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Thomas de Maizière
Der Verunsicherungsminister

Thomas de Maizière: Der Verunsicherungsminister
"Wenn ich die Chance gahabt hätte sein Redemanuskript zu redigieren, diesen Satz hätte ich gestrichen", sagt ein Kommunikationsexperte. FOTO: dpa, wk kno
Düsseldorf. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) ist um seine Aufgabe derzeit nicht zu beneiden. Mit dem Satz "Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern" ist ihm jedoch ein Fehler unterlaufen, der auch Kommunikationsexperten ratlos zurücklässt. Von Vassili Golod

"Das war keine geschickte Krisenkommunikation", sagt Carsten Deuster. Deuster ist Kommunikationsexperte. Er hilft Unternehmen, in schwierigen Situationen die richtigen Worte zu finden und Krisen zu überwinden. 

Der Innenminister kämpft derzeit gemeinsam mit seinen europäischen Amtskollegen gegen den islamistischen Terror. Nach den Anschlägen von Paris sind auch viele Menschen in Deutschland in Sorge. Die Bedrohung ist gefühlt so nah wie nie zuvor. Die Bürger brauchen jetzt jemanden, der ihnen Mut zuspricht. Dieser jemand ist Thomas de Maizière. Eigentlich.

"Diesen Satz hätte ich gestrichen"

Ausgerechnet auf der Pressekonferenz nach der Länderspielabsage in Hannover machte der Minister das Gegenteil. "De Maizières Auftritt war merkwürdig. Jeder hat Verständnis dafür, dass er nicht über Details reden kann. Total überrascht hat mich aber die Aussage: `Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern.´ Dieser Satz löst genau das aus, was er nicht wollte: Verunsicherung", sagt Kommunikationsfachmann Deuster. "Wenn ich die Chance gehabt hätte, sein Redemanuskript zu redigieren, diesen Satz hätte ich gestrichen."

Diese Chance hatte Deuster nicht, der Satz ist genau so gefallen. Für diesen verbalen Patzer wird der Innenminister im Netz gerade mit sehr viel Häme überschüttet. Unter dem Hashtag #DoItLikeDeMaiziere machen sich Twitter-Nutzer über den Fehlschuss lustig

Dass man als Innenminister nicht gleich seine Informanten preisgeben muss, ist klar. Viele Informationen sind geheim und müssen geheim bleiben, um laufende Verfahren nicht zu gefährden. Aber das müsse man auch so klar formulieren, meint Deuster. "Er hätte sagen können: Wir mussten schnell eine Entscheidung treffen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir nicht über Details sprechen können, die Ermittlungen oder Informanten gefährden. So ähnlich hat es sein niedersächsischer Kollege, Boris Pistorius, später getan."

"De Maizières Problem ist seine Obrigkeitsgläubigkeit"

Thomas de Maizière sieht diese Informationspflicht gegenüber der Öffentlichkeit nicht. Überhaupt kann er mit der Kritik aus der Bevölkerung nicht viel anfangen, meint Thomas Wiegold. Der Journalist ist auf die Bereiche Sicherheits- und Verteidigungspolitik spezialisiert und kennt de Maizière aus dessen Zeit als Verteidigungsminister. "Das Problem an de Maizière ist seine Obrigkeitsgläubigkeit", sagt Wiegold. "In seinem Weltbild ist die Obrigkeit Repräsentant des Staates und dient damit der Öffentlichkeit. Er findet es nicht gut das in Frage zu stellen." Heißt konkret: Ihr habt mich gewählt, also lasst mich gefälligst machen. Der Innenminister nennt das "Vertrauensvorschuss". 

Tipps vom Krisenmanager

Aber muss der Innenminister nach seinem fatalen Satz jetzt auch noch um sein Amt bangen? Nein, meint Krisenmanager Deuster. "Auch einem Vollprofi kann mal ein unglücklicher Satz rausrutschen. Je größer die Anspannung, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man etwas falsches sagt. Es wäre unfair, das zu skandalisieren." 

Das Gute ist: Aus Fehlern kann man lernen. Das gilt auch für Minister. "Die Erwartungshaltung ist hoch, Fakten müssen auf den Tisch. Die Kunst bei einer solchen Pressekonferenz besteht darin, etwas zu sagen, ohne sensible, sicherheitsrelevante Details preiszugeben. In der Krise kommt es darauf an, offen zu sein, sich den Fragen zu stellen, aber nichts zu sagen, was ich noch nicht sagen kann", rät Deuster. Das mag für Journalisten zwar unbefriedigend sein, aber gerade im Bereich der Innenpolitik müssten Prioritäten gesetzt werden.

Auf der Pressekonferenz sah man einen verunsicherten Thomas de Maizière, einen Verunsicherungsminister. In der Krisensituation muss er nun beweisen, dass er seinem Amt gewachsen ist - auch ohne Vertrauensvorschuss.

(RPO/gol)
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