Trauerfeier in Kundus: Tote Soldaten zurück in Deutschland
zuletzt aktualisiert: 04.04.2010 - 18:21Berlin/Kundus/Bonn (RPO). Mit einer Trauerfeier im nordafghanischen Kundus haben sich die Bundeswehrsoldaten am Sonntag von ihren drei getöteten Kameraden verabschiedet. Sie waren am Karfreitag bei einem der schwersten Angriffe auf die Bundeswehr seit Beginn des Auslandseinsatzes vor acht Jahren ums Leben gekommen.
Die sterblichen Überreste der drei getöteten deutschen Soldaten sind zurück in Deutschland. Am späten Sonntagnachmittag landete auf dem Flughafen Köln-Wahn ein Militärairbus mit den Särgen der Gefallenen an Bord. Neben den Angehörigen war auch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nach Wahn gekommen. Mit an Bord war Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP), der am Morgen noch an der Trauerfeier der Bundeswehr in Kundus teilgenommen hatte.
Bundeswehrangehörige bildeten ein Ehrenspalier, als die drei Särge aus der Maschine getragen wurden. Sie wurden mit einem militärischen Zeremoniell den Heimatverbänden und Angehörigen übergeben. Diese bekamen nach Angaben des Sprechers auch Gelegenheit für ein Gespräch mit dem Verteidigungsminister.
Die vier verletzten Soldaten, die seit Samstag im Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz in Behandlung sind, befinden sich derweil auf dem Weg der Besserung.
Der Zustand der zwei schwerer verletzten Soldaten sei stabil, nachdem sie bis in die frühen Morgenstunden operiert wurden, sagte ein Sprecher des Sanitätsführungskommandos Koblenz auf ddp-Anfrage. Die zwei "mittelschwer Verletzten" sollten bereits im Laufe des Sonntags die Intensivstation verlassen. Die vier Soldaten haben Splitter- und Schussverletzungen.
Bundeswehr geriet in Hinterhalt
Die Patrouille der Bundeswehr war vor zwei Tagen etwa sechs Kilometer westlich von Kundus in einen Hinterhalt geraten. "Die Taliban hatten den Angriff gegen uns von langer Hand vorbereitet", hieß es aus Offizierskreisen. Einer der Offiziere sagte zu ddp in Kundus: "Wir müssen uns jetzt auf diese neue Taktik schnellstens einrichten, sonst erleiden wir noch mehr Verluste."
Nach Erkenntnissen von Geheimdiensten wurden die Bundeswehrsoldaten von Scharfschützen der Al-Qaida getötet, die mit den Taliban zusammen operieren. Es soll sich um Tschetschenen handeln. In den Reihen der Taliban gebe es eine große Anzahl von Kämpfern aus Usbekistan und Turkmenistan sowie Tadschikistan. Sie werden als "bestens ausgebildete Kämpfer" bezeichnet.
Bei den stundenlangen Gefechten waren ein Zugführer, einen 35 Jahre alten Hauptfeldwebel, sowie zwei Hauptgefreite getötet worden. Ihre Särge wurden am Sonntagvormittag im Feldlager von Kundus aufgebahrt. Trauerworte sprachen Brigadegeneral Frank Leidenberger sowie für die Bundesregierung Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP). Anschließend wurden die Särge nach Termes geflogen. Am späten Nachmittag werden die sterblichen Überreste der Gefallenen in Deutschland erwartet.
Der Zustand der bei Gefechten mit Taliban-Kämpfern verletzten vier Soldaten ist stabil. Zwei von ihnen wurden bis in die frühen Morgenstunden operiert, wie die Bundeswehr am Sonntag mitteilte. Sie befinden sich demnach auf der Intensivstation des Bundeswehrkrankenhauses in Koblenz. Die beiden mittelschwer verwundeten Soldaten seien versorgt worden. Sie sollen im Laufe des Tages auf die Normalstation verlegt werden.
Die Männer waren am Samstagabend gegen 22.00 Uhr in Deutschland eingetroffen. Vom Flughafen Köln-Wahn wurden sie anschließend direkt in das Bundeswehrzentralkrankenhaus nach Koblenz gebracht.
Insgesamt acht Soldaten waren am Freitag bei stundenlangen Gefechten mit Aufständischen nahe Kundus verletzt worden, vier davon schwer. Drei ihrer Kameraden wurden getötet. Ihre Leichen sollen heute nach Deutschland überführt werden.
Die Soldaten hatten den Bau einer Brücke und eine Minenräumung vorbereitet, als aus den umliegenden Häusern das Feuer eröffnet wurde. Wenige Stunden später töteten Bundeswehr-Soldaten irrtümlich fünf Angehörige der verbündeten afghanischen Streitkräfte.
Minister spricht von Krieg
Nachdem am Freitag drei deutsche Soldaten in einem Gefecht mit Taliban ums Leben gekommen sind und sechs afghanische Soldaten irrtümlich durch die Hand von Bundeswehrsoldaten getötet wurden, spricht der Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nun von "Krieg".
Guttenberg kündigte am Sonntagnachmittag eine Untersuchung des Vorfalls auf deutscher Seite an. Parallel werde die Nato den Vorfall untersuchen. Guttenberg betonte, dass die Bundeswehr in Afghanistan bleiben werde. Die Bundesregierung werde ihre neue Strategie umsetzen. Auch wenn es nicht jedem gefalle, könne man bei dem Einsatz in Afghanistan "umgangssprachlich von Krieg reden".
Der CSU-Politiker sprach vom einem perfiden Anschlag auf die deutschen Soldaten, bei dem am Freitag drei Soldaten getötet und acht zum Teil schwer verletzt wurden. Guttenberg brachte sein "tiefst empfundenes Mitgefühl" zum Ausdruck. Er wünschte den Verwundeten "beste und auch schnelle Genesung". Er werde ins Bundeswehrkrankenhaus nach Koblenz fahren und sie dort wo möglich persönlich besuchen, kündigte der Minister an.
Auch den Angehörigen der bei dem Gefecht getöteten afghanischen Soldaten sprach Guttenberg sein Mitgefühl aus. Der Minister sprach von sechs getöteten Afghanen und bestätigte damit afghanische Zahlen. Von deutscher Seite war bislang von fünf Todesopfern die Rede.
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