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Eigentlich hätte heute das Urteil verkündet werden sollen: Terrorprozess: Geheimnisvoller Zeuge belastet Mzoudi

zuletzt aktualisiert: 22.01.2004 - 18:25

Hamburg (rpo). Eigentlich hätte im so genannten Terrorprozess gegen Abdelghani Mzoudi heute das Urteil verkündet werden sollen. Doch weil am Mittwoch plötzlich ein geheimnisvoller Zeuge auftauchte, ist das Oberlandesgericht Hamburg wieder in die Beweisaufnahme eingetreten.

Der Zeuge der Bundesanwaltschaft, der vermutlich Iraner ist, war nach eigenen Angaben iranischer Spion und hat das Land 2001 verlassen. Vor Gericht sagte am Donnerstag ein 28-jähriger Beamter des Bundeskriminalamtes (BKA) aus, der den anonymen Zeugen am Montag in Berlin verhört hatte.

Der 28-jährige Kriminalkommissar war nach Berlin beordert worden, weil der Zeuge zuvor in einem anderen Verfahren verhört wurde und offenbar auch interessante Angaben zu dem in Hamburg angeklagten Terrorverdächtigen Abdelghani Mzoudi gemacht hatte. "Er selbst kannte Mzoudi nicht, will aber ein E-Mail erhalten haben, die ihn schwer belastet", sagte der Beamte.

Welcher Nationalität der Zeuge ist und welchen Aufenthaltsstatus er in Deutschland hat, wisse er nicht, sagte der Kriminalkommissar. Der Zeuge habe bei der Vernehmung gesagt, dass die Bundesanwaltschaft ihm Vertraulichkeit zugesichert habe und er nur zu der Person, "gegen die gerade der Prozess gemacht wird", aussagen werde.

Der Beamte schilderte ausführlich, wie der Zeuge im Zuge seiner Agententätigkeit Informationen über das Terrornetzwerk Al-Qaida und auch Mzoudi erhalten haben will. So habe der Anonyme berichtet, er habe seit 1984 für den iranischen Geheimdienst gearbeitet, bei dem die Abteilung 43 für die Durchführung von terroristischen Operationen zuständig gewesen sei.

1996 habe es die erste gemeinsame Aktion dieser Abteilung gemeinsam mit der Al-Qaida gegeben, habe der Zeuge berichtet. Im selben Jahr habe sich Saif Al Adel, der militärische Chef der Al-Qaida, in den Iran zurückgezogen, weil angeblich eine "große Aktion" bevorstand.

Im Mai 2001 sei der Sohn von Osama Bin Laden mit einer Al-Qaida-Delegation in Teheran gewesen. Offensichtlich sei es um bevorstehende Anschläge gegangen, habe der Zeuge dem vernehmenden Kriminalbeamten berichtet. Daraufhin seien die Operationsteams des iranischen Geheimdienstes in Alarmbereitschaft versetzt worden.

Der Beamte berichtete, der Zeuge habe ihm das entsprechende Schreiben gezeigt, eine Kopie habe er davon aber nicht anfertigen dürfen. Dieses Schreiben habe er auch dem Kanzleramt und dem Bundesnachrichtendienst gezeigt.

Weitere Informationen habe der Zeuge aber nur liefern wollen, wenn "die Bedingungen zur Zusammenarbeit vorab geklärt sind". Der Mann habe nicht von Geld gesprochen, aber betont, dass er davon seinen Lebensunterhalt bestreiten können müsste.

Ferner habe der Zeuge berichtet, dass er 1992 mit dem amerikanischen Geheimdienst CIA eine Vereinbarung über die Lieferung von Informationen getroffen habe, für die er jährlich 150 000 Dollar erhalten sollte. Dieses Geld habe er aber nie bekommen. Nachdem er sich im Juni 2001 aus dem Iran abgesetzt habe, habe er einen Bericht angefertigt, dass am 10. September in den USA etwas passieren werde. Doch die amerikanischen Behörden hätten ihm nicht geglaubt.

Zu dem Angeklagten Mzoudi befragt, habe der Zeuge berichtet, der Name sei ihm nicht bekannt gewesen. Er habe aber unlängst eine E-Mail erhalten, dass Mzoudi von der Al-Qaida eliminiert werden solle, weil er offensichtlich mit deutschen Behörden zusammenarbeite und die Organisation verraten könne.

Mzoudis Arbeitsbereich innerhalb der Organisation sei die Versendung von Informationen an Verbindungspersonen gewesen, da er sich mit Codes gut ausgekannt habe. Als Quelle für diese Mail und alle Informationen über Mzoudi habe der Zeuge eine Person im iranischen Geheimdienst genannt, die"ganz weit oben" angesiedelt sei, die er aber nicht nennen könne.


 
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