren. Saleh ist ein wichtiger Verbündeter der USA im Kampf gegen die Extremisten-Organisation Al Kaida.
"Siegesmarsch" in Kairo
In Kairo versammelten sich am Freitag Tausende Ägypter zum Freitagsgebet und zogen danach in einem "Siegesmarsch" zur Feier des nach 18 Tagen erzwungenen Rücktritts des langjährigen Präsidenten Husni Mubarak zum Tahrir-Platz. Die Gruppen, die die Protestbewegung organisiert hatten, erklärten den Freitag zum "Freitag des Sieges und der Fortführung". Eine Woche nach dem Rücktritt Mubaraks ist die politische Lage in Ägypten noch ungeklärt. Die Macht hat der Oberste Rat der Streitkräfte, der Reformen versprochen hat.
In der Stadt Basra im Südirak demonstrierten rund 1000 Menschen für höhere Rentenzahlungen, bessere Versorgungsleistungen der Regierung und mehr Arbeitsplätze. Zudem blockierten die Demonstranten eine Brücke und forderten den Rücktritt des Provinzgouverneurs.
In Libyen wurden am Freitag erneut Demonstrationen gegen Staatschef Muammar Gaddafi erwartet. Augenzeugen berichteten, Regierungsgegner hätten die Nacht auf einem zentralen Platz in der zweitgrößten Stadt Bengasi verbracht.
Am Donnerstagabend habe Revolutionsführer Gaddafi in der Hauptstadt Tripolis auf einer Kundgebung von Regierungsanhängern um Unterstützung geworben, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur JANA. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch waren bei den Protesten am Mittwoch und Donnerstag 24 Menschen getötet worden.
Anti-Oppositionsproteste im Iran
Der Aufforderung des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad zu Anti-Oppositionsprotesten sind am Freitag tausende seiner Anhänger gefolgt. Die an der Universität von Teheran versammelte Menge skandierte Todesdrohungen gegen die Oppositionsführer Mir Hossein Mussawi und Mehdi Karubi: "Tod Mussawi, Tod Karubi" riefen die Demonstranten vor dem Freitagsgebet und forderten deren Hinrichtung. Später sollten Medienberichten zufolge auch hohe Geistliche zu den Demonstranten vor der Hochschule stoßen.
In seiner Freitagspredigt forderte der Geistliche Ahmed Dschanati, Chef des mächtigen Wächterrats, die völlige Isolation Mussawis und Karubis. Dschanati brandmarkte beide als "Diener Amerikas" und rief "schämt euch". Die Justiz müsse den beiden Politikern alle Kontaktwege abschneiden, ihr Telefon und Internet abgestellt werden, "sie müssen in ihren Häusern gefangen gehalten werden". Beide Oppositionsführer stehen bereits seit Tagen unter Hausarrest. Der Chef der iranischen Justiz, Ayatollah Sadek Laridschani, kündigte an, dass die Außenkontakte Mussawis und Karubis weiter eingeschränkt werden sollten.
Im Anschluss an das Freitagsgebet hatte das Regierungslager zu einer Großdemonstration aufgerufen, um "seinem Hass, seiner Wut und seiner Verachtung" für die "Anführer des Aufruhrs" Ausdruck zu verleihen, wie es in einer am Donnerstag vom Staatsfernsehen verbreiteten Erklärung hieß.
Am Montag hatten tausende Regierungsgegner in der iranischen Hauptstadt Teheran demonstriert, dabei wurden zwei Menschen erschossen. Die Regierung verstärkte seitdem den Druck auf die Opposition. Während einer Parlamentsdebatte forderten am Dienstag regierungstreue Abgeordnete den Tod des Oppositionsführers und Ex-Regierungschefs Mussawi und von Ex-Parlamentspräsident Karubi.
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