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Operation "Libelle": Tirana '97: Das erste Gefecht der Bundeswehr

zuletzt aktualisiert: 14.03.2007 - 07:50

Tirana (RP). „Operation Libelle“ lautete der harmlose Titel: Heute vor zehn Jahren rettete ein deutsches Kommando über 100 Botschaftsangehörige aus bürgerkriegsähnlichen Wirren in Albanien. Dabei wurde scharf geschossen.

Nach einem regelrechten Sturzflug aus 1000 Metern Höhe setzte der olivgrüne Bundeswehr- Hubschrauber unsanft auf der Schotterpiste des alten Flughafens Labrak im Nordwesten von Tirana auf. Die Rotoren der CH-53 wirbelten Wogen von Staub und Dreck hoch. Menschen drängten panikartig auf die Heckrampe zu, draußen fielen Schüsse. Die von Bord gestürmten Soldaten erwiderten das lebensgefährliche Gewehrfeuer aus zwei weißen Panzerwagen. Mehrfach getroffen drehten diese ab.

Trotz dieser filmreifen Szene und einer Vorbereitungszeit von nur wenigen Stunden glückte die Rettung von 104 Zivilisten aus Albaniens Hauptstadt, niemand wurde verletzt. Erstmals befanden sich deutsche Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg in einem Gefecht – exakt 188 Schüsse feuerten sie ab, so ergab die spätere Buchführung. Einer der sechs Helikopter wurde beim Abflug von einer Kalaschnikow- Gewehrkugel getroffen. Doch die gefährliche Operation am 14. März 1997 ist auf dem turbulenten Marsch der deutschen Streitkräfte von der Landesverteidigungs- zur internationalen Einsatzarmee inzwischen fast vergessen.

Der Hilferuf aus Tirana traf die Bundeswehr damals ebenfalls in einer Umbruchsituation: Nach dem „Schock von Ruanda“ (1994 waren Mitarbeiter der Deutschen Welle von Rebellen umzingelt worden; belgische Fallschirmjäger retteten nur die deutschen Staatsbürger unter ihnen) befand sich ein neuer Evakuierungsverband rund um das Kommando Spezialkräfte im Aufbau, war aber noch nicht einsatzbereit. So beauftragte die Bundesregierung Soldaten der Friedenstruppe SFOR in Sarajevo mit der Rettung der Botschaftsangehörigen.

„Die Verabschiedung war bedrückend. Noch keiner von uns hatte in seiner bisherigen Dienstzeit eine Situation erlebt, in der es fraglich war, wie und ob man sich wiedersehen würde“, erinnert sich der heute pensionierte Oberstleutnant Jochen Potz aus Mönchengladbach.

Nachts musste seine Heeresfliegerstaffel im Feldlager Sarajevo-Rajlovac zur Befehlsausgabe antreten: „Die Szene war gespenstisch: Nieselregen, Temperatur um den Gefrierpunkt, nur matte Beleuchtung. Bereits nach wenigen Sätzen wurde uns allen die Gefahr dieses Auftrages deutlich.“

Im Morgengrauen flogen die Helikopter los. Der Kommandoführer, der Fallschirmjäger-Oberst Henning Glawatz, behielt auch die Nerven, als die Alliierten ihre Evakuierungsoperationen abbrachen.

Nacheinander landeten die CH-53 in Labrak. „Männer, Frauen und weinende Kinder stürmen in den Hubschrauber. Wir sind voll, stoßen weitere Personen zurück, starten“, zitiert Potz einen Piloten. Nach 41 aufregenden Minuten war der letzte Helikopter wieder in der Luft. Alle Wartenden kamen mit.


 
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