| 08.35 Uhr

Verfassungsschützer im BBC-Interview
"Müssen akzeptieren, dass es Schläferzellen in Deutschland gibt"

Anschläge und Amokläufe in Deutschland seit 2002
Anschläge und Amokläufe in Deutschland seit 2002
München/Berlin. Bemerkenswert deutlich hat sich der Vizechef des Bayerischen Verfassungsschutzes über die Terrorgefahr in Deutschland geäußert. Man müsse hinnehmen, dass es hierzulande sogenannte "Hit Teams" gebe, sagte er dem britischen Sender BBC.  Von Henning Bulka

"Das Risiko ist zwar abstrakt, aber sehr hoch", sagte Manfred Hauser, Vizepräsident beim Bayerischen Verfassungsschutz, in einem Interview mit BBC Radio 4. "Wir müssen akzeptieren, dass wir Hit-Teams und Schläferzellen auch hier in Deutschland haben."

Verfassungsschutz prüft Berichte

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" nutze dabei die Flüchtlingskrise als Zugang nach Deutschland. "Wir haben substantielle Hinweise, dass sich unter den Flüchtlingen auch 'Hit Teams' befinden. Es gibt hunderte solcher Berichte, einige von Flüchtlingen selbst", sagt Hauser weiter.

Diese Berichte würden nun geprüft, aber es gebe "eindeutige Hinweise" darauf, dass in Deutschland IS-Kommando-Strukturen existieren, die Terrorangriffe wahrscheinlich machen. Der Begriff 'Hit Team' wird laut bayerischem Verfassungsschutz auch im Deutschen so verwendet, übersetzt werden kann er wohl mit "Angriffsteam" oder "Mordkommando".

Bundesregierung sieht keine Hinweise auf gezielte Einreise

Die Warnung vor Terroristen, die sich als Flüchtlinge ausgeben und so nach Europa und Deutschland reisen, ist nicht ganz neu. So heißt es im Verfassungsschutzbericht des Bundes für 2015, es sei "davon auszugehen, dass sich unter den Flüchtlingen auch aktive und ehemalige Mitglieder, Unterstützer und  Sympathisanten terroristischer Organisationen (...) sowie Einzelpersonen mit extremistischer Gesinnung und/oder islamistisch motivierte Kriegsverbrecher befinden können". Selten wurde diese Befürchtung jedoch von offizieller Seite so deutlich formuliert wie von  Hauser im Interview mit der BBC.

Die Bundesregierung äußerte sich kürzlich sogar anders. In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag schreibt sie, ihr lägen "keine belastbaren Hinweise vor, wonach sich IS-Mitglieder gezielt unter Flüchtlinge und/oder Asylsuchende mischen bzw. sich selber als solche ausgeben, um einen Aufenthaltsstatus in Deutschland oder anderen europäischen Ländern zu erlangen".

Den englischen Bericht der BBC mit den Interviewpassagen von Manfred Hauser vom bayerischen Verfassungsschutz können Sie hier nachhören, etwa ab der Zeitmarke 1:21:35. Hinweis: Die Zitate von Hauser mussten dabei teilweise der englischen Übersetzung entnommen werden. Daraus resultierende Fehler können wir nicht ganz ausschließen.

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