Bundesbank-Vorstand: Thilo Sarrazin geht freiwillig
zuletzt aktualisiert: 10.09.2010 - 08:21Düsseldorf (RPO). Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin hat um seine Entlassung gebeten. Nach Angaben der Bank erfolgt dieser Schritt im beiderseitigen Einvernehmen. Sarrazin bat den Bundespräsidenten bereits um die Auflösung seines Vertrags. Christian Wulff ließ seine Zustimmung ausrichten. Sarrazin hatte mit Äußerungen zu Ausländern in Deutschland für Empörung gesorgt.
"Mit Blick auf die öffentliche Diskussion werden die Beteiligten ihre Zusammenarbeit zum Monatsende einvernehmlich beenden", teilte die Bundesbank am Donnerstagabend mit.
Verantwortung für die Institution
Den Antrag auf eine vorzeitige Entlassung des Vorstands zog die Bundesbank zurück. "Der Vorstand der Deutschen Bundesbank und das Vorstandsmitglied Dr. Thilo Sarrazin sind sich ihrer Verantwortung für die Institution Deutsche Bundesbank bewusst", heißt es in der Mitteilung."
Der Vorstand der Bundesbank dankte Sarrazin "für die von ihm als Mitglied des Vorstands geleistete Arbeit" und kündigte an, dass sich beide Seiten in dieser Angelegenheit nicht mehr äußern würden.
Bundespräsident Wulff begrüßt die Bitte Sarrazins nach seiner Entlassung. Wulffs Sprecher Olaf Glaeseker erklärte: "Der Bundespräsident wird dem Antrag von Herrn Sarrazin entsprechen und begrüßt die einvernehmliche Lösung mit der Deutschen Bundesbank."
Proteste gegen Lesung
Unter dem Motto "Keine Toleranz für Rassisten!" hatten am Donnerstag in Potsdam mehrere Dutzend Menschen gegen eine Lesung Sarrazins protestiert. Die Demonstranten kritisierten Äußerungen des SPD-Politikers über muslimische Einwanderer.
Sarrazin wollte am Abend im Potsdamer Nikolaisaal erstmals öffentlich aus seinem umstrittenen Buch "Deutschland schafft sich ab" lesen. Die ursprünglich im Kulturzentrum Waschhaus geplante Veranstaltung des Brandenburgischen Literaturbüros war einige Tage zuvor nach Protesten und Drohungen in das Konzerthaus Nikolaisaal verlegt worden.
Auch die SPD will Sarrazin loswerden
Sarrazin hat in seinem Buch mit Äußerungen über eine angeblich erbliche Dummheit muslimischer Einwanderer bundesweit für Empörung gesorgt. In der vergangenen Woche beschloss der Vorstand der Deutschen Bundesbank einstimmig, beim Bundespräsidenten die Abberufung Sarrazins als Mitglied des Vorstandes zu beantragen.
Unterdessen ging die Diskussion um einen Parteiausschluss Sarrazins weiter. In der SPD sprach sich der Vorsitzende der Partei im Südwesten, Nils Schmid, deutlich für einen Ausschluss aus. "Es wäre fatal, wenn die Partei nicht gegen Sarrazins rassistische Thesen vorgehen würde", sagte Schmid der "Stuttgarter Zeitung".
Nach einer am Vortag veröffentlichten Umfrage fiel die SPD durch die parteiinterne Diskussion um Sarrazins Ausschluss in der Wählergunst mit 25 Prozent auf ihren schlechtesten Wert seit Mitte Mai.
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