Sachsens Ministerpräsident: Tillich – auf leisen Sohlen zum Sieg
zuletzt aktualisiert: 31.08.2009 - 16:18Dresden (RPO). Die CDU konnte nach den drei Landtagswahlen nur einen Sieger präsentieren: Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) holte nach einem Wahlkampf ohne Aufreger über 40 Prozent und kann sich nun den Koalitionspartner aussuchen. Auch seine Position in der Union dürfte sich verbessert haben. Dabei hatte es vor Monaten noch so ausgesehen, als stolpere Tillich über seine eigene DDR-Vergangenheit.
Im Wahlkampf hatte die CDU großflächig mit Tillichs Konterfei geworben – und mit dem schlichten aber offenbar wirkungsvollen Slogan "Der Sachse" auf dessen Herkunft gesetzt. Zumindest der Parteibasis gefällt es außerordentlich, dass nach den West-Importen Georg Milbradt und Kurt Biedenkopf endlich ein Ministerpräsident mit sächsischer Herkunft den Freistaat regiert.
Die Chance, sich als Regierungschef inhaltlich zu profilieren, hat Tillich vor der Wahl kaum genutzt. Er blieb so unauffällig, wie er zuvor in den meisten seiner Regierungsämter seit 1999 agiert hatte. Tillich setzte sich von seinem Vorgänger Milbradt lediglich mit dem von ihm propagierten Verzicht auf Studiengebühren ab.
Im Wahlkampf waren noch Ankündigungen wie die eines kostenlosen Eintritts für Kinder in Museen und einer Rente für ehrenamtliche Feuerwehrleute hinzugekommen. Tillich, so munkelte man, wolle im Schlafwagen zum Wahlsieg. Auf leisen Socken zur Macht schleichen. Mit Erfolg: Tillich war am Wahlabend der einzige Sieger, den die Union präsentieren konnte.
Tillich eine Blockflöte?
Dabei war die Anfangseuphorie um den heute 50-Jährigen, die es nach seiner Amtsübernahme vor 15 Monaten gab, zuvor längst verflogen. Als er im Mai 2008 die Nachfolge von Milbradt als CDU-Landeschef und sächsischer Ministerpräsident antrat, galt er über Parteigrenzen hinweg als Hoffnungsträger.
Zuletzt wurde mit dem Namen des 50-Jährigen vor allem die Debatte um die DDR-Blockpartei CDU und seinen Umgang mit der eigenen Vita vor 1989 verbunden. Der Sohn einer sorbischen Familie war von Mitte 1989 bis Mitte 1990 stellvertretender Vorsitzender des Rates im Kreis Kamenz (Sachsen), zuständig für Handel und Versorgung. Das war ein politischer Posten, den in der DDR nur systemtreue Menschen bekleiden durften.
Als der Vater zweier Kinder im Jahr 1999 vor seinem Eintritt in die Regierung Biedenkopf den für alle Amtsanwärter üblichen Fragebogen auszufüllen hatte, erwähnte er eine "Mitgliedschaft" im Rat des Kreises, verschwieg jedoch seine herausgehobene Position.
Falsche oder unkorrekte Fragebogen-Antworten haben bei zahlreichen Ostdeutschen geringerer Prominenz dazu geführt, dass sie nach der Wende nicht in den öffentlichen Dienst übernommen wurden. Tillich hingegen sicherte sich das höchste Amt im Freistaat – wenn auch mit einer Hypothek.
Selbst die Parteienkonkurrenz verzichtete im Wahlkampf weitgehend darauf, die Vergangenheit Tillichs zu thematisieren. Zu unsicher schien wohl die Wirkung auf die sächsischen Wähler. Beim Thema DDR ist auch 20 Jahre nach der Wende noch Vorsicht geboten.
Nach der Landtagswahl und mit dem starken Ergebnis im Rücken wird jetzt von Tillich wahrscheinlich mehr erwartet. In den kommenden Jahren wird Tillich zeigen müssen, ob es der Sachse für Sachsen richten kann.- RP ONLINE
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