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Rechte Szene
Unser Tröglitz

"Mit Tröglitz ist ein Wendepunkt erreicht"
"Mit Tröglitz ist ein Wendepunkt erreicht" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO
Meinung | Düsseldorf. Die Polizei stellt den CDU-Landrat Ulrich nach Morddrohungen aus der rechten Szene unter Schutz. Das Entsetzen ist groß. Unsere Reflexe funktionieren. Doch diese Haltung hat uns bisher nicht weitergebracht. Wann werden Rechtsextreme endlich Nazis genannt und Attentate Pogrome? Von Lothar Schröder

Tröglitz ist ziemlich weit weg, irgendwo hinten in Sachsen-Anhalt. Knapp 3000 Menschen leben dort. In Tröglitz ziehen sonntags NPD-Mitglieder durch den Ort aus Protest gegen die geplante Unterbringung von 40 Flüchtlingen. In Tröglitz ist der Bürgermeister zurückgetreten, da er wegen des Mobs um die Sicherheit seiner Familie fürchtete. In Tröglitz brannte jetzt der Dachstuhl jenes Hauses, das für die Flüchtlinge vorgesehen war. In Tröglitz wurde nach diesem Anschlag zudem der Landrat bedroht - mit Enthauptung.

Politiker fordern jetzt Entschlossenheit, Verbände mehr Geld für den Kampf gegen Rechts und die Kirchen mehr Courage der Zivilgesellschaft. Unsere Reflexe funktionieren also noch.

Allerdings bleiben Fragen: Was unsere tadellose Haltung bisher gebracht hat? Wann Rechtsextreme endlich Nazis genannt werden und Attentate auch Pogrome? In Tröglitz reißt nicht nur eine bis dahin schweigende Minderheit plötzlich ihr Maul auf. Tröglitz ist vielmehr eine Fortsetzung unserer Geschichte. Darum ist Tröglitz gar nicht weit weg. Dieses Tröglitz ist auch unser Tröglitz.

Quelle: RP
 
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